Winternotprogramm für Wohnungs- und Obdachlose

Katrin Wollberg, Bereichsleitung Spezialangebote Wohnungslose, Geschäftsbereich Aufnahme und Perspektive, f&w fördern und wohnen, gab einen Einblick in das Winternotprogramm von f&w. Welche Angebote stellt dieses für Menschen, die in Hamburg auf der Straße leben, bereit? Welche sind die zentralen Kritikpunkte, die von Öffentlichkeit und Medien häufig vorgebracht werden?

Das Winternotprogramm von f&w bietet obdachlosen Menschen einen Unterschlupf für die Nächte im Winter. Von November bis März sind die Menschen dort willkommen. Insgesamt bietet fördern und wohnen 650 Schlafplätze. Diese sind aufgeteilt auf zwei Standorte: In der Friesenstraße in Hammerbrook können bis zu 400 Obdachlose beherbergt werden, während die Kollaustraße in Lokstedt über rund 250 Schlafplätze verfügt. Die Notunterkünfte öffnen am Abend und schließen am darauf folgenden Tag um 9:00 Uhr morgens. Die Übernachtungsmöglichkeiten bieten neben einem Bett auch abschließbare Spinds, Waschmaschinen, Duschen und Sanitäranlagen sowie getrennte Paar- und Frauenbereiche. Zudem erhalten die Menschen am Abend Mahlzeiten aus Lebensmittelspenden von freiwilligen Helfer*innen. Die obdachlosen Frauen, Paare und Männer behalten ihr Bett, vorausgesetzt sie kommen jeden Abend aufs Neue. Die Mitarbeiter*innen der Unterkünfte beraten und unterstützen die Wohnungslosen bei der Verbesserung ihrer Lebenssituation. Sie sind Ansprechpartner*innen in Krisensituationen und versuchen den Wohnungslosen bei ihren Belangen zu helfen.

Die Notunterkünfte von f&w sind dazu verpflichtet zunächst einmal alle Menschen, die am Abend vor der Tür stehen, hereinzulassen. In den darauffolgenden Tagen finden (freiwillige) Beratungsgespräche mit den Wohnungslosen statt, in denen es um die Situation der Betroffenen geht sowie um Möglichkeiten aus der Wohnungslosigkeit zu entkommen. Diese Beratungen werden von vielen Menschen als Zwang empfunden. Sie stehen in der Kritik, weil einige Menschen, vor allem Ausländer*innen, nach den Gesprächen abgewiesen werden können. Dies ist der Fall bei Nichtdeutschen, die in ihrem Heimatland noch eine Unterkunft haben. Sie werden vorübergehend an die Wärmestube verwiesen. Zudem werden sie zurück in ihr Heimatland gelockt, indem ihnen z.B. Zugtickets für die Rückreise finanziert werden.

Einen weiteren Kritikpunkt stellen die Öffnungszeiten dar. Tagsüber hat die Unterkunft geschlossen, obwohl die Temperaturen im Winter oft auch tagsüber um den Nullpunkt oder sogar darunter liegen. Die Notunterkünfte rechtfertigen dies damit, dass es Tagesaufenthaltsstätten gibt, in denen die Wohnungslosen Unterschlupf finden können. Dennoch bleibt die Frage, wie vertretbar es ist, die Wohnungslosen morgens aus der Einrichtung zu jagen und bei kältesten Temperaturen im wörtlichen Sinne auf die Straße zu setzen.

– von Nora Andresen –

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