Der Winter beginnt…

Im Winter tragen wir eine dicke Jacke, Mütze, Schal, Handschuhe und warme Winterstiefel. Trotzdem wird uns draußen schnell kalt und wir freuen uns, wenn wir zurück nach Hause kommen, wo wir uns wieder aufwärmen können. Doch nicht alle haben ein wärmendes Zuhause. Deshalb geraten Obdachlose gerade im Winter in unseren Fokus. Wir sehen Menschen, die nachts mit dünnen Decken draußen in der Kälte schlafen. Wir hören Berichte von obdachlosen Menschen, die keinen Schutz vor der tödlichen Kälte gefunden haben und auf einer Parkbank erfroren sind, so wie im Fall von Johanna, die bereits Ende Oktober 2018 der Kälte erlag.

Winternotprogramm – Rettung vor dem Kältetod

Weil diese Not uns allen bekannt ist, gibt es besondere Wintereinrichtungen für Obdachlose, damit diese der Kälte entkommen können. Das Winternotprogramm von fördern und wohnen ist eine solche Einrichtung. Es öffnet seine Türen vom 1. November bis zum 31. März und stellt Obdachlosen an zwei Standorten in Hamburg kostenlos Betten bereit. Tagsüber müssen sie zwar wieder raus auf die Straße. Aber wenigstens wartet ein “Zuhause” auf sie, in dem sie sich nachts wieder aufwärmen können. Für viele Obdachlose ist das staatliche Winternotprogramm die Rettung vor dem Kältetod.

Viele nehmen das Angebot bewusst nicht an.

Doch nicht alle Obdachlosen nehmen dieses Angebot in Anspruch. Für viele obdachlose Menschen kommt eine Übernachtung in den Räumlichkeiten des Winternotprogramms nicht in Frage, etwa weil sie ihren Hund nicht dorthin mitnehmen können und ihn nicht alleine in der Kälte zurücklassen möchten. Auch eine mangelnde Privatsphäre in den Gemeinschaftsschlafräumen und Misstrauen sprechen für sie dagegen.

Der erste reale Kontakt mit Menschen, die von Obdachlosigkeit betroffen sind.

Wir werden diesen Winter über im Winternotprogramm mitarbeiten. Was genau uns dabei erwartet, werden wir dann sehen, denn obwohl wir alle in einer Großstadt wohnen und ohne Zweifel nahezu täglich am Rande mit offensichtlicher Armut bis Obdachlosigkeit konfrontiert sind, hat keine von uns bisher in konkretem Kontakt mit Obdachlosigkeit oder Menschen, die in Obdachlosigkeit leben, gestanden.

Obdachlosigkeit kann man im Alltag leicht ausblenden.

Es ist leicht, die Tatsache auszublenden, dass Menschen ohne einen festen Wohnsitz und bisweilen ohne irgendeinen schützenden Wohnraum, aber ganz in unserer Nähe leben. Zudem bildet Obdachlosigkeit außerhalb von Straßenmagazinen wie Hinz&Kunzt keinen markanten Teil eines öffentlichen Diskurses, obdachlose Menschen selbst kommen so gut wie nie zu Wort.

Wir sind gespannt, wie der Einsatz im WNP verläuft

Wie sehr haben uns Vorurteile gegenüber Obdachlosigkeit bisher beeinflusst? Welcher Umgang mit dem Thema ist für uns angemessen? In welche Position begeben wir uns als Studierende der Universität Hamburg, die im Rahmen eines Seminars in dem Winternotprogramm arbeiten werden? Wir werden sehen, welche Antworten wir in ein paar Monaten geben können. Ob sich uns neue Fragen stellen werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.