Buxtehuder Tafel – eine Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen?

 

Erstmal zum formalen Rahmen: Bei der Buxtehuder Tafel werden „überschüssige“, aber qualitativ einwandfreie Lebensmittel gesammelt, welche sich nicht mehr im allgemeinen Verkauf befinden. Sie werden von ehrenamtlichen Mitarbeitern mit Transportern von den verschiedenen Supermärkten und Bäckereien eingesammelt. Manche Supermärkte – wie beispielsweise Rewe – haben sich zu einer Spende an die Tafeln vor Ort verpflichtet. Dazu findet man auf https://www.rewe.de/nachhaltigkeit/unsere-ziele/projekte/tafelaktion/  nähere Informationen. Die Lebensmittel werden nach Prüfung durch die ehrenamtlichen Mitarbeiter an die „Kunden“ der Tafel für einen geringen Betrag weitergegeben. Um Kunde bei der Tafel werden zu können, muss ein gültiger Sozialleistungsbescheid vorliegen. Welche Leistungen dazu zählen, kann auf der Website nachgelesen werden (s.u.). Nachdem der entsprechende Bescheid eingereicht wurde, erhalten die Tafelkunden ihren persönlichen Tafelausweis. Dieser ist mit ihrem Namen, der Anzahl an Personen, auf welche die Leistungen bezogen sind und einer Nummer, welche der Organisation des Ausgabeverfahren dient, versehen. Hinter einem Ausweis kann eine Person, können aber auch acht Personen stehen, diese Angabe ist bei der Ausgabe der Lebensmittel zu beachten. Der Betrag, den die Tafelkunden vor der Ausgabe bezahlen, richtet sich nach der Anzahl der zu verpflegenden Personen, welche auf dem Ausweis vermerkt ist. So bezahlen Einzelpersonen einen Betrag von 1 Euro, 2-5-Personen-Haushalte 2 Euro und ab einem 6-Personen-Haushalt 3 Euro. Dieses Geld wird zur Organisation der Tafel verwendet, da auch hier, wie bei jeder Einrichtung, Kosten anfallen, die es zu decken gilt. Bei der Buxtehuder Tafel erfolgt die Einteilung der Kunden in vier Gruppen. Hierbei wird zwischen geraden und ungeraden Wochen und einer Ausgabe am Dienstag und Freitag unterschieden. Die Reihenfolge, in der sich die Kunden Lebensmittel aussuchen können, richtet sich nach der weiteren Zahl. Sie rotiert, sodass nach einem System jede Woche eine andere Zahl als erstes drankommt und somit jeder Kunde mal als erstes seine Lebensmittel auswählen kann. Auch zu diesen Zahlen sind Gruppen zusammengefasst. Erschreckenderweise werden auch immer mehr Rentner Tafelkunden, da ihre geringe Rente nicht zum Leben ausreicht.

Alle Lebensmittel, die ausgeteilt werden, stammen aus Spenden. Manche Supermärkte (wie z.B. Marktkauf in Buxtehude) stellen zusätzlich Spendenboxen auf, in die Kunden der Supermärkte nach ihrem Einkauf unverderbliche Lebensmittel einwerfen können. Spendenboxen stören die Alltagsidylle und schaffen ein Bewusstsein dafür, dass es nicht allen Menschen gut geht und manche auf Hilfe angewiesen sind. Sie  eröffnen einer breiten Masse der Gesellschaft die Möglichkeit, einen kleinen Beitrag zu leisten und Menschen etwas abzugeben, die Schwierigkeiten bei der Finanzierung ihrer Lebensmittel, Hygieneprodukte, etc. haben. Zusätzlich befinden sich vor Ort Flyer, welche über die Tafel und die Möglichkeiten des Engagements informieren.

Die direkten Spenden der Supermärkte umfassen Obst, Gemüse, Backwaren, Aufschnitt wie Wurst und Käse, Milch und Milchprodukte wie Joghurt, Pudding, Frischkäse und Quark, aber auch Fertigprodukte, Fertigsalate, Süßigkeiten, Konserven, Kaffee, Tee, Marmeladen, Getränke und Blumen. Hinzu kommen Spenden aus Einzelaktionen, z.B. von Drogeriemärkten, welche größere Mengen an Hygieneprodukten, zum Teil auch Waschmittel oder ähnliches, zur Verfügung stellen. Die Spenden sind also sehr vielfältig und werden von den ehrenamtlichen Mitarbeitern gründlich überprüft. Dadurch wird ausgeschlossen, dass die Tafelkunden beschädigte oder qualitativ minderwertige Ware erhalten. Abgesehen von einer hauptamtlichen Leitungsperson, die bei der Diakonie angestellt ist, wird der gesamte Arbeitsprozess rund um die Tafel ehrenamtlich organisiert. So sammeln Ehrenamtliche die Lebensmittel ein, sortieren sie und teilen sie aus. Hierbei arbeiten viele engagierte Ehrenamtliche zusammen und organisieren dieses tolle Projekt für andere. Sie begleiten die Kunden durch die unterschiedlichen Stationen der Lebensmittelausgabe. Die Kunden dürfen sich bei diesem „Rundgang“ durch drei Räume, welche nach Lebensmittelart aufgeteilt sind, nach ihren Vorlieben und Bedürfnissen Lebensmittel aussuchen. Dabei achten die Mitarbeiter darauf, dass jeder Kunde die Möglichkeit haben soll etwas Gutes für sich mitzunehmen und nicht die Ersten viel und die Letzten nichts mehr bekommen können.

Auffällig ist die ausgesprochene Dankbarkeit der Tafelkunden. Häufig bedanken sie sich nach jeder Station einzeln. Die positiven Auswirkungen dieses Angebotes sind ihnen sehr bewusst. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sind ausgesprochen freundlich und engagiert. Sie investieren viele Stunden ihrer Freizeit in dieses Projekt und die Hilfe für andere Menschen. Auch ich wurde im Freitagsteam sehr nett aufgenommen und habe mich gleich gut aufgehoben gefühlt. Sie haben mich in die Arbeitsabläufe eingeführt und mich nach dem Motto „Selbermachen ist das beste Lernen“ angelernt und mir Verantwortung übertragen. Dadurch habe ich mich von Anfang an als vollwertiges Mitglied des Teams gefühlt.

Während meiner Zeit bei der Buxtehuder Tafel habe ich viel gelernt und kann eine solche Erfahrung und ein Engagement in einer solchen Einrichtung nur weiterempfehlen! Vielleicht gilt es im Vorwege erst einmal Schwellen zu überwinden und sich zu trauen. Aber – das tolle an dieser Arbeit ist, dass man dabei nicht alleine ist. Es gibt immer andere Ehrenamtliche um einen herum, die schon wesentlich länger dabei sind und unterstützen können.

Meiner Meinung nach sind die Tafeln eine Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen. Sie können die Situation auffangen und in gewissem Maße absichern, sodass sie nicht schlimmer wird. Sie können leider schwerlich einen Beitrag zu einer erheblichen Verbesserung bzw. Veränderung der prekären Situation leisten. Damit meine ich, dass sie den Tafelkunden nicht aus dem Benötigen der Sozialleistungen heraushelfen können – hierbei stößt das Projekt an seine Grenzen. Die erhaltenen Lebensmittel sollen eine Ergänzung darstellen und den Tafelkunden ermöglichen, dass sie das Geld, das sie sonst für diese Lebensmittel ausgegeben hätten, für andere Dinge, z.B. die Lebensmittel für den Rest des Monats, nutzen können. Die Tafeln möchten verhindern, dass Menschen sich aufgrund einer prekären finanziellen Situation keine lebensnotwendigen Lebensmittel für sich und ihre Familien leisten können. Somit fangen sie Bedürfnisse auf, die es eigentlich gar nicht geben sollte. Und leisten gleichzeitig einen Beitrag dazu, dass Massen an Lebensmitteln, die nicht mehr in Supermärkten verkauft werden, verbraucht und genutzt werden. Sie sind also eine zwischengeschaltete Vermittlungseinrichtung, die in ihren Möglichkeiten versucht, die Umstände zu verbessern.

Zum Schluss ein kleines Abschlussplädoyer – denk doch mal darüber nach, ob du dich nicht auch mal (für einen gewissen Zeitraum) engagieren kannst. Ehrenamtliche Helfer*innen werden im sozialen Bereich immer gesucht! 😊

https://www.st-petri-buxtehude.de/kontakte/buxtehuder-tafel

https://www.rewe.de/nachhaltigkeit/unsere-ziele/projekte/tafelaktion/

ein Beitrag von Tessa Böhme

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