Buch-Rezi: Glück und Leid am Bahnhof Zoo

von Fabienne Kollien

In dem Buch “Glück und Leid am Bahnhof Zoo: Ein Leben für die Bahnhofsmission” erzählt Dieter Puhl, der die Bahnhofsmission am bekannten Bahnhof Zoo in Berlin leitet, von skurrilen Begegnungen mit Obdachlosen, von engagierten Helfer*innen und von seiner Überzeugung, selbst dazu beizutragen, dass im Kleinen etwas verändert werden kann. Mit bunten Fotos und einer FAQ-Liste im Anhang an Dieters Erzählungen ist das Buch ansprechend gestaltet und gewährt einen Einblick in die Soziale Arbeit in der Bahnhofsmission, der neugierig macht.

Über obdachlose Menschen sagt Dieter: “Sie kamen nicht im Raumschiff vom Mars, um unsere Städte zu belagern, so aber werden sie oft behandelt, wie Fremde von einem anderen Planeten. Bei keiner anderen Bevölkerungsgruppe wird so schnell von persönlicher Schuld und Verantwortung gesprochen.” Seinen Angaben nach sind in Berlin schätzungsweise 4.000 bis 6.000 Menschen obdachlos. Die Wohnungsnot in Berlin und die stetig wachsende Zahl osteuropäischer Menschen tragen zu dieser Zahl bei.

Da gibt es Dieters Begegnung mit der schwer alkoholkranken Molly, die von der Bahnhofsmission umsorgt wurde und den Titel “Queen vom Bahnhof Zoo” bekam, was später auch in den Medien zu lesen war. Oder Dieters Versuch, ein Paar Schuhe in Größe 53 für einen jungen Obdachlosen durch die Kontaktaufnahme mit mehreren Kleiderkammern aufzutreiben. Dann gibt es die Geschichte einer jungen Frau, die kurz vor dem Suizid steht und sich zur Bahnhofsmission verirrt, woraufhin für sie alles anders kommt als gedacht. Bedürftige Menschen, Menschen mit schwieriger Vergangenheit, psychisch Kranke und vorrangig Obdachlose – mit ihnen hat Dieter Puhl täglich zu tun. Über sie hat er viel zu erzählen, wie auch über die Menschen, die an seiner Seite helfen: Über junge Menschen, die sich in der Bahnhofsmission ehrenamtlich engagieren wollen, resolute ältere Damen, die den Laden mit am Laufen halten, prominenten Unterstützer*innen wie Joachim Gauck und über den Bahnchef.

Dieter macht deutlich, dass mit der Arbeit in der Bahnhofsmission immer nur ein Stück an nötiger Hilfe für Obdachlose geleistet werden kann und der gesellschaftspolitische Traum, dass es keine obdachlosen Menschen in Deutschland gebe, nicht einfach so verwirklicht werden kann. Dennoch hält er es für wichtig, zumindest die kleinen Schritte der Hilfe zu leisten und das abzudecken, was geht. “Obdachlose Menschen brauchen nicht nur Wohnungen, sie benötigen einen Platz”, sagt Dieter. “In unserer Mitte.”

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