Protokoll: 30.10.2017

„Professionelle Unterstützungsstrukturen für Wohnungs- und Obdachlose – Ein Überblick“

Protokoll, von Lisa Schneider

Ein Vortrag von Wiebke Krause, ehemalige Philosophiestudentin der Uni Hamburg, zurzeit als Teamleitung bei der Caritas Hamburg tätig. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Flüchtlingsarbeit, diese hat allerdings massive Überschneidungen mit dem Thema Wohnungs-/ Obdachlosigkeit. Denn viele Menschen mit Migrationshintergrund leben auf den Straßen von Hamburg. Und zwar nicht nur EU-Bürger, sondern auch Mensche,n die illegal in der Stadt leben, da sie keine Chance auf ein Bleiberecht haben.

Die Hilfen in Hamburg im Zusammenhang mit Obdachlosigkeit stehen auf drei Säulen:

  1. Hilfen durch die Stadt Hamburg
  2. Hilfen durch die 6 Wohlfahrtsverbände in den Bezirken (die durch die Mittel der Stadt und eigenen Mittel finanziert sind)
  3. Und Hilfen, die auf bürgerschaftlichem Engagement fußen, das in Hamburg sehr stark ausgeprägt und zum Teil hochprofessionell organisiert ist.

Die Hilfeleistungen können zwei Kategorien zugeordnet werden, der Prävention (bei drohendem Wohnungsverlust) und der Hilfe und Unterstützung, wenn es bereits zu Obdachlosigkeit gekommen ist.

  1. Prävention

→ Stadt Hamburg

  • Fachstelle für Wohnungsnotfälle. In jedem Bezirk der Stadt vertreten. Für Menschen die akut von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Die Wohnungssicherung wird angestrebt. Gleichzeitig sind sie für öffentliche Unterbringung zuständig falls der Verlust nicht mehr verhindert werden kann. Auch um die Rückvermittlung in Wohnraum sind die zuständig.
  • Neu hinzugekommen ist eine Fachstelle auch für Menschen die vorher nicht in Hamburg gemeldet waren.
  • Soziale Beratungsstelle für wohnungslose Menschen mit besonderen Schwierigkeiten. Sie ist auch bezirklich organisiert. Es geht um längerfristige Persönliche Hilfe. Dort ist auch die Straßensozialarbeit angedockt.
  • Sozialpsychiatrischer Dienst. Obdachlosigkeit entsteht nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern Sucht und psychische Krankheit können bei einem drohendenden Wohnungsverlust eine große Rolle spielen.
  • Suchtberatungsstellen. Sie werden teilweise von der Stadt, teilweise im Auftrag der Stadt durch freie Träger angeboten.
  • Fachämter für Grundsicherung und Soziales. Sie leisten finanzielle Unterstützung, wenn Menschen nicht arbeitsfähig sind, etwa auf Grund von Erkrankung oder Alter.
  • Jobcenter. Beratung für Menschen ohne Arbeit.
  • Öffentliche Rechtsauskunft (ÖRA). Die in allen Bezirken vertretenen ÖR bietet gegen ein geringes Entgelt Rechtsberatung.

→ Wohlfahrtsverbände

  • Wird vor allem von der Diakonie angeboten.
  • Allgemeine Sozialberatung. Die Hemmschwelle hier hinzugehen ist oftmals niedriger als bei der städtischen Beratung, meist ist auch mehr Zeit für die Gespräche. Sie vermittelt an und begleiten zu den städtischen Stellen.
  • Telefonseelsorge.

→ Bürgerschaftliches Engagement

  • Oftmals spezialisiert z.B. auf Jugendliche, Migration etc., sie sind teilweise durch die Stadt finanziert, teilweise durch Spenden. Sie entstanden aus bürgerschaftlichen Engagement.
  • Hamburger Schuldner und Insolvenzberatung, Menschen mit eigenen Erfahrung in dem Bereich fungieren als ausgebildete Berater/innen.

Menschen mit Migrationshintergrund finden viel seltener den Weg zu Beratungsstellen – die Hürden sind für sie sehr viel höher, auch weil sie das Hilfesystem nicht kennen und Angst haben.

  1. Hilfe und Unterstützung

→ Stadt Hamburg

  • Tagesaufenthaltsstätten.B. das Herz As. Dort kann Wäsche gewaschen und meist auch geduscht werden, es gibt eine Essensausgabe und dort ist es warm. Die Postadresse ist hierhin verlegbar.
  • Straßensozialarbei Ist flächendeckend in der Stadt installiert und macht aufsuchende Beratung. Dort kann man obdachlose Menschen in (nicht akuter) Gefährdung melden.
  • Übernachtungsstätten.
  • seit 01. November 2017 wieder gestartet. Ein rein ehrenamtlicher Verein, der aus der Kritik am Winternotprogramm entstanden ist, unterstützt dort z.B. mit Essenausgabe.
  • soziale Beratungsstelle für wohnungslose Menschen mit besonderen Schwierigkeiten.
  • Dort können sich wohnungslose/obdachlose Menschen, behandeln lassen, sofern sie keine Angst haben ihre Papiere und in manchen Fällen die Krankenkassenkarte vorzuzeigen bzw. die Dokumente überhaupt besitzen.

→ Wohlfahrtsverbände

  • Tagesaufenthaltsstätten. Auf die Bahnhofsmissionen zählen dazu.
  • Aufsuchende Sozialarbeit. Fährt bekannte Plätze ab und bietet Hilfe an wenn notwendig.
  • City-mobil. Ähnliches Konzept, nur eben auch tagsüber.
  • Zahnambulanz und Krankenstube. Stationäre Behandlung auch ohne Papiere.
  • Werden sehr gut genutzt.
  • Übernachtungsstätten. Gibt es zu wenige, nur zwei. Sie zu betreiben ist sehr Personal, Zeit und damit Geld aufwendig. Grund: Dort ist ehrenamtliche Unterstützung am schlechtesten einsetzbar.
  • Sozialberatung f. EU-Zugewanderte. Wird in den jeweiligen Muttersprachen angeboten.

In fast allen Bereichen sind auch Ehrenamtliche oft über viele Jahre neben ihrem Beruf tätig, z.B. Zahnärzte und Allgemeinärzte.

Bürgerschaftliches Engagement

  • z.B Hamburger Tafel, die rein ehrenamtlich aufgestellt ist.
  • Suppenküchen. Z.B. Hilfspunkt e.V.
  • Verpflegung im Rahmen des Winternotprogramms.
  • Anlaufstelle für wohnungslose EU-Bürger (Plata). Sie entstand aus ehrenamtlichen Engagement und hat inzwischen auch bezahlte Stellen.
  • Künsterische Maßnahmen gegen die Kälte e.V. Tagesstätte mit künstlerischen Angeboten.
  • Tagesstätte Alimaus. Die Besonderheit ist hier, dass kirchliches und bürgerschaftliches Engagement zusammenkommt, was nicht häufig vorkommt.
  • Tauschplätze. Dort sind Lebensmittel auf Grund der Ratten inzwischen verboten.

Nach dieser Vorstellung ging Wiebke Krause noch auf die dringliche Frage ein: Was kann ich persönlich tun? Ihre Antwort war:

  • Kleider spenden. Zurzeit sind Mangelwaren: Jacken und Schuhe für kleine Männer und Schlafsäcke.
  • Lebensmittel spenden. Die Tafel hat gerade leere Lager – größere Spendenmengen sind erwünscht.
  • Zeit spenden.

In der Broschüre „Das Soziale Hilfesystem für wohnungslose Menschen“, die auch online zu finden ist, ist das Hilfesystem erläutert und es können die jeweiligen Kontakte und Stellen gefunden werden.

Es folgt eine Diskussionsrunde mit Fragen aus dem Publikum zu u.a. folgenden Themen:

  • Tauschplätze in Unterkünften
  • Aufnahmeverweigerung ins Winternotprogramm von Menschen, die einen Wohnsitz im Ausland haben. Irregulär Zugewanderte können auch nicht am WNP teilnehmen, weil sie dort jederzeit dazu aufgefordert werden können ihre Papiere zu zeigen und dann in Abschiebehaft kommen.

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