Perspektivenwechsel

Die letzten Wochen lief es etwas schleppend, weil gerade einige Prüfungsleistungen dran sind. Irgendwie wird dann doch die Aufgabe, für die man keine klare Frist hat hinten an gestellt. Vielleicht sollte ich mir selber ein paar Fristen überlegen um dem entgegen zu wirken. Aber jetzt erst mal zu dem, was in der Zwischenzeit passiert ist.

Ich habe mich mit Andrea Hniopek von der Caritas getroffen, die unter anderem das Container-Projekt mit der HAW betreut. Ihr Input war extrem hilfreich. Ihrer Einschätzung nach ist Menstruation für obdachlose und wohnungslose Frauen* nicht so ein großes Thema, wie ich und anscheinend auch andere, weil sie schon mehrere Anfragen zu dem Thema hatte, glauben. Es ist auch kein Tabu-Thema, nach einem Tampon fragen läuft genauso ab wie nach einer Zahnbürste. Dafür haben die Frauen schon zu viel erlebt und wirklich größere Probleme als etwas so natürliches wie ihre Regelblutung.

Ihrer Meinung nach, sind die Leute, die „Gutes“ tun wollen häufig leider schlecht informiert darüber, was wirklich gebraucht wird (oder interessieren sich schlichtweg nicht dafür). Das führt dazu, dass die Hauptamtlichen, Freiwilligen und betroffenen Frauen* sehr viel Zeit und Energie darin stecken müssen, die gut gemeinten Spenden anzunehmen, zu sortieren und weg zu schmeißen. Das Berg an Zeug ist überfordernd und gleichzeitig mangelt es an den Sachen, die wirklich gebraucht werden.

Das sind nämlich zum Beispiel Socken und Unterhosen in passenden Größen, Insulin und Diabetes Teststreifen, saubere Toiletten und Duschen zur Verfügung, Geld und am aller wichtigsten: Eine Wohnung! Alle anderen Sachen bekämpfen nur die Symptome der Obdachlosigkeit, anstatt das eigentliche Problem anzugehen.

Das klingt jetzt erst mal überwältigend. Fand ich auch. Wie soll ich alleine denn dafür sorgen, dass all diese Menschen eine Wohnung bekommen? Aber wenn man überlegt, wie viel Zeit Spender*innen, Hauptamtliche, Freiwillige und Betroffene plötzlich übrig hätten, wenn sie zum Beispiel nicht mehr Tonnen an unbrauchbaren Klamotten durch Hamburg karren müssten, wirkt es schon machbarer! Wenn allen Leuten, die helfen wollen, die sich gegen Obdachlosigkeit einsetzen, klar ist, was wirklich einen Unterschied macht kriegen wir das vielleicht hin! Wenn eure Tante das nächste mal Säcke voller löchriger Klamotten in die Kleiderkammer bringen will, sagt ihr doch, dass sie lieber eine monatliche Spende an eine Hilfsorganisation einrichten oder eine Partei wählen soll, die mehr sozialen Wohnungsbau fordert.

Ich weiß, von da aus ist es noch ein langer Weg zum Wohnraum für alle. Aber wenn wir erstmal aufhören uns vorzumachen, dass unser Müll für Obdachlose „doch noch gut zu gebrauchen“ ist und mit sinnlosen Spenden unser Gewissen beruhigen, ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung getan.

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