Die Arbeit lässt mich jedes Mal mit vielen Gedanken zurück.

Die Arbeit im Park-In lässt mich jedes Mal mit vielen Gedanken zurück. Eigentlich, von außen betrachtet, sitze ich den Mittwoch an verschiedenen Tischen der Einrichtung und unterhalte mich mit verschiedenen Menschen. Oftmals zweifle ich da auch an meiner Legitimierung und war sehr dankbar, als mir eine der Sozialarbeiterinnen sagte, dass meine Rolle als Zuhörerin gebraucht ist.

In einem Gespräch mit einem der Besucher verstand ich was damit gemeint war: Er erzählte mir, wie er seine Tätigkeit verlor und kurz darauf seine Zwillingsschwester starb und darauf die Einsamkeit folgte, was wiederum den Alkoholkonsum mit sich brachte, der sich jedoch auch bereits vorher angebahnt hatte. Auch in der Einrichtung sitzt er meistens alleine am Tisch und vergräbt sich hinter einer Zeitung. Er war sichtlich betrübt, als wir über seine andere Schwester sprachen, zu der er keinen so engen Kontakt hat und die er nicht so oft sieht, wie er es gerne würde. Allgemein scheint er nicht viele enge soziale Kontakte zu haben, mit denen er beispielsweise im Alltag plaudern könnte oder mit denen er was unternehmen würde.

Ein anderer sagte mir, dass das Problem nach dem Entzug in einer Klinik der zurückkehrende Alltag wäre. So ist man selbst vielleicht trocken, jedoch das Umfeld ist gleichgeblieben. Gleichzeitig erzählte mir der andere Mann jedoch auch, dass es genau der Alkoholkonsum war, der seine damalige Freundin, die er in der Klink kennengelernt hatte, dazu veranlasst hatte sich von ihm zu trennen. Sie wollte trocken bleiben, und er griff wieder zur Flasche. Es findet also durch den Alkoholkonsum eine Isolation statt und ein nicht mehr einschätzen können, was die anderen von einem halten.

Umso schöner war es dann zu sehen, wie bei der Weihnachtsfeier ein schönes Beieinander herrschte. Das Programm bestand aus gemeinsam gesungenen Liedern, Sketches und Geschichten. Einer der Sozialarbeiter hielt auch eine kurze Andacht. Das Highlight war aber, als ein Mann, den alle nur Mütze nennen, zusammen mit dem Sozialarbeiter Robert Weihnachtslieder anstimmte und die Stimmung im ganzen Raum hob. Mützes energiegeladene Performance, mit Luftgitarre und Weihnachtsmannanzug, stahl dem weiteren Programm die Show. Die liebevoll dekorierten Tische und die leuchtenden Kerzen sorgten für eine kuschelige Stimmung. Ein Teil der Sozialarbeiter waren so lieb und posierten für mich vor dem aufgestellten Weihnachtsbaum.

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