Kita-Projekt: Tag 2 – Einheit 4 und 5

Einheit 4

Wir saßen in einem Sitzkreis und haben erstmal besprochen, was wir am Tag zuvor gemacht haben. Den Kindern ist besonders in Erinnerung geblieben, dass Obdachlose Menschen in keinem Haus leben, sondern beispielsweise unter einer Brücke oder auf dem Bürgersteig. Ein Kind erzählte noch, dass die Menschen im Winter erfrieren können und dann sterben.

Um den Kindern den Unterschied zwischen Obdachlos und Wohnungslos zu zeigen, habe ich ein Spiel mir ausgedacht. Jedes Kind erhielt ein Seil, womit es sich in der Halle einen Kreis legen sollte. Dieser Kreis sollte das eigene Zuhause darstellen. Ich trommelte auf einer Trommel und währenddessen liefen die Kinder in der Halle herum. Wenn ich aufhörte zu trommeln, liefen alle schnell in ihr Zuhause zurück. Das Kind, welches als letztes ins Zuhause gelange, verlor sein Haus. Es war somit wohnungslos. Das Kind durfte jedoch noch weiterspielen, wenn es jemanden gefunden hat, bei dem es mit ins Haus einziehen durfte. Ein Mädchen war sehr nett und hatte am Ende fünf Mitbewohner. Andere Kinder ließen keinen bei sich einziehen. Als das Haus des Mädchens verlor, waren nun 6 Kinder von 10 wohnungslos. Die Kinder mit Haus wollten jedoch nicht, dass diese 6 Kinder bei sich ins Haus kommen, sodass ich das Spiel an dem Punkt abbrach. Die Kinder setzten sich wieder in den Kreis und eine große Diskussion, wer jetzt gewonnen hat, begann. Ich sagte zu den Kindern, dass das Mädchen, die fünf Kinder bei sich einziehen ließ, die Gewinnerin ist. Dadurch kam es zu großer Aufregung, weil andere Kinder ihr Haus doch noch hatten und diese eher gewonnen hätten. Ich fragte die Kinder „Wie war es, als du dein Haus verloren hast?“ und die betroffenen Kinder sagten, dass es total doof gewesen sei. „Wie war es denn, als du bei jemand anderen einziehen durftest?“ – „Schön.“ Dann wendete ich mich an die Kinder, die noch ihre Häuser hatten. „Warum habt ihr niemanden bei euch einziehen lassen?“ – „Weil ich mein Haus nicht durch jemand anderes verlieren wollte.“ (Die Regel war, dass egal wer und wie viele in einem Haus wohnen, alle das Haus verlieren, wenn einer zuletzt ins Haus läuft.) Daraufhin erklärte ich meine Intention des Spiels und erläuterte den Kindern, dass es Menschen gibt, die gar kein Zuhause haben und Menschen, die bei anderen wohnen oder in unterschiedlichen Institutionen unterkommen können und dann wohnungslos sind.

Einheit 5

In der Halle waren drei Smileys aufgehangen. Ein Smiley mit einem fröhlichen Gesicht, einer mit einem „Geht so“- Gesicht und ein unglücklicher Smiley. Die Kinder hatten die Aufgabe zu dem jeweiligen Smiley zu laufen, dessen Gefühl sie bei gewissen Situationen, die ich vorlas, haben. Folgende Sätze kamen in dem Spiel vor:

Ich wurde gefragt, ob ich mitspielen möchte, als ich gerade niemanden zum Spielen hatte.

Ich gehe morgen zum Zahnarzt.

Meine Mutter hat mit mir geschimpft.

Mir wird eine gute Nacht Geschichte vorgelesen.

Ich durfte Limonade trinken.

Ich habe mich am Knie verletzt.

Ich habe ein neues Spielzeug geschenkt bekommen.

Meine Freundin sagt, ich kann nicht gut malen.

Mein Vater hat mir etwas vom Bäcker mitgebacht.

Ich habe eine Geburtstagseinladung bekommen.

Mein Nachbar hat mich angeschrien, dass ich leise sein soll.

Ich habe meine Mama im Supermarkt aus den Augen verloren und eine fremde Frau hilft mir suchen.

Ich wurde von zwei Kindern ausgelacht.

Mir wurde mein Spielzeug kaputt gemacht.

Mir hat der Postbote „Hallo“ gesagt.

Meine Freunde lassen mich nicht mitspielen.

Danach setzten wir uns zurück in den Kreis. Die Kinder waren sehr begeistert von dem Spiel und hätten am liebsten noch weitergespielt. Fast immer waren sich die Kinder einig, welches Gefühl, welcher Satz auslöst. Ich pickte mir manche Sätze heraus und versuchte die Situation auf das Thema Obdachlosigkeit anzuwenden. Beispiel: „Meine Freunde lassen mich nicht mitspielen“ – „Was glaubt ihr, wie sich ein Mensch fühlt, der am Straßenrand sitzt und alle Menschen gehen an ihm vorbei und beachten ihn nicht?“ oder „Zwei Kinder haben mich ausgelacht“ – „Was glaubt ihr, wie fühlt man sich, wenn man da sitzt und man merkt, dass Menschen einen anstarren oder über einen reden?“ Die Kinder konnten sich somit sehr gut in eine solche Situation hineinversetzten. Danach kam ich zu der Frage, wie wir solchen Menschen helfen könnten. Die Kinder hatten einige Ideen, wie z.B. das wir ihnen Geld geben können, ihnen Essen kaufen könnten, sie bei sich Zuhause einziehen lassen oder Box, wo man Sachen für sie rein tun kann etc.

Ich ging auf den Aspekt der Box ein und fragte die Kinder, was Obdachlose gebrauchen könnten. „Geld, Essen, Trinken, Decke, Klopapier, Kekse, Zahnbürste usw.“, waren einige Ideen dazu. Letztendlich einigten wir uns auf Hygieneartikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.