Über den Alltag bei MAhLZEIT

MAhlZEIT ist eine Einrichtung für wohnungs- und obdachlose Menschen. Der Altbau befindet sich zehn Minuten fußläufig vom Bahnhof Hamburg-Altona in einem Wohngebiet in ruhiger Lage. Hier bereiten die MitarbeiterInnen und freiwilligen HelferInnen von Montag bis Donnerstag ab halb 8 ein Frühstück sowie ein Mittagessen für die BesucherInnen vor. Um neun Uhr öffnen sich die Türen, und das Frühstück, bestehend aus geschmierten Broten oder Brötchen, liegt in der Auslage für die BesucherInnen bereit. Dazu gibt es Kaffee, Tee und Wasser, wobei der erste Kaffee kostenlos und jeder folgende für einen geringen Geldbetrag erhältlich ist. Manche BesucherInnen warten schon um kurz vor neun unten an der Tür, andere trudeln erst im Verlauf des Vormittags ein.

Jeden Tag frisch: Suppen, Eintopf, Nudelgerichte, Schnitzel…

Während die BesucherInnen frühstücken, sich miteinander unterhalten, Zeitung lesen, Musik hören, ihre mobilen Geräte aufladen oder die Kleider- und Sachspenden an der hierfür vorgesehenen Auslage angucken und sich etwas aussuchen, beginnt der Hochbetrieb in der Küche. Freiwillige HelferInnen kümmern sich um das schmutzige Geschirr vom Frühstück, und der festangestellte Koch oder die Chefin kochen indessen ein frisches möglichst reichhaltiges Mittagessen. Das Mittagessen wird an die Anzahl der BesucherInnen angepasst. Je nachdem, was eingekauft wurde und welche Spenden MAhLZEIT erhalten hat, variieren die Gerichte. Von Eintopf, Suppen, Nudelgerichten, Schnitzel und vielen weiteren ist alles dabei. An einem Tag in der Woche erhält die Essensausgabe Brot, Brötchen und verschiedenes Gebäck von einem Bäcker gespendet.

An diesem Tag wird bereits unmittelbar nach Ankunft der Gäste gefragt, ob es denn heute Dessert gäbe. Im Gästebereich kehrt relativ schnell nach der Frühstückausgabe Ruhe ein. Einige verlassen bereits nach dem Frühstück die Essensausgabe, manche kommen zum Mittag später wieder. Andere warten geduldig auf das Mittagessen pünktlich um 12 Uhr. Hierbei kommt es vor, dass die Köpfe der Gäste schwer werden und sie einnicken. Schlafen ist bei MAhLZEIT jedoch untersagt. Meistens müssen die Gäste nur höflich darauf hingewiesen werden, in selteneren Fällen kommt es hierbei aber zu Auseinandersetzungen zwischen MitarbeiterInnen und BesucherInnen. Insbesondere bei Gästen, welche häufig das Essensangebot in Anspruch nehmen und denen die Regeln bekannt sind.

Kurz vor 12 Uhr werden die einzelnen Tische mit Tischnummern versehen. Dies soll Streitereien und Gedrängel vermeiden. Nachdem das Mittagessen in der Essensausgabe angerichtet wurde, werden die einzelnen Tischnummern aufgerufen, und nach und nach erhalten alle Gäste ihr Mittagessen.

Diese Prozedur wiederholt sich, nachdem die ersten aufgegessen haben, und es darf sich Nachschlag geholt werden, bis keine Reste mehr übrig sind. Je nach Gästeanzahl endet die Essensausgabe zwischen 13 und 14 Uhr. Dann verlassen alle Gäste die MAhLZEIT, und übrig bleiben die MitarbeiterInnen. Dabei werden täglich alle Tische im Gästebereich ordentlich gesäubert, die Küche und auch die Essensausgabe müssen gereinigt werden, damit alles so hinterlassen wird, wie es morgens vorgefunden werden soll.

Die Einrichtung ist ein bisschen kühl, aber praktisch

Beim Betreten der Einrichtung fiel uns zunächst auf, dass diese auf den ersten Blick kühl und wenig gemütlich wirkt. Der Raum, in dem das tägliche Geschehen stattfindet, ist groß und hat hohe Wände. Der Hauptteil besteht aus dem Gästebereich, in dem eine große Anzahl an Edelstahltischen und -stühlen stehen. Bis auf wenige Pflanzen und dekorative Servietten sowie verschiedene Bilder an den Wänden, findet man keine Dekoration.

Nur am Ende des Raumes befindet sich ein Podest mit einem Klavier. Insgesamt ist das Ambiente nicht vergleichbar mit einer Küche, einem Esszimmer oder auch einem Restaurant, in dem man in gemütlicher Atmosphäre sein Essen genießen kann.

Dieser Minimalismus ist allerdings kein Ausdruck von Lieblosigkeit, sondern ist notwendig für die Einhaltung von Hygiene. Die Gäste sollen sich zwar wohlfühlen, aber es muss sichergestellt sein, dass der Raum und seine Einrichtung so gereinigt werden können, dass hier keine Gefahr besteht, dass die Gäste sich mit Krankheiten infizieren. Somit sind wir zu dem Schluss gekommen, dass der Gästeraum, seinen Möglichkeiten entsprechend, praktisch und relativ schön eingerichtet ist.

MAhLZEIT braucht immer Unterstützung durch Ehrenamtliche

Bevor wir von den Gästen erste Eindrücke gewinnen konnten, haben wir verschiedene Engagierte kennenlernen dürfen. Viele von ihnen sind schon seit vielen Jahren bei MAhLZEIT aktiv. Sie bringen einen großen Erfahrungsreichtum mit und kennen viele der Gäste gut und lange. Darunter sind aber auch PraktikantInnen, darunter SchülerInnen und StudentInnen, für die die Arbeit in der Essensausgabe neu ist. Das feste Team ist inzwischen sehr gut eingespielt, es bestehen klare Strukturen und Abläufe. Jedoch sind sie auf die tägliche Unterstützung durch Freiwillige angewiesen.

Typisch norddeutsch: harte Schale, weicher Kern

Ob MitarbeiterIn oder BesucherIn – bei MAhLZEIT wird niemand mit Samthandschuhen angefasst. Nach typischer Hamburger Manier wird sich deutlich und klar ausgedrückt und keine unnötigen Höflichkeiten ausgetauscht, ganz nach der Devise „harte Schale, weicher Kern“. Dazu gehört ein sehr trockener Humor, viele werfen sich gerne mal einen barschen Spruch an den Kopf, der aber nicht böse gemeint ist. Auf ganz eigene Weise herrscht ein sehr wertschätzender Umgang zwischen allen Beteiligten. Insbesondere in Gesprächen zwischen langjährigen BesucherInnen und dem festen Team wird deutlich, dass man sich gut kennt und die Gäste sich wohlfühlen, sowohl im Setting als auch mit den MitarbeiterInnen. Dabei betonen einige Gäste immer wieder, dass die Stimmung bei MAhLZEIT im Vergleich zu anderen Einrichtungen ruhiger, netter und familiärer sei.

Das Wichtigste: MAhLZEIT bietet einen Schutzraum

Bei MAhLZEIT wird die Einhaltung von Regeln großgeschrieben. Alle Gäste und selbstverständlich auch alle Helfenden werden streng und konsequent darauf hingewiesen. Selten ist erforderlich, dass ein Hausverbot ausgesprochen wird. Gerade dies ist nach unserem Empfinden das besonders Wertvolle bei MAhLZEIT. Es wird ein Schutzraum geschaffen, in dem sich die Gäste wohlfühlen und entspannen können, ohne sich um ihr eigenes Wohlbefinden oder auch ihre Wertsachen sorgen zu müssen.

MAhLZEIT ist mehr als eine Essensausgabe

BesucherInnen können sich bei MAhLZEIT eine Postadresse einrichten und postalische Sendungen empfangen. Außerdem haben sie die Möglichkeit zu telefonieren. Wenn der MitarbeiterInnenschlüssel am jeweiligen Tag dies erlaubt, können sie dort duschen und sich an Kleider- und Sachbeständen bedienen. Gelegentlich werden feste Termine angeboten, zu denen sie einen Frisör in Anspruch nehmen können. Dies ist abhängig von den Frisören, die dies dort auf freiwilliger Basis anbieten. Das feste Team versucht allen BesucherInnen nach bestem Wissen und Gewissen bei Problemen und Fragen zu helfen. Nach ihren Möglichkeiten helfen sie direkt oder verweisen auf andere Institutionen des Hilfesystems.

Besonders wertvoll: die Bedingungslosigkeit der Angebote

MAhLZEIT ist insgesamt eine wichtige Anlaufstelle für wohnungs- und obdachlose Menschen in Hamburg. Die Einrichtung bietet diesen Menschen eine Möglichkeit ihren Tag zu strukturieren, soziale Kontakte zu pflegen und verschiedene Hilfsangebote anzunehmen und kennenzulernen. Ihnen wird in ihrer prekären Lebenssituation ein Schutzraum geboten und die wichtigsten Bedürfnisse werden gestillt. Unserer Meinung nach ist gerade die Bedingungslosigkeit der Hilfe für die BesucherInnen innerhalb dieses Angebots wichtig. MAhLZEIT spendet getreu ihres Mottos „Mahl und Zeit“.

Ein Bericht von Lisa Jo und Julia

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