Post sortieren, Duschmarken ausgeben oder als Schnibbelhilfen einspringen – Engagement im herz as

Die vergangenen Monate haben wir uns freiwillig im herz as engagiert. Das herz as ist eine Tagesaufenthaltsstätte für wohnungs- und obdachlose Menschen. Da es sich um eine Tagesaufenthaltsstätte mit verschiedenen Angeboten handelt, gibt es auch viele verschiedene Bereiche, in denen wir uns einbringen konnten. Im Großen und Ganzen gibt es die Möglichkeit für 50 Cent Mittag zu essen, hygienische Einrichtungen oder die Poststelle zu nutzen, und selbstverständlich ist auch eine Beratungsmöglichkeit gegeben.

Zu Beginn ging es primär darum, dass wir und auch das herz as und seine Besucher ein Gefühl für einander bekommen mussten.

Daher haben wir uns zu Anfang vornehmlich im Hauptsaal aufgehalten, Spiele gespielt oder mit Peter und Gästen gemeinsam gezeichnet. Später schauten wir vor allem in die Hygiene und ab und zu auch in die Post rein und halfen dort mit. Bei der Poststelle können sich Gäste des herz as eine Postadresse einrichten. Früher war dies jedem möglich, jedoch kam es zu einer zu hohen Auslastung, weshalb die Schaffung neuer Postfächer beschränkt wurde. Hier halfen wir, indem wir die Post rausgaben oder auch mal den Ordner sortierten, sprich Briefe, die bereits sehr lange aufbewahrt wurden und bei denen kein Indiz auf eine spätere Abholung vermerkt war, zurückzuschicken oder inaktive Postfächer zu schließen. Häufig hielten wir uns aber auch in der Hygiene auf und halfen die Duschen geordert zu besetzen, Taschentücher „chusteczki“ auszugeben oder auch andere Dinge wie Socken, Unterhosen, Rasierer etc..

Hier gibt es einige Regeln, die zu beachten sind.

Daher freuten sich viele Gäste, wenn wir als neue Gesichter da waren und sie unsere Grenzen austesten konnten. Wenn es um Klamottenausgabe ging, war das relativ einfach, weil wir dafür so oder so immer an die Rezeption verweisen mussten und das dortige Einverständnis abwarteten. In anderen Situationen war es deutlich schwieriger nein zu sagen, wenn es zum Beispiel um den Erwerb einer Unterhose ging, obwohl die Person kein Duschticket aufweisen konnte. Normalerweise soll in solchen Fällen keine Unterhose ausgegeben werden, ab und zu wollte diese Person aber ursprünglich gerne duschen, kam aber zu spät, um einen Duschplatz zu bekommen. In solchen Fällen ist es schwer sich an die Regeln zu halten, weshalb diese auch individuell ohne großes Aufsehen flexibler gemacht wurden.

Doch gab es auch schon sehr unangenehme Situationen.

Zum Beispiel kam es einmal vor, dass wir von einer Dame ziemlich aufgebracht angeschnauzt wurden, da sich auf der Damentoilette ein Mann Brüste angeklebt hätte. Diese Dame beschwerte sich lautstark am Hygieneschalter, da sie unter „solchen Umständen“ nicht mehr die Toilette/Dusche nutzen wolle. Sie begann ausfällig zu werden und musste schlussendlich hinausgebeten werden. Für uns war es eine mentale Herausforderung, die Situation so stehenzulassen, beziehungsweise die Dame ohne Aufklärung bezüglich Transgender zu entlassen.

In letzter Zeit hielten wir uns jedoch vornehmlich in der Küche auf, da zwei Hilfen keine Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung bekamen und dementsprechend Deutschland und somit das herz as verlassen mussten. In der Küche gibt es daher recht viel zu tun, weshalb wir als Schnibbelhilfen unterstützten, worüber sich auch sehr gefreut wurde.

Wenn wir etwas wirklich erkannt haben, dann ist es, dass unser System ziemlich ungerecht ist und den Personen, die sich in ihm einfinden wollen, Steine in den Weg legt.

Einmal bekamen wir beispielsweise mit, wie ein Herr zu uns in die Post kam und berichtete, dass er vor einigen Jahren nach Deutschland kam, ein Konto eröffnete und sich die letzten Jahre verschuldete, um hier über die Runden zu kommen. Er hätte nicht genügend Ersparnisse gehabt, um davon zu überleben, bis er einen Job gefunden hätte. Nun hat er endlich einen gefunden, dort seine Bankverbindung angegeben, welche aber, wie sich vor Ort herausstellte, nicht funktionierte. Nach einigen Telefonaten war klar, dass die Bank sein Konto aufgrund hoher Verschuldung gesperrt hatte. Es war ihm selbstverständlich nicht möglich ein neues Konto bei einer anderen Bank zu eröffnen, da er durch die hohen Schulden einen Schufa-Eintrag bekommen hatte und keine Bank ihm damit ein Konto erstellen wollte. Ohne ein Konto könne er jedoch nicht offiziell arbeiten, um seine Schulden zu begleichen. Wir leiteten ihn weiter zu einem Schuldenberater. Aus diesem Gespräch wird hoffentlich eine Neueröffnung eines Kontos resultieren.

Es wirkt alles eigentlich so logisch und einfach, wird aber durch Förmlichkeiten zu einer richtigen Herausforderung.

Diese kommt meist erst bei näherer und intensiverer Betrachtung  zum Vorschein. Ein Austausch, beziehungsweise der Kontakt mit Menschen in verschiedenen Lebenssituationen ist für alle Seiten förderlich. Daher halten wir das Projektseminar für sehr sinnvoll, da es einen guten Einblick und Verständnis für wohnungslose Menschen bringt.

In unserer Zeit im herz as, auch wenn wir dort nur einmal wöchentlich unterstützt haben, wurden wir sehr gut vom Team und den Gästen aufgenommen. Wir fühlen uns als Teil des Teams, weshalb wir bzw. manche von uns sich dazu entschlossen haben, sich auch nach Ende des Projektseminars weiterhin freiwillig im herz as zu engagieren. Es war für uns nicht selbstverständlich so gut integriert zu werden, da wir im Gegensatz zu den meisten anderen Ehrenamtlichen, etwas für unsere kurze Zeit als Gegenleistung bekamen. Auch wenn es sich hierbei nicht um Geld, sondern um Creditpoints handelte, machte es dennoch einen Unterschied, da eine andere Intention interpretiert hätte werden können. Deshalb möchten wir uns wirklich für die schöne Zeit, die wir im herz as verbringen durften, bedanken, ebenso wie bei Cornelia Springer, dafür, dass sie uns mit dem Seminar diese tolle Erfahrung bieten konnte.

von Fenna Ellerbroek, Lea-Marie Diringshoff

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