Kleiderkammer XXL bei Hanseatic Help

„Helferheld*in“ werden geht, laut Hanseatic Help, ganz schnell und unkompliziert. Einfach vorbeikommen, anpacken und zack – Teil des wahnsinnig großen Teams sein. Ungefähr so lief unser Engagement bei Hanseatic Help auch ab. Sobald man einen Fuß in die Kleiderhalle in der Großen Elbstraße setzt, wird man freundlich begrüßt, herumgeführt und in die groben Abläufe der Kleidersortierung eingewiesen. Allzu konkret wird es aber nicht, denn learning by doing wird in der Kleiderhalle großgeschrieben. Oder „Einfach machen“, wie es der Leitsatz des Vereins bezeichnet. In der großen Halle stapelt sich Kleidung bis fast unter die Decke und jeden Tag kommen neue Spenden rein. Die Spendenannahme ist der erste Stopp für die Spenden in der Kleiderhalle.

Dort haben auch wir uns hauptsächlich eingebracht und Kleidung grob aus- und vorsortiert. Es geht hauptsächlich darum, die Kleidung nach Art einzuteilen und Kleidungsstücke auszusortieren, die in keinem guten Zustand mehr sind, bevor in den anderen Abteilungen die Feinsortierung stattfindet. Abschließend wird die Kleidung an Institutionen versendet wird, die sie dann an bedürftige Menschen verteilen. Unsere Arbeit in der Spendenannahme fand immer in einem Team mit anderen ehrenamtlichen Helfer*nnen oder Praktikant*nnen statt und war trotz der monotonen Abläufe des Sortierens nur selten langweilig.  An manchen Tagen kämpften wir uns durch nicht enden wollende Berge von Spenden und viele „schlechte Tüten“, wie Spenden mit fast ausschließlich unbrauchbaren Kleidungsstücken in einer Tüte genannt werden. Das kann sehr mühselig und frustrierend sein, da es viel Zeit in Anspruch nimmt die Tüten abzuarbeiten, im Endeffekt aber kaum Spenden in den blauen Kisten landen, sondern im Textilmüll. Der wird zwar regelmäßig von einer Recyclingfirma abgeholt, doch kommen diese Spenden nicht bei bedürftigen Menschen an. Das ließ bei uns Fragen nach der Intention und Sinnhaftigkeit des Kleidungspendens aufkommen und auch das große Thema Konsum und seine Auswirkungen beschäftigte uns häufig während des Engagements. Es gab aber auch Tage, an denen Spenden mit ausschließlich neuen, ungetragenen Sachen in der Halle vorbeigebracht wurden. In diesem Fall waren alle an der Spendenannahme völlig aus dem Häuschen, denn solche Spenden werden dringend gebraucht.

Durch unser Engagement in der Kleiderhalle konnten wir mit vielen verschiedenen Menschen in den Austausch kommen, denen wir in unserem Alltag sonst wohl nicht begegnet wären. Bei Hanseatic Help werden nicht einfach nur Spenden sortiert, sondern auch Sprachunterricht gegeben, gekocht und gebacken, Anträge und Formulare ausgefüllt und neue Bekanntschaften geschlossen. Bei einigen Helfer*innen kam das Gefühl auf, sie würden fast jeden Tag vorbeikommen, und zwar nicht nur um Spenden zu bearbeiten, sondern um Freunde zu treffen und in Gemeinschaft zu sein. Das hat uns gezeigt, dass Engagement nicht nur darin besteht anzupacken, sondern offen zu sein sich mit Menschen aus ganz verschiedenen sozialen Umfeldern auseinanderzusetzen und sich mit ihren Thematiken zu beschäftigen.

Das wirklich Faszinierende an der Hilfe bei Hanseatic Help sind nicht nur die Menschen, die dahinterstehen, sondern auch ihre Wertschätzung, die man bekommt und das gute Gefühl, mit dem man die Halle verlässt. Es geht nicht wirklich darum, was genau oder wie viel wir machen, sondern darum, dass wir da sind und anpacken so gut wir eben können. Die gute Stimmung und die vielen immer wiederkehrenden HelferInnen sind der Beweis dafür, dass das Konzept aufgeht und Menschen Lust darauf haben sich zu engagieren. Auch für uns war das Engagement in der Kleiderhalle eine schöne Erfahrung und wir werden sicher noch oft dort vorbeischauen.

Lisa Salzwedel, Johann Fleischhaker

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