Fußball im Lohsepark – Sein ist Wahrgenommenwerden!

Ich möchte einige meiner Erfahrungen und Eindrücke teilen, die ich während meiner Besuche im herz as gemacht bzw. gesammelt habe. Während meiner Arbeitszeiten habe ich mit den Gästen, die die Angebote vom herz as wahrnehmen bzw. nutzen, Fußball gespielt. Gespielt haben wir auf dem Fußballplatz im Lohsepark. Die Anwesenheit ließ am Anfang stark zu wünschen übrig, was aber verständlich war, weil das Wetter im Monat November tendenziell keine geeignete Grundlage erlaubt, um sich draußen sportlich zu betätigen.

Gäste des herz as und Besucher des Lohseparks spielen zusammen.

Fußball im Lohsepark

Angefangen haben zu dritt, doch mit dem Fortschritt der Zeit wurden es immer mehr. Mal waren es Menschen, die tatsächlich das Fußball-Angebot vom herz as wahrnahmen, manchmal aber auch welche, die unabhängig vom herz as auf dem Fußballplatz spielten, auf dem wir waren. In den meisten Fällen verschmolzen wir dann zu einer gemeinsamen Truppe. Nur einmal wurde das Angebot auf gemeinsames Spielen abgelehnt, weil die Mutter der Kinder dachte, wir würden ihre Söhne vom Platz scheuchen. War natürlich nicht der Fall. Wir haben lieb gefragt, ob sie mitspielen wollten. Dann kam die Mutter und schrie uns an. Passiert.

Was bringt ein Fußball-Projekt für Wohnungs- und Obdachlose?

Immer in Bewegung!

Zunächst einmal sei festgestellt, was eigentlich die Sinnhaftigkeit eines solchen Unternehmens, Fußball mit Menschen in Not zu spielen, ist. Denn das sind die meisten, die die Angebote des herz as in Anspruch nehmen. In Not: Obdachlos. Wohnungslos. Arbeitslos. Verarmt. Einsam. Geflüchtet. Ohne Heimat. Die Liste ist endlos. Immer sind es andere Umstände oder Gründe. Und die Frage, ob Fußball da hilft, ist durchaus einleuchtend. Schließlich beschafft körperliche Aktivität dem Wohnungslosen keine Wohnung. Oder Geld.

Aber sie kommt einer Beschäftigungstherapie sehr nahe. Sie erlaubt den Gästen, dass sie Eigenschaften, deren Erwerb sich als sinnvoll herausgestellt hat – ganz egal, ob in der Arbeitswelt oder im Alltag –, auszubilden bzw. zu erlernen, Sozialkompetenz zum Beispiel. Ich erinnere mich daran, dass einer der jüngeren Gäste gesagt hat, er würde kommen, weil er das Fußballspielen dem Videospielen vorziehe. Das trifft den Nagel auf den Kopf und spiegelt ziemlich genau den Zweck des Projekts wider: Leute aus ihren Zimmern holen, ihnen Möglichkeiten und Angebote bieten, ihnen bei der Resozialisierung helfen.

Das Projekt ist viel mehr als nur Fußball.

Die dubiosen neuen Trikots 😀

Und tatsächlich gibt es Leute, die das Angebot regelmäßig nutzten. Ein Teilnehmer hat sich sogar um die Beschaffung neuer Trikots bemüht (s. Foto). Wo er die her hat, hat er nicht verraten. Spielt ja auch keine Rolle. Sicher bleibt: Die partizipierenden Gäste entwickeln manchmal ein Verantwortungsbewusstsein. Er hat das Herz As sogar bei einem Hallenturnier repräsentiert. Das Projekt ist viel mehr als nur Fußball: Es vernetzt Menschen, vermittelt ein Gemeinschaftsgefühl. Es erlaubt ihnen, sich zu verwirklichen. Und erinnert sie eventuell daran, dass man vielleicht mal mit dem Rauchen aufhören sollte! 😀

Ein Lächeln und ein paar gewechselte Worte sind viel wert.

Eine weitere Erkenntnis, die ich allemal geteilt haben möchte, ist eine, die mein künftiges Verhalten gegenüber Menschen in Not betrifft. Ich weiß nun, dass selbst die Aufnahme von Blickkontakt reicht, um zu helfen. Alles hilft. Materielle Mittel wie Geld, aber auch Wertschätzung. Und auch ein Blick ist Wertschätzung. Gespräche. Worte. Ein Lächeln. Ich werde nie vergessen, wie einer der Gäste in einer der Trinkpausen sein Karaoke-Mikrofon rausholte und zu rappen begann.

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