Rundgang Hamburger Nebenschauplätze, Hinz & Kunzt

„Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, mach Limonade draus.“

Der Auftakt unseres Exkursionsprogramms im Wintersemester 2017/18 ist ein von Hinz&Kunzt ausgerichteter Stadtrundgang zu „Hamburger Nebenschauplätzen“ (vgl. auch au der Homepage von H&K), der uns in die Thematik einführen und das Konzept des Hamburger Straßenmagazins näherbringen soll.

Zur Geschichte von Hinz & Kunzt

Wir starten im Gebäude des Magazins in der Nähe des Hauptbahnhofs, wo uns Harald und Chris – selbst als Verkäufer tätig – die Hintergründe von Hinz&Kunzt vorstellen. Gegründet, um Wohnungs- und Obdachlosen ein Einkommen sowie Strukturen zu bieten, beschäftigt das Magazin heute 38 Mitarbeiter*innen und wird von etwa 500 Verkäufer*innen unter die Menschen in Hamburg gebracht. Etwa 50% dieser Verkäufer*innen haben eine Unterkunft, leben jedoch am Existenzminimum. Etwa 30% aller sind Frauen. Harald und Chris betonen, dass der Verkauf des Magazins für sie und andere große Verbesserungen mit sich gebracht hat: „Macht ‘ne Menge aus, einen Job zu haben“. Zwar komme es einem Outing gleich, sich mit dem Magazin in die Öffentlichkeit zu begeben, doch durch die Beschäftigung steige das Selbstwertgefühl und nicht zuletzt habe man so ein Einkommen.

Stützpunkt, Schwerpunktpraxis und DrobInn

Während des eigentlichen Rundgangs laufen wir dann fünf Orte in der Nähe des Hauptbahnhofs an. Erste Station ist der „Stützpunkt“ – Räumlichkeiten, in denen 24 Schließfächer zur Verfügung gestellt werden, um Obdachlosen die Möglichkeit zu bieten, morgens ihre Habseligkeiten zu verstauen und sie abends wieder abzuholen. Außerdem steht hier eine Toilette zur Verfügung und morgens werden heiße Getränke ausgeschenkt. Der „Stützpunkt“ dient so als Treffpunkt, um in Kontakt zu kommen: „Was ganz wichtig ist: Gespräche führen“. Auch ein Sozialarbeiter ist als Ansprechpartner vor Ort. Harald und Chris weisen darauf hin, dass bei geschätzten 2500 Obdachlosen in Hamburg (alle vorliegenden Zahlen sind nicht belastbar und es ist mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen) 24 Schließfächer beileibe nicht genügen.

Gegenüber dem „Stützpunkt“ liegt die „Schwerpunktpraxis“, eine von drei Arztpraxen in Hamburg, die Wohnungs- und Obdachlosen eine medizinische Grundversorgung bieten. Zusätzlich sind in Hamburg mobile Arztpraxen unterwegs, die – wie die Schwerpunktpraxen – Patient*innen auch ohne Krankenversicherung behandeln. Selbst wenn Wohnungs- und Obdachlose krankenversichert seien, so Harald und Chris, hindere sie der „shame factor“ oftmals daran, zu einem Facharzt zu gehen.

Auch das DrobInn, Drogenkonsumraum und Beratungsstelle, stellen uns Harald und Chris vor. Im Zusammenhang mit Drogenkonsum heben sie abermals die Bedeutung von Hinz&Kunzt hervor – das Verkaufen des Magazins habe einen positiven Effekt, da es im Falle einer Drogensucht hilfreich sei, durch die Tätigkeit seinem bisherigen Umfeld zu entkommen, und von den Verkäufer*innen verlangt werde, dass sie clean oder auf einem angemessenen Pegel sind.

Herz As und Bahnhofsmission

Als nächsten Stopp laufen wir die Tagesaufenthaltsstelle „Herz As“ an, die für Wohnungs- und Obdachlose, aber auch für alle anderen geöffnet ist, die in Not sind. Hier gibt es günstiges Mittagessen, Duschen und Ruheräume, außerdem sind Sozialarbeiter*innen vor Ort. Neben der Tagesaufenthaltsstelle befinden sich 116 Sozialwohnungen, von denen 11 betreut werden. „Wenn es das an mehreren Orten gäbe, hätten wir weniger Probleme.“

Wir beenden unseren Rundgang vor dem Hauptbahnhof, wo sich die Bahnhofsmission Hamburg befindet. Diese stellt ein Informationszentrum für Menschen dar, die sich in Not befinden. Hilfesuchende können hier rund um die Uhr Informationen bekommen und an andere Einrichtungen in Hamburg vermittelt werden.

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