Krankenstube für Obdachlose, Caritasverband für Hamburg e.V.

In einer kleinen Gruppe waren wir im ehemaligen Hafenkrankenhaus auf St. Pauli zu Besuch, wo sich eine Krankenstube für Obdachlose befindet, die von der Caritas betrieben wird. Empfangen und mit einer Fülle an Informationen wieder verabschiedet hat uns der Leiter der Einrichtung, Thorsten Eikmeier.

In der Krankenstube stehen 18 Betten für Obdachlose zur Verfügung, die der medizinischen Hilfe bedürfen. Dabei ist nicht von Belang, ob jemand krankenversichert ist oder nicht.

Der Aufenthalt soll als “Sprungbrett” genutzt werden.

Die Menschen, die hier für eine Dauer von maximal 6 Wochen untergebracht sind, werden in den meisten Fällen von Krankenhäusern überstellt, manchmal stehen sie jedoch auch unangemeldet vor der Tür, fallen den mobilen Arztpraxen in Hamburg auf, werden durch soziale Einrichtungen oder aus einer Haft vermittelt. Vor Ort wird dann nicht nur medizinische Pflege geleistet, sondern mit Sozialarbeiter/innen auch an Perspektiven nach dem Aufenthalt gearbeitet. So soll der Aufenthalt als „Sprungbrett“ genutzt werden.

Doch bei geschätzten Zahlen von etwa 2.500 Obdachlosen in Hamburg sind, so Thorsten Eikmeier, „18 Betten in der Regel ein Tropfen auf den heißen Stein“. Meist ist die Krankenstube voll belegt und müssen Anfragen abgelehnt werden.

Die Unterstützung der Klienten ist oft “echt eine Detektivarbeit”.

Bei denjenigen, die aufgenommen werden können, gestaltet es sich häufig schwierig, eine Anbindung nach dem Aufenthalt in die Wege zu leiten. Thorsten Eikmeier macht mit uns einen kleinen Exkurs in das deutsche Sozialsystem, um uns die Gründe zu erklären: Der Bezug von Leistungen wie Arbeitslosengeld II kann beispielsweise zur Finanzierung einer Unterkunft verwendet werden. Doch selbst im Falle von Deutschen ist es häufig schwierig, Leistungsansprüche durchzusetzen. So können häufig die erforderlichen Arbeitsnachweise nicht erbracht werden, oder es scheitert an Dokumenten wie Scheidungspapieren. Selbst mit Hilfe der Ressourcen, die den Sozialarbeiter/innen in der Krankenstube zur Verfügung stehen, sei das „echt eine Detektivarbeit“.

Für Frauen und Transsexuelle gibt es viel zu wenig Zimmer.

Ein Punkt, der uns wohl besonders eindrücklich in Erinnerung bleiben wird, ist das Klima, das laut Thorsten Eikmeier Obdachlosen und insbesondere Transmännern und -frauen in Krankenhäusern entgegenschlägt. Auch auf Grund der negativen Erfahrungen, die in Krankenhäusern gemacht werden, sei die Krankenstube eine beliebte Anlaufstelle. Hier stehen zwei Einzelzimmer für Frauen und Transsexuelle zur Verfügung und es herrscht der Grundsatz vor, dass alle auf Augenhöhe miteinander umgehen.

Internetseite der Krankenstube

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