Haus Jona, Übernachtungshaus, hoffnungsorte hamburg

Peter Bachmeier, der Leiter des haus jona, empfängt uns mit frischen gebrühtem Kaffee und einer Menge Geschichten. Er ist nach seinem Studium der Philosophie und Germanistik hauptamtlich in dem Übernachtungshaus, wo er sich zuvor ehrenamtlich engagiert hatte, eingestiegen – und hängen geblieben. Das ist inzwischen 35 Jahre her.

Wie viele Betten gibt es? Und wer kann sie in Anspruch nehmen?

Das haus jona bietet insgesamt 31 Plätze in hellen, modern eingerichteten Zimmern – für Menschen, die vorübergehend eine geschützte Unterkunft benötigen: 3 Doppelzimmer für Frauen, 1 Viererzimmer für eine Familie und 21 Betten für Männer (9 Zweier- und 3 Einzelzimmer). Die Übernachtungen in dem ruhigen und freundlichen Haus sind preisgünstig, und die Kosten können von öffentlichen Trägern übernommen werden. Grundsätzlich können die Menschen sich für 6 Wochen im haus jona einquartieren. U.a. weil bezahlbarer Wohnraum in Hamburg so knapp ist, bleiben aber viele Gäste länger – bis zu einem halben Jahr.

Kein Alkohol, keine Drogen – und Aufstehen um 7 Uhr am Morgen!

Besonders am haus jona ist, dass es die in Hamburg einzige komplett alkohol- und drogenfreie Übernachtungsstätte für Wohnungs- und Obdachlose ist. Das macht das Haus besonders für trockene Alkoholiker attraktiv. Und wie laufen die Tage sonst so ab? Um 7 Uhr werden die Gäste geweckt, um halb neun verlassen sie das Haus. Erst  um 13 Uhr können sie wieder zurück auf ihre Zimmer – und spätestens um Mitternacht müssen sie auf jeden Fall wieder da sein. Dieser strikte Rhythmus ist keine Schikane, sondern ganz wichtig. Er verleiht den Tagen Struktur und hilft dabei, den Ablauf eines geregelten Alltags nicht zu verlernen.

“Was man lange nicht tut, verlernt man. Man verlernt Einkaufen, Aufstehen, alles,” erklärt Peter Bachmeier. So versorgen sich die Gäste im haus jona auch selbst, d.h. sie kaufen selbst ein, kochen selbst – und sorgen für Ordnung in ihren Zimmern. Nur die gemeinschaftlich genutzten sanitären Anlagen werden von einem Reinigungsdienst gesäubert.

Es gibt auch Gemeinschaftsaufenthaltsräume – einen eigenen nur für Frauen, einen gemischten und einen für Raucher, und im Keller steht ein Kicker und eine Tischtennisplatte. “Die könnten noch mehr genutzt werden,” meint Peter Bachmeier.

“Wir machen hier Minus […], sozusagen mit einem diakonischen Lächeln.”

Die Kosten für die Unterbringung werden im Wesentlichen durch das Jobcenter beglichen. Wenn größere Renovierungsarbeiten anstehen – erst vor Kurzem wurden alle Zimmer neu gestrichen und mit neuen Matratzen ausgestattet -, müssen diese aber vom Träger übernommen oder dafür Spenden eingeworben werden. “Wir machen hier Minus, das ist aber kein Problem – weil dann der Verein dafür gerade steht. Das machen wir sozusagen mit einem diakonischen Lächeln.”

Mehr als nur Unterbringung: ein offenes Ohr, Beratung und häufig der Start in ein eigenständiges Leben

Allen Gästen steht das Angebot offen, ausführliche Beratungsgespräche mit den Mitarbeiter/innen zu führen. “Viele Gäste haben Schicksalsschläge erlitten und befinden sich in einer prekären Lebenssituation. Dennoch eine offene und entspannte Gesprächsatmosphäre zu schaffen, ist hier die besondere Herausforderung“, so Peter Bachmeier (s. Homepage der Stadtmission). “Das ist unser Special,” sagt er bei unserem Besuch. “Stellen, wo einfach zugehört wird, sind selten. Wir sind sozusagen Resonanzkörper.” Die richtigen Schritte gehen müssen die Menschen dann selbst.

→ Das Haus Jona wird auf der Seite der Stadtmission vorgestellt. Dort bekommt man auch einen kleinen Eindruck davon, wie viele Projekte und Einrichtungen neben dem Übernachtungshaus Jona noch zur Stadtmission Hamburg gehören.

 

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