Drob Inn, Drogenkonsumraum und Beratungsstelle

Jugendhilfe e.V.- Drob Inn, Drogenkonsumraum und Beratungsstelle

Im DrobInn, einer Kontakt- und Beratungsstelle mit integriertem Drogenkonsumraum in der Nähe des Hauptbahnhofs, waren wir mit einer großen Gruppe zu Besuch. Da das Team des DrobInn einmal pro Woche eine Teamsitzung abhält und am jeweiligen Tag nicht wie gewohnt um 9 Uhr öffnet, konnte uns Peter Möller empfangen und durch die Räumlichkeiten führen.

„Das ist der Konsumraum. Nicht so gemütlich, soll er aber auch nicht sein.“

Das Drob Inn wurde 1987 eröffnet und ist seitdem mehrmals umgezogen. Während es zu Beginn nur aus Café, Büro und Toilette bestand, umfasst es an seinem jetzigen Standpunkt am Besenbinderhof einen Aufenthaltsraum samt Tresen, eine professionelle Küche, eine Spritzenausgabe, einen Konsumraum, Beratungszimmer, Arztzimmer und eine Kleiderkammer. Damit stellt das Drob Inn die mit Abstand größte Einrichtung ihrer Art in Deutschland dar.

Abstinenz ist für manche keine Lösung.
„Wenn sie’s hier nicht machen, machen sie’s anderswo.“ (Peter Möller)

Entwickelt wurde das Konzept des Drob Inn in einer Zeit, als in Beratungsstellen ein Abstinenzgedanke vorherrschte und dementsprechend gearbeitet wurde. „Das ist auch alles ok, das machen wir auch“, sagt Peter Möller. Angesichts des langjährigen Drogenkonsums mancher Klient*innen müsse man diese jedoch auch auf andere Art begleiten und im Rahmen der Betreuung auch die schweren gesundheitlichen Schäden berücksichtigen, unter denen viele leiden.

Zu diesem Zweck bietet das Drob Inn ein umfassendes Angebot: Es ist in erster Linie eine Beratungsstelle, in die jedoch ein Konsumraum integriert ist. An einer Durchreiche zum Vorplatz hin können gebrauchte Spritzen gegen neue eingetauscht werden und allerlei Kleinigkeiten erworben werden. Zudem gibt es täglich günstige Speisen und Getränke und der Vorplatz und Aufenthaltsraum dient der Szene als Treffpunkt. Vor Ort findet dann oftmals eine Gewöhnung statt, durch die Klient*innen in eine niedrigschwellige Beratung „rutschen“, die sie andernfalls womöglich nicht gesucht hätten. Ärzt*innen und Krankenpfleger*innen sind vor Ort, um die gesundheitlichen Schäden zu behandeln, die mit jahrelangem Drogenkonsum oder anderen schwierigen Lebensumständen einhergehen.

Früher wurde im Drob Inn einfach die Szene geparkt – und so aus dem Stadtbild entfernt.

Das Drob Inn war häufig politischem Druck ausgesetzt oder wurde genutzt, um „die Szene zu parken“ und damit aus dem öffentlichen Stadtbild zu entfernen, so beispielsweise unter Innensenator Roland Schill. Doch Peter Möller steht hinter dem Konzept des Drob Inn und verweist auf Zahlen, welche die positiven Auswirkungen der Einrichtung belegen. So sind beispielsweise der mehrfache Gebrauch von Spritzen, das Teilen von Spritzen oder das Teilen von Drogen aus einer Spritze deutlich zurückgegangen. Dadurch verringert sich wiederum die Gefahr von Abszessen und der Übertragung von Krankheiten. So kann wohl positiv gedeutet werden, dass das Drob Inn täglich von zahlreichen Klient*innen besucht wird.

→ Auf der Website des Jugendhilfe e.V. wird das DrobInn vorgestellt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.