Soziale Themen in technischen Studiengängen?

von Shamsia, Betül und Seray

Mathe, Mechanik, Thermodynamik – was sich für viele nach wenig Spaß anhört, ist Alltag zahlreicher Studierender an technischen Universitäten. Aufgaben lösen, Vorlesungen besuchen, an Übungen teilnehmen – da bleibt oft kaum Zeit für Hobbys, geschweige denn für ehrenamtliche Tätigkeiten. Die meisten Studierenden verlieren deshalb in vielen Studiengängen den Anschluss an soziales Engagement. Sei es ehrenamtlich in einer sozialen Einrichtung zu arbeiten oder freiwillig für einen Tag dort auszuhelfen, viele Studierende sind davon gedanklich weit entfernt. Der Grund hierfür liegt nicht zuletzt bei den technischen Universitäten, die sich kaum der Thematik widmen. Das Angebot an Kursen und Projekten im sozialen Bereich ist stark begrenzt oder sogar kaum vorhanden.

Unsere Universität (TUHH) bot allerdings eine Option, die uns dreien die Chance gab, Erfahrungen im sozialen Bereich zu sammeln. Das Seminar „Hamburg für alle, aber wie?“ sprach uns sofort an, da wir die Möglichkeit sahen, Menschen in Not helfen zu können.

Das Seminar und die soziale Einrichtung Alimaus haben dafür gesorgt, dass wir Obdach- und Wohnungslosen helfen und uns mit ihnen austauschen konnten.

Wir haben Geschichten zu hören bekommen, die uns berührt und so sehr gefesselt haben, dass wir auch außerhalb der Einrichtung noch daran denken mussten. Auch unser Alltag hat sich stark verändert. Wir wurden schneller auf Menschen aufmerksam, die kein Dach über dem Kopf und es deshalb im Leben sehr schwer haben.

In der Zeit vor dem Seminar sind wir des Öfteren an obdachlosen Menschen vorbeigelaufen und haben sie ignoriert. Doch mit jeder Stunde, die wir in der Kleiderkammer der Alimaus verbrachten, hat sich unser Horizont erweitert und unser persönliches Denken über wohnungs- und obdachlose Menschen verändert.

Wir wollten mehr tun, als nur bei der Kleiderkammer auszuhelfen und haben aus diesem Grund unsere Erfahrungen mit Freunden geteilt.

Während einige Interesse zeigten, haben andere hingegen desinteressiert mit den Schultern gezuckt. Letzteres hat uns umso mehr zum Nachdenken gebracht, und uns wurde klar, dass viele Studierende in unserem Umfeld anscheinend kein Bedürfnis danach haben, ehrenamtlich zu helfen oder sich mit sozialen Themen zu beschäftigen. Dies fanden wir sehr schade, da wir der Meinung sind, dass vor allem die junge Generation für positive Veränderungen in der Welt sorgen sollten. Viele Probleme könnten durch den engagierteren Einsatz der Gesellschaft gelöst werden.

Nach intensiver Recherche über andere technische Universitäten haben wir festgestellt, dass auch diese keine ausreichende Verbindung zum sozialen Bereich bieten. Dies ist sehr zu bedauern, da auch die zukünftigen Ingenieur*innen mit Menschen aller Klassen zu tun haben werden.

Es gibt zwar eine Vielzahl an angebotenen Seminaren, die im nicht-technischen Bereich verortet sind, jedoch selten Angebote, welche Studierende dazu motivieren würden, ihren Mitmenschen auf freiwilliger Basis zu helfen.

Dies sollte so schnell wie möglich geändert werden. Anfangen könnte man mit der Organisation von regelmäßigen Veranstaltungen, die sich mit Themen wie Wohnungs- und Obdachlosigkeit, Flüchtlingshilfe usw. befassen. Am praktischsten und effektivsten wäre es, pro Semester zwei Infoveranstaltungen zu diesen Themen abzuhalten. In diesen Veranstaltungen sollte die Wichtigkeit sozialer Themen für unsere Gesellschaft klargestellt werden. Dies würde zusätzlich den Wissenshorizont der Studierenden erweitern. Sie sollten realisieren, dass soziale Projekte immer wieder helfende Hände benötigen.

Obwohl diese Themen so wichtig für die Gesellschaft sind, werden Berufe im sozialen Sektor schlecht bezahlt. Hier versagt neben der Gesellschaft auch die Politik. Wenn nun auch die junge Generation dem sozialen Sektor zunehmend den Rücken zuwendet, hätte dies gravierende Folgen. Jeden Menschen kann ein Schicksalsschlag treffen, welcher ihn in eine Notlage bringt.

Früh aufstehen und den Menschen helfen, die unsere Hilfe so dringend benötigen! – Das halten wir deshalb für einen guten Ratschlag.

Ein weiterer Vorschlag unsererseits wäre es, in technischen Studiengängen Pflichtmodule mit entsprechenden Inhalten zu integrieren. Hierdurch wären die Studierenden nicht nur in Mathe, Physik und Elektrotechnik versunken, sondern hätten neben der fachlichen Abwechslung noch einen Dienst an der Gesellschaft geleistet. Nun könnte man dagegenhalten, dass eine Integration solcher Pflichtmodule in technische Studiengänge zu weit gehen würde und dass bei manchen Studierenden Desinteresse die Folge wäre. Nach unserer Ansicht kann aber

nur durch die Überschreitung dieser Grenze ein dauerhafter Kontakt zwischen hilfsbedürftigen Menschen und Studierenden technischer Universitäten entstehen.

Auch in unserem Seminar gab es Studierende, die dem Thema anfangs skeptisch gegenüberstanden, jedoch nach ein bis zwei Wochen engagiert ausgeholfen und mitgearbeitet haben. Und nicht nur das, auch nach Ende der Pflichtstunden arbeiteten einige Studierende weiterhin ehrenamtlich im sozialen Bereich. So erging es auch uns. Denn nur durch einen ersten Zugang ist uns die Wichtigkeit sozialer Themen bewusstgeworden. Aufgrund dessen haben auch wir uns dazu entschieden, noch mehr zu machen.

Jede*r Studierende*r kann ihren bzw. seinen Beitrag leisten und auf diese Weise Mitmenschen helfen. Was oft fehlt, ist der erste Kontakt zum ehrenamtlichen Arbeiten, ebenso wie eine gleichsam förderliche Auswahl an angebotenen Kursen an technischen Universitäten. Der soziale Bereich könnte von den genannten Vorschlägen stark profitieren, und das würde sich lohnen, denn ehrenamtliche Helfer*innen braucht die Gesellschaft dringend und jederzeit.

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