Geschichten einer Kleiderkammer

1 | Die Tür geht auf, eine Familie kommt herein.

Ein Kleinkind, ein vielleicht 8-jähriger Junge, Mutter, Vater. Der Junge übersetzt.

Mit Hilfe des Jungen und der beiden Plakate, die mit Bebilderungen auf den Tresen geklebt sind, fangen wir an die Kleidung herauszusuchen.
Wir werden fündig, alle freuen sich.
Sogar für den Jungen lässt sich eine passende Sporthose finden, obwohl es eigentlich nur eine minimale Auswahl an Kinderklamotten im Angebot gibt.
Es ist gut gelaufen. Ausgestattet und gut gelaunt verlässt die Familie den Ausgaberaum.

Der nächste, bitte.
Ein älterer Mann, dem Anschein nach auf der Straße lebend, kommt herein.

Auch er ist sehr freundlich. Er möchte ein T-Shirt.
Wir fragen, was er außerdem bräuchte, er antwortet: „Nichts sonst.“
Wir beteuern, es wäre kein Problem, auch noch einen Pulli und eine Hose zu bekommen.
Er sagt: „Ich habe keinen Platz, an dem ich es lassen kann. ich brauch es nicht. Danke.“
Wir verabschieden uns und fühlen uns leer. Haben das Gefühl, nicht helfen zu können.

Der nächste tritt herein.

Während er mit uns spricht, öffnet sich die Tür.
Eine gut gekleidete, sehr nette Dame kommt herein und reicht uns eine große, lichtgraue und prall gefüllte Boutique-Papiertüte.
Das sieht nach guten Jacken aus. Prima.

 

2 | Wir haben einen Schulranzen zu vergeben!

Die erste Familie mit einem Jungen kommt herein.
Er bekommt den Schulranzen und ist begeistert.
Nach ihnen kommt eine Mutter mit einem Jungen.
Ihm können wir nur noch eine Cap anbieten.

 

3 | Das

waren bestimmt schon 17 Polo-Shirts
aber keines war bisher passend.

 

4 | Reisetaschen und Koffer

womöglich noch mit Rollen, sind rar.
Wenn vorhanden, aber natürlich gerne genommen.

Die Reisetasche, die wir ihm letzte Woche ausgegeben hatten, brachte er uns wieder, um zu beweisen, dass eine Ratte ein dickes Loch in seine Tasche gebissen hätte und er deshalb eine neue brauche.

Leider war keine mehr da, die wir ihm hätten geben können.

 

5 | Der Mantel ist wie für sie gemacht.

Richtig kleidsam. Und das Lächeln, welches sich deshalb auf ihrem Gesicht breit macht, erst recht.

 

6 | Wenn es schöne Tüten gibt

in denen man die Kleidung mitgeben kann, freut mich das am meisten.
Es erzeugt Kaufladen-Atmosphäre.

 

7 | Neulich

war inmitten der ganzen Sortiersäcke ein Männerslip im Weihnachtsdekor mit frontal montiertem Rentier-Stoffgeweih.
Wurde aussortiert.

 

8 | Eine Dame

kommt im Auftrag eines demenzerkrankten, familienverlassenen Mannes.
Sie will ein gutes Hemd und eine gute Hose.
Sie erzählt uns, sie habe früher oft gedacht, sie müsse alleine altern und ihre Freundinnen mit Kindern müssten dies nicht.
Jetzt sehe sie, dass das nichts damit zu tun hätte.

 

9 | Mutter und Tochter

stehen an dem Tresen und schauen zu den Blusen und Tuniken.
Beide zeigen uns ein paar, die Mutter will auf keinen Fall etwas für sich heraussuchen.

 

10 | Mit Hemden, Krawatten und Anzügen

müssen wir nicht geizen.
Sie werden nie knapp.

 

11 | Voll guten Willens

und voller guter Spenden, und trotzdem manchmal ohne irgendetwas Passendes.

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