Eine Geschichte vom (Über)sehen

Jeder kleine Schritt kann ein Schritt in die richtige Richtung sein.

von Annemarie Hartig

Regelmäßig fahre ich mit Bus und Bahn, laufe in der Stadt an den Menschen vorbei. Manchmal sitze ich nur da und beobachte die an mir vorbeilaufenden Menschen und die Umgebung. Wenn ich in einem kleinen Wäldchen sitze, wirkt alles so friedlich. Insbesondere, wenn ich die Knie anwinkle, den Oberkörper nach hinten lehnend auf die Arme stütze und dabei in den Himmel blicke. Dann kann ich frei atmen. Niemand, der mich gerade stört. Ich kann meinen Gedanken freien Lauf lassen. Ein Gedanke schweift zum nächsten über und formt schon den nächsten. An solchen Orten habe ich Ruhe. Aber dann gibt es auch noch ganz andere Orte. Orte wie den Hauptbahnhof.

Am Hauptbahnhof ist immer viel los, Menschen wuseln durcheinander und man verliert oft den Überblick. Es sind einfach zu viele Menschen unterwegs, man kann gar nicht alles um sich herum wahrnehmen. Oft ist man selbst auf der Reise und hat keinen Kopf, um die umgebenden Menschen bewusst wahrzunehmen. Oder man ist gestresst und achtet nicht mehr so viel auf die Menschen um einen herum, sondern nur darauf, dass man die eine ganz bestimmte Bahn bekommt.

Doch nicht nur ich beobachte das Leben, das auf den Straßen herrscht. Wenn der Hauptbahnhof leerer ist, kann man immer wieder Menschen auf Pappen sitzen sehen, umgeben von all ihrem Hab und Gut. Was fehlt diesen Menschen wohl am meisten? Was ist passiert, dass sie auf der Straße leben? Sie werden als erstes übersehen, wenn man in Eile ist.

All diese Gedanken kamen Freya, als sie hier auf dem Felsen in der Brandung saß und aufs weite Meer schaute, in dem die Sonne gerade unterging. Hinter ihr fing der Wald an, in dem sie so gerne war, wenn sie Ruhe brauchte. Er reichte jedoch nicht bis zum felsigen Ufer. Man konnte am Ufer neben dem Wald entlang spazieren.

Wie klein ich doch bin. Ein Mensch von Milliarden. Kann ich wirklich einen Unterschied machen? Andererseits, kam es nicht auf die kleinen Dinge im Leben an? Und sollte man nicht immer im Kleinen anfangen? Wie gut, dass ich die Obdachlosen nicht mehr übersehe, sondern mich seit Kurzem für sie engagiere. Ich schnuppere innerhalb eines Praxisseminars von der Uni in die Arbeit einer Tagesstätte für Obdachlose hinein. Ist das nicht zumindest ein Schritt in die richtige Richtung?

Mit diesen Fragen im Kopf, stand sie gemächlich auf. Mit einem letzten sehnsüchtigen und nachdenklichen Blick drehte sie sich um und machte sich auf den Heimweg. Hier auf den Felsen war keine Menschenseele weit und breit, doch mit jedem Schritt näherte sie sich der Stadt. Es war schon spät und kaum noch Menschen auf den Straßen unterwegs. Allerdings konnte man schemenhaft im Licht der Laternen Schlafsäcke in Hauseingängen sehen. Menschen sah man dort nicht. Sie waren völlig in ihrem Schlafsack verschwunden, aber man konnte erkennen, dass jemand dort drin lag. Ab und zu konnte man Bewegungen sehen. Aber wenn sich lange Zeit nichts bewegte, fragte sie sich:

Ob sie noch leben? Würde es auffallen, wenn einer plötzlich nicht mehr aufwacht? Würde die Person vermisst werden? Um sie getrauert werden? Wie gut, dass ich mein Zuhause habe, in das ich jederzeit zurückkehren kann. Wie gut, dass ich Freunde und Familie habe, bei denen ich mich geborgen fühle.

Freya ging weiter, zielstrebig nach Hause. Denn am nächsten Morgen hieß es wieder früh aufstehen. Auf zur Uni.

Nach einigen Stunden Schlaf klingelte auch schon der Wecker. Noch im Halbschlaf stand sie auf, taperte zum Kleiderschrank, zog sich an und machte sich fertig für den Tag. Dazu zählte natürlich auch das Essen. Nicht nur das Frühstück, sondern insbesondere das Essen für die Pausen war wichtig. An diesem Tag ging es nämlich direkt nach der Uni zur Arbeit für das Praxisseminar. Da blieb kaum Zeit für eine vernünftige, warme Mahlzeit. Also wurden Brote geschmiert, Joghurt mit geschnittenen Äpfeln zubereitet und ein bisschen Gurke geschnitten.

Den Weg kannte sie so gut, dass sie ihn auch blind hätte finden können. In Gedanken vertieft lief sie zum Bus. Was würde sie wohl heute erwarten?

Es ist Monatsende, da kommen immer mehr Leute zum Essen. Und wenn dann noch schlechtes Wetter ist, kommen nochmal mehr Leute. Hoffentlich werde ich den ganzen Tag nicht nur hin und her laufen. Kellnern wollte ich eigentlich nie so richtig, aber dennoch macht es Spaß. Man darf sich nur nicht selbst stressen. Und die Besucher sind freundlich und zuvorkommend, auch wenn ihr häufig grobes Äußeres zunächst anderes vermuten lässt. Letztendlich sind alle, die da hinkommen, Menschen wie jeder andere auch. Also was soll’s. Es wird schon. Die Behandlung auf gleicher Augenhöhe gefällt mir sehr. Eigentlich arbeite ich in einem Restaurant, nur dass die Gäste nichts bezahlen müssen. Ja ok, die Gerichte werden vorgegeben. Es gibt an warmen Mahlzeiten entweder die fleischhaltige oder die vegetarische Variante. Aber die Gäste können immerhin wählen, was sie gerne/lieber essen möchten.

Es ist eigenartig mit Madame angesprochen zu werden. Erst sagte es nur einer, aber mit der Zeit wurden es gut eine Handvoll. Ist es eine höfliche Anrede als Entgegnung darauf, dass ich sie sieze? Oder sehe ich so jung aus? Keine Ahnung. Wie auch immer.

Gerade als Freya wieder auf die Straße achtete, ob der Bus käme, sah sie ihn schon von Weitem. Sie holte das Portemonnaie aus ihrem Rucksack heraus und zog das Semesterticket. Der Bus hielt, ein paar Leute stiegen aus und Freya stieg ein. Mit einem kurzen Moin begrüßte sie den Busfahrer und zeigte zugleich ihre Fahrkarte vor. Schlendernd ging sie durch den Bus zu einem freien Platz. Dann steckte sie ihre Fahrkarte und das Portemonnaie wieder ein, holte stattdessen ein Buch heraus und fing an zu lesen.

Immer mal wieder schaute sie von ihrem Buch auf und blickte aus dem Fenster. Beim Umsteigen in die Bahn streiften ihre Augen in der Gegend umher. Eigentlich war dieser Stadtteil einer der reicheren und man sah weniger Menschen, die bedürftig oder obdachlos aussahen. Doch ihr Blick war geschärft durch ihr Engagement. Inzwischen fielen ihr häufiger Menschen auf, die bedürftig oder obdachlos sein könnten. So auch hier. Vor der Bushaltestelle und vor dem Treppenaufgang zum Bahngleis. Alle gingen vorbei, schauten die Personen nicht an. Auch Freyas Blick streifte die Menschen nur.

Menschen gehen so in Schutzhaltung. Wen ich nicht sehe, der sieht mich auch nicht. Wenn ich die Person nicht anschaue, wird sie mich nicht ansprechen und nach Geld fragen. Es mag naiv sein so zu denken, aber wie soll man mit so einer Situation umgehen? Wenn ich einem etwas gebe, müsste ich jedem etwas geben. Das wäre konsequent. Aber dafür sind es zu viele. Geld geben mögen viele nicht, auch ich nicht. Man kann sich nicht sicher sein, wofür sie es ausgeben. Wird es für Essen und Trinken ausgegeben oder für Alkohol oder andere Drogen? Manchmal verstehe ich, dass so viel Alkohol getrunken wird. Wenn man vierundzwanzig Stunden jeden Tag dem Wetter und der Straße ausgesetzt ist, ist das hart. Wahrscheinlich härter als ich es mir vorstellen könnte. Was man an Verletzungen ertragen musste. Kein Wunder, dass man den Schmerz versucht wegzutrinken. Trotzdem ist der Alkoholkonsum nicht unterstützenswert. Alternativ kann man anstatt Geld zu geben, Essen oder Trinken für diese Person kaufen. Man könnte mit ihr zum Beispiel zu einem Bäcker gehen und sie sich was aussuchen lassen, was man dann für sie kauft. Viele sind dafür dankbar. Dankbarkeit ist auch das, was ich regelmäßig zu spüren bekomme, wenn sich die Gäste aus unserem „Restaurant“ verabschieden.

Während sie so dachte, stieg sie die Treppenstufen zum Gleis hoch, die Bahn fuhr ein und sie stieg ein. Einige Stationen später stieg ein Mann zu. Er trug zerschlissene Kleidung, einen mitgenommenen Rucksack und hielt einen Pappbecher in seiner Hand. Seine Haare sahen wild aus. „Bitte entschuldigen Sie die Störung. Ich bin zurzeit leider obdachlos und wohne auf der Straße.“ So langsam zog der typische Geruch in die Nase, den solche Menschen irgendwie immer verströmten, auch wenn sie es gar nicht wollten. „Es wäre schön, wenn Sie eine Kleinigkeit für mich übrig hätten. Vielen Dank und entschuldigen Sie bitte nochmals die Störung“, beendete er seine kleine Ansprache, ging langsam das Abteil ab und hielt in jede Sitzecke seinen Pappbecher. Manchmal wurde Kleingeld gegeben, manchmal auch ein Apfel oder eine Pfandflasche. Für jede Gabe bedankte sich der Mann freundlich. Insgesamt gaben sehr wenige etwas. Bei der nächsten Haltestelle stieg er aus. Sie fuhr noch ein paar Stationen weiter bis sie ausstieg und zur Uni lief. Erst ein Seminar, dann eine Vorlesung und dann gleich weiter zur Arbeit. In den Pausen zwischen durch aß sie ihr mitgebrachtes Essen und in der Vorlesung knabberte sie die Gurken.

Jeder hat seine Zufluchtsorte und Orte, an denen er sich sicher fühlt. Aber diese Gegend hier?,

dachte Freya mit hochgezogener Augenbraue, als sie nach der Uni zur Arbeit lief.

Nein, das ist nichts für mich. In dieser Gegend kann ich mich nicht wohlfühlen. Für viele Obdachlose bietet dieser Ort einen Aufenthaltsort. Wie schaffen es so viele Obdachlose hier zu leben? Ständig das Gefühl zu haben, dass irgendwas passieren könnte, ist schrecklich. Ich bin angespannt. Doch sobald ich das Gebäude betrete, in dem ich arbeite, fühle ich mich sicher. Ein sicherer Hafen in dem aufgewühlten Meer. Geht es Obdachlosen genauso?

Sie ging durch den Mitarbeitereingang hinein und dann schnurstracks zum Lagerraum, wo die privaten Sachen der Mitarbeiter und Freiwilligen aufbewahrt werden konnten. Ihren Rucksack steckte sie in den unteren Teil eines Spinds und wandte sich danach drei Spinde weiter den Schürzen zu. Es gab einige zur Auswahl. Viele waren ihr allerdings zu groß und sie hoffte jedes Mal gleich beim ersten Griff eine kleine Schürze zu erwischen. Das klappte mal wieder nicht. Also nahm sie flugs eine neue. Die passte. Jetzt noch Hände gewaschen und es konnte losgehen. „Hi“, begrüßte Freya die Runde, die schon in der Küche arbeitete. Sie war zur Nachmittagsschicht eingeteilt.  „Kannst du die Karotten schälen?“, fragte der Koch, was mehr Aufforderung als tatsächliche Frage war. Dabei zeigte er auf zwei volle Kisten. „Klar“, antwortete sie, während sie sich die Handschuhe überzog. Gleich danach holte sie sich einen großen Eimer für die Abfälle und einen Sparschäler und machte sich an die Arbeit. Wie immer lief in der Küche Musik. Auch wenn es nicht unbedingt ihren Musikgeschmack traf, sang sie leise mit.

Die Karotten haben ja ungewohnte Formen. Solche sieht man sonst in Supermärkten nicht. Warum eigentlich? Qualitativ sind sie genauso gut. Okay, zugegebenermaßen sind unförmige Karotten schlecht zu schälen, aber das geht trotzdem voll in Ordnung.

Es brauchte nicht lange bis Freya eine Routine entwickelte. Eine Karotte aus der Kiste nehmen, über dem Abfalleimer schälen, die geschälte Möhre in eine saubere Schale tun. Nach einiger Zeit waren alle Karotten von ihrer Schale befreit. Um die Möhren zu waschen, füllte sie die Schale mit Wasser bis die Karotten darin schwammen und stellte sie in die rollbare Ablage, die mitten in der Küche stand. Es gab fast immer etwas zu tun. Kaum war sie fertig, kam schon die nächste Aufgabe: Champignons zerkleinern. Dafür benötigte sie eine weitere Schale. Also holte Freya eine und brach Champignons in kleine Stücke. Danach verließ sie die Küche, um beim Essenausteilen zu helfen. Fast alles war bereits vorbereitet worden, es fehlten nur noch ein paar große Löffel für die Salate, die kurzerhand von ihrer Kollegin Carmen organisiert wurden.

Der Essenssaal war rundlich aufgebaut und es gab drei Türen. Eine Eingangstür, eine Küchentür und auf der gegenüberliegenden Seite eine Tür, die über einen Flur zur Toilette führte. Neben der Küchen- und der Flurtür stand jeweils ein kleiner rechteckiger Tisch. Auf ihnen wurden verschiedene Salate und Nachtisch, manchmal auch Früchte positioniert. Je nachdem, was gerade vorhanden war. Die Lebensmittel kamen von Supermärkten, die sie aussortiert hatten. Da konnte man nicht fest planen, was man bekommen würde. Beim Essen wurde immer geschaut, was gut zusammenpasste, von dem was man hatte. So, dass am Ende eine vernünftige Mahlzeit zustande kam. Das war der Grund, warum die warmen Gerichte auch innerhalb eines Tages variieren konnten.

Nun war es soweit, die Türen wurden geöffnet. Alle freiwilligen Helfenden waren auf ihren Posten. Pro Seite zwei Leute zum Austeilen und eine Person zur Begrüßung an der Eingangstür. Die Gäste strömten herein, wurden freundlich von Monika begrüßt und bekamen eine Tasse und einen Löffel. Dann durften sie sich einen Platz aussuchen. Freya war zum Austeilen auf der Flurtürseite eingeteilt, zusammen mit Carmen. Freya lächelte alle Menschen an, die an ihr vorbeigingen. Einige Gesichter erkannte sie wieder. Freya unterhielt sich mit Carmen über dies und das.

Small Talk halt. Die kleinen Dinge, die das Miteinander der Helfenden stärkt. Sonst bin ich nicht so gut darin, aber für die kurze Zeit findet man immer etwas worüber man reden kann.

Als alle Gäste saßen, wurden die Türen geschlossen. „Wir wollen vor dem Essen beten“, sagte Monika, die Freiwillige an der Eingangstür. Alle erhoben sich von ihren Plätzen. Diejenigen, die eine Mütze oder Kappe aufhatten, nahmen sie ab. Dann wurde gemeinsam das Vater Unser gebetet. Monika öffnete die Tür wieder für die Gäste, die draußen gewartet hatten, weil sie nicht mitbeten wollten oder einfach später kamen. Alle setzten sich wieder. Carmen machte sich auf in die Küche, um den Wagen mit dem warmen Essen zu holen. „Entschuldigung, was gibt es heute für Salate?“, sprach ein Gast Freya an. Sie drehte sich zu ihm um und antwortete: „Wie immer gibt es gemischten Salat, dann noch Kartoffelsalat und äh“, sie schielte zum Tisch hinüber, „Krautsalat.“ „Ah, danke.“ Da kam Carmen auch schon mit dem Essen aus der Küche. Also fragte Freya: „Was möchten Sie essen?“ „Mit Fleisch.“ „Möchten Sie noch was dazu?“ „Ja, ein bisschen von dem gemischten Salat hätte ich gerne.“ „Gerne. Bringe ich Ihnen“, sagte Freya im Weggehen. Vom Salattisch nahm sie einen tiefen Teller und füllte ihn mit dem fleischhaltigen Gericht. Dann wandte sie sich dem Salat zu und füllte den auf den gleichen Teller. Es war üblich, dass jeder Gast einen Löffel, eine Tasse und einen Teller bekam. Säubern konnte man den Teller mit Brot, das auf den Tischen bereitgestellt wurde. Danach lief Freya mit dem gefüllten Teller wieder zum Gast. „Bitte schön.“ „Danke.“ Da tippte Carmen sie von der Seite an. „Machst du diesen Tisch und ich nehme den?“, fragte Carmen nach, während sie auf den Tisch schräg gegenüber zeigte. „Ja, ist gut,“, antwortete Freya und wandte sich dem nächsten Gast zu. „Was darf es für Sie sein?“ „Was Warmes.“ „Mit oder ohne Fleisch?“ „Was ist denn mit Fleisch?“ „Nudeln mit Fleisch, Käse und Soße. Die vegetarische Variante ist Brokkoli mit Möhren, Käse und weißer Soße.“ „Dann nehme ich vegetarisch.“ So arbeitete sich Freya von Gast zu Gast bis jeder eine Portion bekommen hatte. Mal wollte jemand nur eine kleine Probierportion und ein anderes Mal wollte jemand nur Salat.

Hoffentlich ist es jetzt das Richtige? Der Mann hat so genuschelt und hat mich auf meine Nachfrage, ob ich das richtig verstanden habe, nur irritiert angeschaut. Die Sprache ist echt eine Hürde. Manche können nur die wichtigsten Begriffe, die sie zur Verständigung brauchen.

Jetzt, wo alle erstmal versorgt waren, konnte man etwas pausieren. Freya stand am Salattisch und schaute in die Runde, ob jemand einen Nachschlag wollte. Da hob eine Frau ihren Arm. Freya ging zu ihr. „Was gibt es als Nachtisch?“, wurde sie sofort gefragt. „Joghurt. Der ist rötlich. Also wahrscheinlich Erdbeer- oder Kirschjoghurt.“ „Davon hätte ich dann gerne eine Portion.“, sagte sie und reichte Freya ihren Teller. Freya nahm den Teller an und servierte der Frau eine Portion Joghurt. Der erste Gast war schon fertig und bedankte sich beim Herausgehen bei den Helfenden. Sein benutztes Geschirr stellte er auf dem extra dafür vorgesehenen Wagen ab und verließ das Gebäude. Aus seiner Stimme konnte man die Dankbarkeit heraushören, wie bei so vielen anderen auch.

So verging der Tag. Menschen kamen und gingen. Freya war ständig in Bewegung, um die Gäste zu bedienen oder um Salat, Brot und Getränkekannen auf den Tischen nachzufüllen. Manchmal kam ein kurzes Gespräch zustande. Wie lange man schon dabei sei und was man so mache. Viel Zeit für Gespräche blieb meist allerdings nicht. Ab und zu wunderte sich Freya wie viel manche Menschen essen konnten. Je später es wurde, desto weniger Gäste waren noch da. Um 18 Uhr war Feierabend. Freie Tische wurden schon abgeräumt und abgewischt. Wenn dann noch neue Gäste kamen, wurden sie an einen Tisch gelotst. „Bitte alle aufessen und abräumen. Wir schließen in 10 Minuten.“, forderte Monika die noch Anwesenden auf. Kurz darauf verließen die letzten Gäste das Gebäude und die Helfenden konnten den Saal durchfegen, die Türen abschließen und die letzten Tische säubern. Freya legte ihre Schürze ab und holte ihre Sachen aus dem Spind. Bevor sie sich verabschiedete trug sie sich noch für den nächsten Arbeitsdienst ein.

Heute waren zwar viele da, aber die Atmosphäre war friedlich und fröhlich. Zwischenfälle gab es keine. Zum Glück. Das kann unangenehm werden. Gott sei Dank gab es nur einen Zwischenfall in meiner bisherigen Arbeitszeit. Es war anstrengend, aber ich kann immer mit einem Lächeln nach Hause fahren. Es tut gut, anderen Menschen aktiv zu helfen.

Hinweis: Dies ist eine Geschichte, die Gedanken und Erfahrungen während des Projektseminars „Hamburg für alle – aber wie?“ widerspiegeln soll. Die Praxiseindrücke stammen dabei aus der Alimaus, einer Tagesstätte für Obdachlose und bedürftige Menschen in Hamburg-Altona in der Nähe der Reeperbahn. Die Orte und Geschehnisse, die in der Geschichte beschrieben werden, sind allerdings nur angelehnt an den tatsächlichen Aufbau und die tatsächlichen Abläufe. Die Geschichte gibt kein exaktes Abbild, sondern bietet lediglich einen Eindruck. Des Weiteren sind die Namen frei erfunden. Übereinstimmungen sind rein zufällig.

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