Category Archives: Wohnungslotsenprojekt – Bergedorfer für Völkerverständigung e.V. 2018/19

Der letzte Schritt zur eigenen Wohnung – mühsam aber lohnend

In diesem Beitrag berichte ich von meinen weiteren Erfahrungen als ehrenamtliche Mitarbeiterin im Verein „Bergedorfer für Völkerverständigung e.V. – Flüchtlingshilfe Bergedorf“ und über die Begleitung bei der Wohnungsvermittlung an geflüchtete Personen.

 In den beiden vorherigen Beiträgen habe ich über die ersten Schritte als Wohnungslotsin und ehrenamtliche Mitarbeiterin berichtet. Es ging unter anderem darum, dass ich zwei geflüchtete Personen, die sich für dieselbe Wohnung beworben haben, zur Wohnungsbesichtigung und anschließend zur Fachstelle für Wohnungsnotfälle begleitet habe, damit die Kostenübernahme gewährt wird.

Besuch beim zukünftigen Vermieter

Danach sind wir dann zum Vermieter gegangen, um alle erforderlichen Unterlagen, wie Einkommensnachweis, Dringlichkeitsschein, Kostenübernahme etc. abzugeben. Zu unserer Freude hat einer der Anwärter die Wohnung bekommen. Ich war mit meinen Gefühlen etwas zwiegespalten, da auf der einen Seite nun einer von ihnen eine eigene Wohnung hatte, worüber ich mich sehr freute, der andere aber leider eine Absage kriegen musste. Ich habe mich nicht davor gescheut zu fragen, wie die Entscheidung gefallen ist. Es lag wohl an dem Ausweisdokument des anderen, das bald auslaufen würde und eine mündliche Zusage, dass der neue beantragt wurde, nicht ausreichte.

Fachstelle für Wohnungsnotfälle und Jobcenter

So, nachdem wir die Zusage von dem Vermieter bekommen hatten, gingen wir erneut zur Fachstelle für Wohnungsnotfälle, um die letzten Unterlagen, wie z.B. die Zusage des Vermieters, einzureichen. Alle Unterlagen wurden zum Jobcenter geschickt, damit geprüft werden konnte, ob Anspruch auf Leistung und Kautionsdarlehen besteht. Nach zwei Tagen gingen wir zum Jobcenter und haben dort das Kautionsdarlehen unterschrieben, und die neue geänderte Leistung wurde uns mitgeteilt.

Die Prozedur verlief zwar sehr langsam, da wir sehr lange Wartezeiten hatten, jedoch reibungslos im Bezug auf die Gewährung der Anträge. Nach circa einer Woche sind alle Leistungen erfolgt, und die geflüchtete Person darf sich so langsam in ihren neuen vier Wänden einrichten. Hier seht ihr noch ein Bild von mir und der Person, die ich begleitet habe. Das Bild haben wir nach der Ummeldung beim Bezirksamt gemacht.

„Bergedorfer für Völkerverständigung e.V.“ leistet eine grandiose Arbeit!

Es hat sich gut angefühlt, einen eigenen Beitrag für die Integration von geflüchteten Menschen zu leisten. Meiner Meinung nach leistet die Organisation „Bergedorfer für Völkerverständigung e.V.“ grandiose Arbeit. Das Konzept hat mir sehr gut gefallen und die Zusammenarbeit hat super funktioniert.  

Vielen Dank für euer Interesse 🙂

Ceren Mucuk

Wohnung besichtigt und jetzt? Der nächste Schritt

In diesem Beitrag schließe ich an meinen vorherigen „Der erste Kontakt und die Wohnungsbesichtigung“ an und erzähle von den weiteren Schritten nach der gemeinsamen Besichtigung mit den beiden geflüchteten Personen, die ich bei der Vermittlung begleitet habe.

Auf zur Fachstelle für Wohnungsnotfälle

Ich habe mich mit den beiden jungen Männern am Bahnhof Bergedorf getroffen, und wir sind zur Fachstelle für Wohnungsnotfälle in Bergedorf gegangen, um die Bestätigung der Kostenübernahme zu erhalten. Da beide geflüchtete Personen sich für dieselbe Wohnung beworben hatten, entschied ich mich die ganze Prozedur parallel zu begleiten.

Als wir bei der Fachstelle waren, standen wir an einer sehr langen Schlange an. Dies deutete daraufhin, dass wir mit sehr langen Wartezeiten rechnen mussten. Nach der Anmeldung wurde uns mitgeteilt, dass die Fachstelle sehr stark ausgelastet ist und sie keine weiteren freien Räume zur Bearbeitung der Angelegenheit hätten, sodass wir leider noch warten müssten. Für uns hieß es also, weiter Geduld zu bewahren. In der Zwischenzeit erklärte ich den beiden den Grund für unseren Beuch in der Fachstelle und die weiteren Schritte, um die Zeit effizient zu nutzen.

Kostenübernahme gewährt?

Als endlich ein Raum frei wurde und eine Sachbearbeiterin Zeit hatte, kamen wir dran. Zunächst stellte ich mich als ehrenamtliche Mitarbeiterin und die beiden geflüchteten Personen vor und reichte alle erforderlichen Unterlagen ein. Die Sachbearbeiterin war trotz dem ganzen Durcheinander sehr gut bei der Sache und hat die Kostenübernahme gewährt. Erfreut über das Resultat, verließen wir die Fachstelle und vereinbarten einen Termin beim Vermieter, denn der nächste Schritt: Alle Unterlagen beim Vermieter abgeben.

In den folgenden Tagen traf ich mich mit den beiden geflüchteten Personen beim Vermieter, und wir haben alle restlichen wichtigen Dokumente abgegeben. Nun hieß es abwarten und hoffen, dass einer der beiden die Wohnung bald beziehen könnte.

Bis zum nächsten Mal!

Ceren Mucuk

Der erste Kontakt und die Wohnungsbesichtigung

Im Folgenden möchte ich euch meine Erfahrungen als ehrenamtliche Mitarbeiterin bei dem Verein „Bergedorfer für Völkerverständigung e.V.“ und von der Begleitung bei der Wohnungsvermittlung an geflüchtete Personen berichten. Einleitend möchte ich zum besseren Verständnis ein paar Information über den Verein wiederholen.

Wie kommen die Menschen an die Wohnung?

Dieser ist ein Zusammenschluss von ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen, die bei der Vermittlung von Wohnungen an geflüchtete Personen helfen. Sie sind in diesem Sinne als Wohnungslots/innen tätig. Der Verein bekommt jährlich eine bestimmte Anzahl von Sozialwohnungen zur Verfügung gestellt, die an geflüchtete Personen direkt vermittelt werden.

Die Personen müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um bei dem Verein als potentielle Mieter/innen aufgenommen zu werden. Wenn dieser Schritt getan ist und eine Wohnung zur Verfügung steht, wird eine geflüchtete Person als Mietinteressent/in ausgewählt, zu dem/der die Wohnung eventuell passen könnte.

Ring Ring!

Das Telefon klingelte. Am anderen Ende der Leitung war die Dame von dem Verein, die mich kontaktierte, um mir mitzuteilen, dass ich meinen ersten Auftrag für eine Begleitung mit einer geflüchteten Person hätte. Doch es kam etwas anders als gedacht. Anstatt eine Direktvermittlung zu begleiten, sollte ich zunächst zu zwei geflüchteten Personen den Kontakt herstellen, die für dieselbe Wohnung als potenzielle Mieter in Frage kamen. Die Kontaktdaten von den beiden wurden mir von derselben Dame gegeben. Ich machte den ersten Schritt und meldete mich bei beiden, um ihnen mitzuteilen, dass ich sie bei der Wohnungsbesichtigung, die uns die Tage bevorstehen sollte, begleiten würde. Somit war der erste Kontakt hergestellt.

Afghanistan, Syrien, Hamburg

Ich war sehr positiv überrascht an dem Tag der Wohnungsbesichtigung. Mir standen junge, modern gekleidete Männer gegenüber, die ich auf den ersten Blick nicht als geflüchtete Personen identifiziert hätte. Der eine war aus Afghanistan, der andere aus Syrien geflüchtet, und beide seit ca. drei Jahren in Deutschland. Als wir ins Gespräch kamen, bemerkte ich schnell, dass beide Personen die deutsche Sprache auf einem angemessenen Niveau beherrschten, jedoch unzureichend, um die Wohnungsabwicklung selbst zu bewältigen. Ich musste mich öfter im langsamen Tempo wiederholen, da vieles nicht sofort verstanden wurde.

Bei der Wohnungsbesichtigung ging es um eine Ein-Zimmer-Wohnung mit einer Dusche und einer Küche. Die Freude der beiden jungen Männer war sehr groß. Denn zu dem Zeitpunkt wohnten sie noch mit weiteren Menschen in einem viel kleineren Zimmer, mit Gemeinschaftsbad etc. Nun war man dem Ziel einer eigenen Wohnung zum Greifen nah. Nachdem beide Personen die Anträge ausgefüllt hatten, verließen wir die Wohnung und vereinbarten direkt einen Termin bei der Fachstelle für Wohnungsnotfälle wegen der Kostenübernahme. Somit verlief alles reibungslos und ich freue mich auf die bevorstehenden weiteren Aufgaben.

Bleibt dran!

Ceren Mucuk

 

 

Mietführerschein: das Haushalts-ABC lernen

Zum ersten Mal allein wohnen. Das stellt jede/n vor größere und kleinere Herausforderungen, nicht nur geflüchtete Personen. Wie trennt man den Müll in Deutschland richtig? Warum ist eine Haftpflichtversicherung so wichtig? Wie wechselt man einen Staubsaugerbeutel und welcher ist der richtige für mein Gerät? Darf ich meine Waschmaschine selbst anschließen? Welcher Stromanbieter ist für mich der richtige?

Die erste eigene Wohnung – und jetzt?

Um all diese Fragen zu beantworten, bekommen geflüchtete Personen die Möglichkeit, einen sogenannten „Mietführerschein“ zu absolvieren. An zwei Tagen finden für 3-4 Stunden Vorträge statt, bei denen unter anderem Expert/innen der ETH (Entsorgungs-Management GmbH), des Versicherungsunternehmens Provinzial und des Energieversorgungsunternehmens Hamburg Energie referieren und Fragen beantworten. Am dritten Tag wird ein Test geschrieben, um den Mietführerschein zu bestehen. Auf dem Weg dorthin werden die geflüchteten Personen von der offenen und sehr freundlichen Kursleiterin begleitet und unterstützt.

Ziel des Projektes ist es, den Vermietern die Angst zu nehmen, indem man mit Hilfe der Schulungen versucht Unfällen und Schäden in den Wohnungen vorzubeugen und dadurch die Wohnungsvermittlungen zu erleichtern. Denn der Umgang mit dem Mietobjekt ist in Deutschland streng geregelt, wie zum Teil aus den oben erwähnten Fragen hervorgeht. Die meisten Regelungen sind den geflüchteten Personen leider unbekannt, da sie aus unterschiedlichen Regionen der Welt kommen, wo diese Regelungen nicht üblich sind.

“Mit dem Mietführerschein hinterlässt man einen
guten Eindruck beim künftigen Vermieter.”

Mit dem Nachweis des Mietführerschein-Kurses machen geflüchtete Personen einen guten Eindruck bei den Vermietern, und das erleichtert die Wohnungssuche. Zudem ist es eine sehr gute Starthilfe in die eigenen vier Wände.

Kyra I. und Ceren Mucuk

Studienleistung: Wohnungsbesichtigungen und Behördengänge??

Im Rahmen des Seminars “Engagiert für Wohnungs- und Obdachlosigkeit” an der Uni Hamburg sind im Wintersemester 2018/19 einige der Teilnehmer/innen als Wohnungslots/innen tätig und unterstützen Geflüchtete auf dem Weg in die erste eigene Wohnung in Hamburg.

Was ist beim Casting wichtig?

Der Verein “Bergedorfer für Völkerverständigung e.V.” kümmert sich um Wohnungen, die von Baugenossenschaften wie der SAGA oder Bergedorf Bille eigens für die Vermietung an wohnungslose Geflüchtete zur Verfügung gestellt werden. Im nächsten Schritt findet eine Art Casting statt, bei dem Geflüchtete sich vorstellen können und im Laufe dessen entschieden wird, ob sie die Bedingungen für eine Wohnungsvermittlung erfüllen (ausreichende Deutschkenntnisse, Besitz von erforderlichen Dokumenten usw).

Wie läuft die Vermittlung in die eigene Wohnung ab?

Nun kommen die Wohnungslots/innen ins Spiel. Diesen wird vom Verein jeweils eine Wohnung und ein/e Wohnungsinteressent/in zugeteilt. Die Aufgabe der Wohnungslots/innen ist es, die Interessent/innen im Prozess der Wohnungsvermitlung zu begleiten. Dazu gehört zunächst der Besichtigungstermin, später dann diverse Behördengänge.

Wenn alles erfolgreich verläuft, steht am Ende dieses Prozesses ein unterschriebener Mietvertrag. Eine bis dahin wohnungslose Person hält schließlich den Schlüssel für ihre eigenen vier Wände in den Händen.

Start in ein neues Leben: Wohnungen für Geflüchtete

Den Grundstein für ein eigenständiges Leben legt die erste eigene Wohnung. Der Verein “Bergedorfer für Völkerverständigung e.V.” vermittelt Wohnungen von Genossenschaften (wie beispielsweise der SAGA) an wohnungslose Geflüchtete. Im Rahmen des Seminars “Engagiert für Wohnungs- und Obdachlose” erhalten wir als Studierende die Möglichkeit, den Prozess der Wohnungsvermittlung zu begleiten.

“Wer spricht denn schon fließend Beamtendeutsch?”

Dass kleine Hürden ganz schnell zu riesigen Herausforderungen werden können, kennen wir alle. Schließlich haben wir als Studierende doch selber vor nicht allzu langer Zeit die ersten Behördengänge hinter uns gebracht. Wie war das noch mit der Nettomiete? Oder was genau waren noch gleich die Betriebskosten? Wo finde ich den günstigsten Stromtarif? Und was genau muss ich bei der GEZ eigentlich bezahlen?

Auch wir haben uns diese Fragen gestellt und mussten uns durch das Beamtendeutsch kämpfen. Aber zum Glück wurden wir nicht hilflos im Papierchaos zwischen BAföG-Anträgen und Staffelmieten stehen gelassen. Wir wurden auf diesem Weg in die eigene Wohnung oder Wohngemeinschaft begleitet und unterstützt. Wir konnten uns hilfesuchend an Eltern, Freunde oder Kommilitonen wenden und haben uns zusammen durch die Anträge, Stromtarife und Besichtigungen gekämpft.

“Wir werden Ansprechpartner.”

Denn wenn wir ehrlich sind, bringen uns Ämter und Mietverträge auch immer etwas aus der Fassung. Umso wichtiger ist es sich bei diesem Prozess auf jemanden verlassen zu können und Ansprechpartner zu haben, das können wir aus eigener Erfahrung bestätigen. Und nun wollen wir als Studierende diese Ansprechpartner werden.

Diesen Weg werden wir dokumentieren, und wir sind gespannt, was uns in den nächsten Wochen erwartet.