Category Archives: Transferfragen WiSe 2019/20

Teilnehmende der Ringvorlesung “Hamburg für alle – aber wie?” im Wintersemester 2019/20 haben als Leistungsnachweis Transferfragen zu ausgewählten Schwerpunktthemen bearbeitet. Einige der Einreichungen haben wir hier veröffentlicht.

Winternotprogramm für Wohnungs- und Obdachlose

Katrin Wollberg, Bereichsleitung Spezialangebote Wohnungslose, Geschäftsbereich Aufnahme und Perspektive, f&w fördern und wohnen, gab einen Einblick in das Winternotprogramm von f&w. Welche Angebote stellt dieses für Menschen, die in Hamburg auf der Straße leben, bereit? Welche sind die zentralen Kritikpunkte, die von Öffentlichkeit und Medien häufig vorgebracht werden?

Das Winternotprogramm von f&w bietet obdachlosen Menschen einen Unterschlupf für die Nächte im Winter. Von November bis März sind die Menschen dort willkommen. Insgesamt bietet fördern und wohnen 650 Schlafplätze. Diese sind aufgeteilt auf zwei Standorte: In der Friesenstraße in Hammerbrook können bis zu 400 Obdachlose beherbergt werden, während die Kollaustraße in Lokstedt über rund 250 Schlafplätze verfügt. Die Notunterkünfte öffnen am Abend und schließen am darauf folgenden Tag um 9:00 Uhr morgens. Die Übernachtungsmöglichkeiten bieten neben einem Bett auch abschließbare Spinds, Waschmaschinen, Duschen und Sanitäranlagen sowie getrennte Paar- und Frauenbereiche. Zudem erhalten die Menschen am Abend Mahlzeiten aus Lebensmittelspenden von freiwilligen Helfer*innen. Die obdachlosen Frauen, Paare und Männer behalten ihr Bett, vorausgesetzt sie kommen jeden Abend aufs Neue. Die Mitarbeiter*innen der Unterkünfte beraten und unterstützen die Wohnungslosen bei der Verbesserung ihrer Lebenssituation. Sie sind Ansprechpartner*innen in Krisensituationen und versuchen den Wohnungslosen bei ihren Belangen zu helfen.

Die Notunterkünfte von f&w sind dazu verpflichtet zunächst einmal alle Menschen, die am Abend vor der Tür stehen, hereinzulassen. In den darauffolgenden Tagen finden (freiwillige) Beratungsgespräche mit den Wohnungslosen statt, in denen es um die Situation der Betroffenen geht sowie um Möglichkeiten aus der Wohnungslosigkeit zu entkommen. Diese Beratungen werden von vielen Menschen als Zwang empfunden. Sie stehen in der Kritik, weil einige Menschen, vor allem Ausländer*innen, nach den Gesprächen abgewiesen werden können. Dies ist der Fall bei Nichtdeutschen, die in ihrem Heimatland noch eine Unterkunft haben. Sie werden vorübergehend an die Wärmestube verwiesen. Zudem werden sie zurück in ihr Heimatland gelockt, indem ihnen z.B. Zugtickets für die Rückreise finanziert werden.

Einen weiteren Kritikpunkt stellen die Öffnungszeiten dar. Tagsüber hat die Unterkunft geschlossen, obwohl die Temperaturen im Winter oft auch tagsüber um den Nullpunkt oder sogar darunter liegen. Die Notunterkünfte rechtfertigen dies damit, dass es Tagesaufenthaltsstätten gibt, in denen die Wohnungslosen Unterschlupf finden können. Dennoch bleibt die Frage, wie vertretbar es ist, die Wohnungslosen morgens aus der Einrichtung zu jagen und bei kältesten Temperaturen im wörtlichen Sinne auf die Straße zu setzen.

– von Nora Andresen –

Arbeitsplatz „Straße“

Aufsuchende Soziale Arbeit für obdachlose Menschen in Hamburg

In seinem Vortrag ging Johan Graßhoff u.a. auf Effekte defensiver Architektur und Verdrängung im öffentlichen Raum ein. Welche Rolle soll Straßensozialarbeit im Kontext der Verdrängung im öffentlichen Raum spielen? Welche Schwierigkeiten ergeben sich?

Die folgenden Überlegungen rekurrieren zum großen Teil auf die Ausführungen von Johan Graßhoff, der, in seiner beruflichen Rolle als Straßensozialarbeiter, am 17.12.2019 im Rahmen der Ringvorlesung Hamburg für alle – aber wie? zum Thema Arbeitsplatz „Straße“, im Sinne der aufsuchenden Sozialen Arbeit für obdachlose Menschen in Hamburg referiert hat. Daneben werden weitere Quellen aus dem Bereich der Sozialen Arbeit und der Rechtswissenschaft herangezogen, in denen der thematische Fokus auf dem Öffentlichen Raum und entsprechenden Mechanismen von Verdrängung und der damit einhergehenden Einschränkung von Handlungsspielräumen liegt.

Das Recht auf Wohnen ist ein Menschenrecht, festgeschrieben in Artikel 11 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, der in Deutschland im Jahr 1973 ratifiziert wurde. Continue reading

Winternotprogramm

Katrin Wollberg gab einen Einblick in das Winternotprogramm von f&w fördern und wohnen AöR. Welche Angebote stellt dieses für Menschen, die in Hamburg auf der Straße leben, bereit? Welche sind die zentralen Kritikpunkte, die von Öffentlichkeit und Medien häufig vorgebracht werden? Was denken Sie darüber?

Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und Gesundheit

Welche Auswirkungen können Wohnungs- und Obdachlosigkeit auf die Gesundheit eines Menschen und den Zugang zum Gesundheitssystem haben? Welche niedrigschwelligen Angebote gesundheitlicher Hilfe gibt es für die Zielgruppe wohnungs- und obdachloser Menschen in Hamburg und wie schätzen Sie dieses Angebot ein?

„Allem voran geht es um die Wahrung der Menschenwürde. Nur wer sich sicher fühlt und physisch und psychisch ‚normal‘ leben kann, der kann gesund bleiben bzw. schneller genesen.“

Durch Wohnungs- und Obdachlosigkeit haben Menschen schlechten bis gar keinen Zugang zum Gesundheitssystem. Insbesondere diejenigen Menschen, die auf der Straße leben müssen und keine Unterkunft zum Schlafen, zum Aufwärmen (insbesondere in der kalten Jahreszeit) und für Hygienemaßnahmen haben, sind gesundheitlichen Risiken Tag für Tag ausgesetzt. Des Weiteren ist unumstritten, dass wohnungs- und obdachlose Menschen zumeist keinen Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung mehr haben. Ursachen können dafür persönliche Risikofaktoren sein. Darunter fallen beispielsweise Trennung, Gewalt, Sucht oder psychische Situationen.

Erkrankt oder verunfallt nun ein wohnungs- oder obdachloser Mensch, so ist die Scheu groß, einen Arzt aufzusuchen. Einerseits schämen sich viele der Menschen für ihre Situation, andererseits stoßen sie stellenweise auf Widerstand und werden sozusagen „vor die Tür gesetzt“. Außerdem fehlt es vielen der betroffenen Menschen an Wissen über ihre rechtlichen Ansprüche. Continue reading

Frauen auf der Straße

Erläutern Sie kurz den Begriff der verdeckten oder unsichtbaren Wohnungs- bzw. Obdachlosigkeit. Welche Auswirkungen hat diese Unsichtbarkeit? Welche besonderen Anforderungen sollte ein differenziertes und bedarfsgerechtes Hilfesystem für Frauen erfüllen?

“Die besonderen Anforderungen, die Frauen als Klientel haben, sollten sich in den Hilfsangeboten spiegeln. Diese sollten ressourcenorientiert sein, Beratung wertschätzend, geschlechtersensibel und niedrigschwellig erfolgen.“

Von einer verdeckten Wohnungs- und Obdachlosigkeit kann dann gesprochen werden, wenn das betroffene Individuum, um einem Schicksal auf der Straße zu entgehen, oder weil es nicht will, dass die vorhandene Not sichtbar wird, bei Verwandten, Freund*innen oder Bekannten unterkommt. Diese Form von Wohnungs- und Obdachlosigkeit wird oft nicht wahrgenommen und ist häufig einhergehend mit unterschiedlichen Formen körperlicher und/oder psychischer Ausbeutung. Die unsichtbare/latente Wohnungs- und Obdachlosigkeit definiert sich dadurch, dass Betroffene immer wieder von Obdachlosigkeit bedroht sind bzw. immer wieder in Situationen kommen, in denen es passieren könnte, obdach- oder wohnungslos zu werden. Continue reading

“Housing First ends homelessness. It’s that simple.”

Mit diesem Zitat von Sam Tsemberis schließt Karen Holzinger ihren Vortrag. Wie lauten die Kernprinzipien von Housing First, die sie vorgestellt hat? Für wen bietet das Projekt in Berlin eine Lösung – für welche Fälle hingegen nicht? Kann das Housing-First-Konzept also ein Ansatz zur Beseitigung von Wohnungs-/Obdachlosigkeit sein?

„Wohnungs- und Obdachlosigkeit muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen werden, um echte Teilhabe innerhalb der Gesellschaft und den Zugang aller Menschen in das System zu gewährleisten.“

Die Kernprinzipien, die im Vortrag zur Thematik „Housing First“ genannt wurden, lauten wie folgt: Holzinger sprach davon, dass im Ursprung acht Kernprinzipien festgehalten wurden. Sie betont, dass die einzelnen Kernprinzipien nicht voneinander als abgetrennte Einheiten umgesetzt werden, sondern stets miteinander verflochten seien.

Diese beinhalten, dass Wohnen als Menschenrecht gesehen wird, wodurch Wohnraum gestellt werden soll, ohne Erwartungsansprüche an Betroffene zu stellen. Damit soll gewährleistet werden, dass das Recht auf Wohnen nicht dem Prinzip des Verdienstes unterliegt und zur Sicherung eines menschenwürdigen Lebens beiträgt. Personen, die das Angebot „Housing First“ nutzen, wird eine eigenständige Entscheidungsmöglichkeit und Wahlfreiheit zugesprochen, sodass sie entscheiden können, wie sie leben wollen und welche Form von Hilfe sie annehmen und erhalten möchten. Continue reading

Reflexions-/Transferfragen zur Ringvorlesung

Liebe Teilnehmende der Ringvorlesung!

Um im Wintersemester 2019/20 im Rahmen der Ringvorlesung “Hamburg für alle – aber wie?” zwei Leistungspunkte zu erwerben, bearbeiten Sie bitte zwei kleine schriftliche Aufgaben. Bitte wählen Sie unter den folgenden Fragen zwei aus und senden Sie Ihre Antwort per Email an cornelia.springer@uni-hamburg.de.

  1. “Housing First ends homelessness. It’s that simple.”

Mit diesem Zitat von Sam Tsemberis schließt Karen Holzinger ihren Vortrag. Wie lauten die Kernprinzipien von Housing First, die sie vorgestellt hat? Für wen bietet das Projekt in Berlin eine Lösung – für welche Fälle hingegen nicht? Kann das Housing-First-Konzept also ein Ansatz zur Beseitigung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit sein?

  1. Frauen auf der Straße

Erläutern Sie kurz den Begriff der verdeckten oder unsichtbaren Wohnungs- bzw. Obdachlosigkeit. Welche Auswirkungen hat diese Unsichtbarkeit? Welche besonderen Anforderungen sollte ein differenziertes und bedarfsgerechtes Hilfesystem für Frauen erfüllen?

  1. Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und Gesundheit

Welche Auswirkungen können Wohnungs- und Obdachlosigkeit auf die Gesundheit eines Menschen und den Zugang zum Gesundheitssystem haben? Welche niedrigschwelligen Angebote gesundheitlicher Hilfe gibt es für die Zielgruppe wohnungs- und obdachloser Menschen in Hamburg und wie schätzen Sie dieses Angebot ein?

  1. Arbeitsplatz „Straße“ – Aufsuchende Soziale Arbeit für obdachlose Menschen in Hamburg

In seinem Vortrag ging Johan Graßhoff u.a. auf Effekte defensiver Architektur und Verdrängung im öffentlichen Raum ein. Welche Rolle soll Straßensozialarbeit im Kontext der Verdrängung im öffentlichen Raum spielen? Welche Schwierigkeiten ergeben sich?

  1. Winternotprogramm

Katrin Wollberg gab einen Einblick in das Winternotprogramm von f&w fördern und wohnen AöR. Welche Angebote stellt dieses für Menschen, die in Hamburg auf der Straße leben, bereit? Welche sind die zentralen Kritikpunkte, die von Öffentlichkeit und Medien häufig vorgebracht werden? Was denken Sie darüber?

  1. Obdachlosigkeit in Hamburg – ein Fall für den europäischen Hilfsfonds?

Fachkräftemangel, Arbeitnehmerfreizügigkeit, EU-Zuwanderung. In welchem Zusammenhang stehen diese Themen zu Obdachlosigkeit in Hamburg? Und was kann der europäische Hilfsfonds (EHAP) in diesem Kontext bewirken?