Category Archives: Bluten auf der Straße

Mangel an Hygieneprodukten ist auf der Straße leider die Regel. Das liegt vor allem an einer schlechten sanitären Versorgung und zu hohen Preisen. Menschenwürdige Menstruation für alle – aber wie?

Ein Sieg gegen die Tamponsteuer!

Es ist so gut wie beschlossen, die Besteuerung von Tampons als Luxusgut wird abgeschafft. Jetzt haben sie einen Steuersatz wie alle anderen unentbehrlichen Dinge des alltäglichen Lebens. Das ist ein großer Erfolg! Natürlich muss sich noch zeigen, ob die Unternehmen die geringeren Kosten auch an die Konsument*innen weiter geben. Das wird gerade hoch und heilig versprochen, aber wir alle müssen da beide Augen offenhalten. Es soll schließlich darum gehen, dass gerade die Frauen*, die besonders wenig Geld haben, sich nicht weiter zwischen der nächsten Mahlzeit oder einer Packung Tampons entscheiden müssen. Genau dieses Thema haben Yasemin und ich auch in unserem Podcast besprochen, der bald erscheinen soll. Hört ihn euch auf jeden Fall an, da gibt es noch einige interessante Infos und es kommen eine Hamburger Politikerin, zwei Sozialarbeiterinnen im Bereich der Obdachlosen-Hilfe und eine ehemals auf der Straße lebende Frau zu Wort!

Genau die Interviews, die wir dort geführt haben, waren auch noch einmal sehr aufschlussreich, was die Frage angeht, wie obdachlosen Frauen* in Bezug auf Menstruation am besten geholfen werden kann. Unsere Interviewpartner*innen hatten eigentlich einen Konsens darüber, was getan werden sollte: Es sollte über Hamburg hinweg verteilt gratis Ausgabestellen für Tampons und Binden geben, außerdem ist es wichtig, dass es auch Orte gibt, wo man seine Menstruationsprodukte wechseln und sich waschen und ausruhen kann. Zusätzlich weiß ich, dass es wichtig ist, dass es Geld gibt, mit dem frische Unterhosen und Menstruationsprodukte nach Bedarf gekauft werden können.

Also habe ich jetzt eine gute Vorstellung davon, was sinnvoll wäre, aber irgendwie bin ich nicht weiter damit, wie ich das erreichen soll. Ich habe verschiedene Plattformen, über die eine Abwicklung von Spenden möglich ist, angefragt, aber keine scheint ideal zu sein. Ursprünglich dachte ich an so etwas wie patreon und meine Vorstellung war, dass man dort Geld einsammeln, zu Aktionen aufrufen und Infos weitergeben könnte. Man hätte also quasi seinen pool aus regelmäßigen Unterstützer*innen, die direkt mitkriegen, was passiert und gleichzeitig auch als netzwerk von Menschen, die sich für dieses Thema interessieren, fungieren könnten.

Um sich dort anmelden zu können, muss man leider eine/n schon bestehende Website, Blog oder Podcast als Freiberufler*in betreiben. Das heißt ich müsste selber erst mal eine Internetseite kreieren und damit Geld verdienen wollen, um mich dort anzumelden. Bei Diensten wie patreon oder steady werden auch direkt Umsatzsteuern abgeführt, was ja normalerweise bei Spenden von Privatpersonen nicht der Fall wäre. Das heißt, das geht schon mal nicht.

Dann habe ich gedacht, dass ich es wohl doch mit klassischen Spendenseiten wie betterplace versuchen muss. Bei betterplace ist allerdings das Problem, dass die Leute, die für dich spenden komplett anonym bleiben, das heißt, es bestünde garkeine Möglichkeit sie zu informieren, zu etwas aufzurufen oder einfach nur im Austausch zu stehen. Alle Kontaktinformationen bleiben bei betterplace und man hat als Organisation keinen Zugriff darauf.

Die nächste Option wäre jetzt, eine eigene Internetseite zu kreieren und dort selber eine Spendenfunktion einzubauen, aber das würde erst mal relativ viel kosten, vor allem, weil ich mich damit nicht auskenne. Außerdem müsste ich die gesamte Verwaltung der Spenden selbst übernehmen, womit ich mich auch nicht auskenne, und dafür würde ich wahrscheinlich wenigstens einen gemeinnützigen Verein gründen müssen. Also neben der Zeit, die ich irgendwo für all das auftreiben müsste, würde diese Option auch einen großen Einsatz von meinem eigenen Geld bedeuten und da ist leider gerade Garnichts zu holen.

Das Einzige, was ich mir gerade vorstellen könnte, wäre sich bei einem bestehenden Verein mit einer Internetseite und einer Spendenfunktion einzuklinken. Aber bis jetzt konnte ich noch keinen finden, der dafür passend erscheint. Wenn ihr also Vorschläge habt, immer her damit!

Ich habe jetzt genug gejammert. Ich werde auf jeden Fall weiter machen. Vielleicht erst mal mit der kleinen Info-Broschüre, die ich auch mal angedacht hatte. Das halte ich gerade für erreichbarer. Die Abschaffung der Tampon-Luxus-Steuer ist definitiv ein Zeichen dafür, dass positive Veränderung möglich ist, wenn ein paar Leute sich gegen Ungerechtigkeit zusammenschließen und ein Nein nicht gelten lassen.

Und nun?

Ich habe mich natürlich gefragt: Was bedeutet dieser Perspektivenwechsel für meine Projektidee? Zusammen mit Frau Hniopek habe ich entschieden, dass das Sinnvollste ist, Aufklärung zu betreiben und gleichzeitig Geld zu sammeln. Das heißt, ich werde in den nächsten Wochen weiter an der Internetplattform arbeiten. Der Fokus der Plattform soll immer noch auf den Schwierigkeiten der Menstruation auf der Straße liegen, diese jedoch nicht nur mit Geld für Tampons und Binden bekämpfen, sondern mit Geld für die Sachen, die in dem Moment wirklich gebraucht werden. Zum Beispiel frische Unterwäsche, Duschen und Toiletten.

Außerdem kann die Plattform genutzt werden, um schnell und direkt die Leute zu erreichen, die bereit sind sich für dieses Thema einzusetzen. So kann zum Beispiel zu Demos und Petitionen eingeladen oder auf akute Missstände aufmerksam gemacht werden. Zusammen hat dieses Projekt hoffentlich einen groß genugen Einfluss und kann die Situation der Frauen* auf der Straße tatsächlich zum positiven verändern.

Es bleiben jedoch noch drei große Fragen offen.

  1. Wie viel Zeit soll ich jetzt in die Planung und wie viel in die Umsetzung investieren?

Ich frage mich, wie ausgereift und mit Infos gefüllt die Plattform sein muss, bevor sie online geht. Sollte sie schon richtig schick sein, bevor ich Werbung dafür mache oder kann die Professionalität mit der Zeit kommen?

  1. Wie viele Leute sollte ich ins Boot holen?

Ich frage mich, ob ich zu diesem Zeitpunkt möglichst viele Partner*innen haben sollte, die mich bei der Planung und Umsetzung der Plattform unterstützen oder ob zu viele Köche den Brei verderben. Mehr Menschen bedeutet natürlich auch längere Absprachen, anderseits könnte ihr Input sinnvoll sein. Die Suche von Partner*innen würde erst mal viel Zeit kosten und dann ist vielleicht der hype um das Thema vorbei. Außerdem besteht natürlich auch das Risiko, dass durch die Vorstellungen anderer Leute etwas ganz anderes daraus wird, als ich das wollte. Aber vielleicht lässt dich so ein Vorhaben alleine auch gar nicht schaffen.

  1. Wann sollte ich daran arbeiten?

Sollte ich jetzt, während der Prüfungszeit weiter nebenbei daran arbeiten oder mir einen bestimmten Zeitraum dafür frei nehmen? Macht es Sinn, das über lange Zeit nebenbei zu machen oder lieber konzentriert für ein paar Wochen?

Diese Fragen muss ich die nächsten Tage noch beantworten. Für euch habe ich erst mal ein Foto meiner Katze mit einem Tampon. Cat-Content ist schließlich die Basis des Internets.

Tapsi hat auch keinen Bock mehr auf die Tamponsteuer

Perspektivenwechsel

Die letzten Wochen lief es etwas schleppend, weil gerade einige Prüfungsleistungen dran sind. Irgendwie wird dann doch die Aufgabe, für die man keine klare Frist hat hinten an gestellt. Vielleicht sollte ich mir selber ein paar Fristen überlegen um dem entgegen zu wirken. Aber jetzt erst mal zu dem, was in der Zwischenzeit passiert ist.

Ich habe mich mit Andrea Hniopek von der Caritas getroffen, die unter anderem das Container-Projekt mit der HAW betreut. Ihr Input war extrem hilfreich. Ihrer Einschätzung nach ist Menstruation für obdachlose und wohnungslose Frauen* nicht so ein großes Thema, wie ich und anscheinend auch andere, weil sie schon mehrere Anfragen zu dem Thema hatte, glauben. Es ist auch kein Tabu-Thema, nach einem Tampon fragen läuft genauso ab wie nach einer Zahnbürste. Dafür haben die Frauen schon zu viel erlebt und wirklich größere Probleme als etwas so natürliches wie ihre Regelblutung.

Ihrer Meinung nach, sind die Leute, die „Gutes“ tun wollen häufig leider schlecht informiert darüber, was wirklich gebraucht wird (oder interessieren sich schlichtweg nicht dafür). Das führt dazu, dass die Hauptamtlichen, Freiwilligen und betroffenen Frauen* sehr viel Zeit und Energie darin stecken müssen, die gut gemeinten Spenden anzunehmen, zu sortieren und weg zu schmeißen. Das Berg an Zeug ist überfordernd und gleichzeitig mangelt es an den Sachen, die wirklich gebraucht werden.

Das sind nämlich zum Beispiel Socken und Unterhosen in passenden Größen, Insulin und Diabetes Teststreifen, saubere Toiletten und Duschen zur Verfügung, Geld und am aller wichtigsten: Eine Wohnung! Alle anderen Sachen bekämpfen nur die Symptome der Obdachlosigkeit, anstatt das eigentliche Problem anzugehen.

Das klingt jetzt erst mal überwältigend. Fand ich auch. Wie soll ich alleine denn dafür sorgen, dass all diese Menschen eine Wohnung bekommen? Aber wenn man überlegt, wie viel Zeit Spender*innen, Hauptamtliche, Freiwillige und Betroffene plötzlich übrig hätten, wenn sie zum Beispiel nicht mehr Tonnen an unbrauchbaren Klamotten durch Hamburg karren müssten, wirkt es schon machbarer! Wenn allen Leuten, die helfen wollen, die sich gegen Obdachlosigkeit einsetzen, klar ist, was wirklich einen Unterschied macht kriegen wir das vielleicht hin! Wenn eure Tante das nächste mal Säcke voller löchriger Klamotten in die Kleiderkammer bringen will, sagt ihr doch, dass sie lieber eine monatliche Spende an eine Hilfsorganisation einrichten oder eine Partei wählen soll, die mehr sozialen Wohnungsbau fordert.

Ich weiß, von da aus ist es noch ein langer Weg zum Wohnraum für alle. Aber wenn wir erstmal aufhören uns vorzumachen, dass unser Müll für Obdachlose „doch noch gut zu gebrauchen“ ist und mit sinnlosen Spenden unser Gewissen beruhigen, ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung getan.

Es wird!

Die letzten Wochen habe ich mich immer wieder gefragt, welche Strategie den Zugang zu Hygieneprodukten für obdachlose Frauen* am besten erleichtern kann. Wie bei meinem letzten Eintrag beschrieben, wollte ich gerne eine Lösung haben, die so autark wie möglich weiterläuft, auch wenn ich mal nicht mehr in Hamburg wohnen sollte und gleichzeitig den Hauptamtlichen so wenig Arbeit wie möglich macht. Außerdem sollte der Hauptnutzen bei obdachlosen Frauen* liegen, während gleichzeitig alle Frauen* besser über die Ungerechtigkeit in Bezug auf Menstruationsprodukte informiert werden. Endlich habe ich ein paar Optionen gefunden, die mit etwas Glück und viel Arbeit vielleicht all diese Ziele erreichen können!

1.       Info-Heft: “How to stay clean when homeless – Ein Guide für obdachlose Frauen* in Hamburg”

Das ist natürlich nur ein Arbeitstitel. Im Prinzip geht es darum generelle Tipps zur Hygiene auf der Straße zu geben, auch mit medizinischen Hinweisen über bestimmte Praktiken(wie zum Beispiel Tampons lange drin zu lassen), Institutionen aufzulisten, die einem dabei behilflich sein können und vielleicht ein paar Geheimtipps über gute öffentliche Toiletten, günstige Duschen oder ähnliches zu verbreiten. Vielleicht wäre dabei die Kooperation mit der Stadt Hamburg oder einem der großen Träger für die Obdachlosenhilfe interessant, damit die Verbreitung der Broschüre langfristig gesichert ist.

2.       Hygiene-Spendenboxen in Supermärkten

Eine hinter den Kassen in Supermärkten aufgestellte Spendenbox schafft einerseits Aufmerksamkeit für das Thema und sorgt dafür, dass jede*r ohne großen Aufwand Hygieneprodukte spenden kann. Vielleicht würde hierbei eine Kooperation mit der Tafel Sinn ergeben, da sie ohnehin schon häufig von vielen Supermärkten Essen abholen und bereits eine etablierte Connection zu Menschen mit wenig Einkommen haben.

3.       Online-Pat*innenschaft „Tampon-Patin werden!“

Ich glaube, das könnte eine der vielversprechendsten Optionen sein. Auf einer Online-Plattform könnte leicht zum Beispiel über die Probleme, die obdachlose Frauen* auf der Straße in Bezug auf Hygiene haben und die generelle Ungerechtigkeit der Besteuerung von Menstruationsprodukten hingewiesen werden. Mit einem monatlichen Beitrag von z.B. 3,50 € könnte jede*r Tampon-Pat*in werden. Das hierbei gesammelte Geld wird direkt an eine Organisation für obdachlose Frauen in Hamburg weitergeleitet, die dafür Hygieneprodukte kaufen und gratis weitergeben können. Das hätte auch den Vorteil, dass bedarfsgerecht eingekauft werden kann und die Frauen* nicht damit Vorlieb nehmen müssen, was gespendet wird.

Als nächstes werde ich mich nach Kooperationspartner*innen umsehen und mir den Rat von Expert*innen einholen. Außerdem muss ich mich wahrscheinlich auch noch für eine oder zwei dieser Optionen entscheiden, weil alle drei umzusetzen alleine vielleicht nicht machbar sein wird.

Spendenbox für Hygieneartikel – Wo soll es hingehen?

Letzte Woche habe ich mich dem Projekt „Hygienebox“ angenommen. Die Idee stammt von einer Studierenden-Gruppe aus dem Wintersemester 2017/18, die zusätzlich zu ihrer Arbeit in der Kleiderkammer noch mehr zur Unterstützung obdachloser Frauen* im Bereich Hygiene-/Menstruationsprodukte tun wollte. Sie wollten dabei auf die Ungerechtigkeit hinweisen, dass Tampons, Binden und ähnliches in Deutschland immer noch wie ein Luxusgut besteuert werden. Das ist gerade für Frauen* in schwieriger finanzieller Lage ein großes Problem.

Mehr zu ihren Überlegungen findet ihr hier: https://hamburg-fuer-alle.blogs.uni-hamburg.de/category/kleiderkammer-notkestrasse-2017-18/.

Inzwischen ist die dadurch entstandene physische Box leider seit einigen Monaten unbetreut – und das sieht man ihr auch an. Generell ist es schade, dass sie nur im AStA-Infocafé auf dem Campus steht und dadurch vielleicht für wohnungslose Menschen nicht optimal zugänglich und präsent ist. Außerdem wäre es eigentlich gut, wenn die Box zum Selbstläufer wird, das heißt, auch ohne die regelmäßige Pflege einer*s Seminarteilnehmer*in weiter besteht.

Um nicht nur Symptome zu behandeln, sondern die Ursachen für die besonderen Schwierigkeiten für Frauen* auf der Straße im Bezug auf Menstruation anzugehen, sollte so ein Projekt auch inhaltliche Ziele verfolgen, zum Beispiel die Bekämpfung der Luxus-Steuer auf Tampons, Binden etc.

Das führt zu der Frage, wieviel Zeit und Energie in die tatsächliche Box, oder besser, in die Bereitstellung von kostenlosen Hygieneprodukten für obdachlose Frauen* und wieviel in die Weiterbildung und die inhaltliche Arbeit für weniger Ungerechtigkeit in Bezug auf Menstruation gesteckt werden soll.

Fakt ist: Eine (oder mehrere) nachhaltige, bedarfsgerechte und gut positionierte Hygienebox(en) zu schaffen ist definitiv schwieriger, aber nur von Infoveranstaltungen an der Uni ist wahrscheinlich keiner obdachlosen Frau* direkt geholfen.

Der nächste Schritt ist wohl, dass ich mir überlegen muss, worauf der Fokus dieses Projekts in Zukunft liegen soll. Danach sollte ich für dieses Thema relevante Personen und Orte aufsuchen und mir Rat holen, wie ich dieses Ziel bestmöglich erreichen kann. Und vielleicht findet sich dabei ja auch der*die ein oder andere Kooperationspartner*in!

 

(Mit Frauen* sind hier alle Personen  gemeint, die eine/n Vulva, Vagina, Uterus oder Eierstock haben und sich deswegen mit deren Pflege und Hygiene beschäftigen müssen.)