Category Archives: Park-IN Billstedt

Team: Sophia Z.

Freies Tanzen kommt richtig gut an!

Vor zwei Wochen ca. habe ich die geplante Tanzstunde mit den Frauen aus der Einrichtung gemacht und es war anders als gedacht, aber sehr witzig und schön. In meiner Vorbereitung hatte ich mir nicht nur eine Playlist auf Spotify zusammengestellt, sondern hatte mir auch eine Art kleine Choreo angeschaut und überlegt. Einige der Frauen wollten aber lieber ein freies Tanzen machen und so haben wir gemeinsam Lieder ausgesucht und darauf frei getanzt.

Manchmal waren (fast) alle Frauen dabei und bei anderen Liedern waren wir zu zweit oder zu dritt auf der Tanzfläche, aber es war schön einer Tätigkeit nachzugehen und mit den Frauen teilen zu können, die mir auch privat sehr viel Spaß macht.

Eine der Frauen die über den ganzen Nachmittag am Tisch saß und nicht mitgetanzt hatte, sagte mir am Ende, dass sie so eine Freude daran gehabt hätte zu sehen wie froh die anderen beim Tanzen waren und welch schöne Stimmung wir mit unserem Tanzen und der Musik verbreitet hätten. Sie selbst konnte, wie sie mir dann berichtete, aus gesundheitlichen Gründen nicht mittanzen.

Auch eine andere Besucherin fragte, wann ich so ein Tanzen noch einmal organisieren würde, da sie sonst nie die Gelegenheit hätte so ausgelassen in der Gruppe zu tanzen und es ihr sehr viel Spaß machen würde.

Ich ging also mit einem sehr positiven Gefühl aus der Einrichtung raus. Es fühlte sich auch eher wie eine Angelegenheit an, zwischen mir und den Besucherinnen, aus der sich die SozialarbeiterInnen größtenteils heraushielten.

Leider habe ich auch bemerkt, dass ich in den letzten zwei Wochen gar nicht mehr hingegangen bin und der Hausarbeitsstress und Arbeitsstress total frisst, sodass ich nicht nur zeitlich sondern auch von der Energie einfach sehr eingespannt bin. Fragen für die Zukunft sind, wie solch ein Ehrenamt so in den Alltag reinpasst, dass es weiterhin etwas bleibt, was man gerne macht und zu keiner Pflicht oder einem Zwang wird.

Gleichzeitig wurde ich von einer Besucherin gefragt, ob nicht eine andere ‚wie ich‘ öfters vorbeikommen könnte, wenn ich mal nicht könnte. Da merkte ich noch einmal, wie schade es ist, dass das Projekt „Hamburg für alle – aber wie?“ aufhört…

Persönliche Geschichten – von Jobverlust, Alkoholsucht und Einsamkeit

Nach meinem wöchentlichen Besuch im Park-In hab ich mich jetzt doch entschieden einige Geschichten aufzuschreiben:

Alkoholsucht nach Arbeitsunfall…

So erzählte mir einer der Herren, wie es zu seiner Alkoholsucht kam: Vor relativ vielen Jahren hatte er einen Arbeitsunfall gehabt, nachdem seine Haut überzogen war von Bläschen und Pusteln. Die Menschen, einschließlich seiner damaligen Ehefrau, fingen ihn an zu meiden und er verspürte das erste Mal richtig Einsamkeit. Er isolierte sich dann immer mehr und verschwand hinter seinem Alkoholkonsum, so dass er irgendwann sein Zuhause und seine Kontakte verlor. Er erzählte dann davon wie er um die 20 Jahre auf der Straße lebte und dort unteranderem auch bei Hinz & Kunzt gearbeitet hatte. Heute sieht man ihm die Hautkrankheit nicht mehr an, denn die wurde ihm behandelt, doch sehr viel später erst. Auch trinkt er heute nicht mehr, aber sein Geld lässt er sich trotzdem weiterhin vom Park In verwalten, da es ihm sehr helfe es gut einzuteilen.

…Schlüsselkind…

Ein anderer erklärte mir, dass er als Kind ein sogenanntes „Schlüsselkind“ gewesen sei, was so viel bedeutet, dass er sich quasi selbst versorgt hat und eben alleine als Kind mit dem Schlüssel nach Hause kam und dann bereits mit 13 Jahren mit dem Alkohol anfing. Erst war es ‚nur’ Bier und danach kam harter Alkohol dazu. Seine Tage verbrachte er im Park mit Trinken.

… als junge Frau auf der Straße gelandet…

Eine Frau erzählte mir wie sie als Minderjährige von ihren Eltern abhaute und in Berlin sich einer Gruppe obdachloser Jugendlicher anschloss. Sie waren eine Gruppe von ca. 15 Personen, die alle zwischen 16 und 22 waren. Sie beschrieb die Gruppe als freundliche und aufgeschlossene ‚Punks‘. Später, als sie mit 20 schwanger wurde, begab sie sich in ihrer Heimat in ein Frauenhaus, in dem sie sich jedoch nicht wohlfühlte. So erzählte sie mir, dass sie das Gefühl hatte, dass die eine Sozialarbeiterin bei ihr, aber auch bei anderen Frauen, sehr dahinter gewesen sei, dass sie das Sorgerecht für ihre Kinder verloren. Nun wohnt das Kind bei den Eltern der Frau und ist nach eigenen Angaben der einzige Grund weshalb sie ihre Eltern überhaupt noch sehen würde.

…von den Eltern auf die Straße gesetzt…

Bei der Stadtführung mit einem der Hinz & Künztler ist mir eine Geschichte besonders im Kopf geblieben. So erzählte der Mann, wie er während seiner Heroinabhängigkeit bei seinen Eltern wohnte und die alles für ihn taten. Als diese einen Therapeuten fragten, wie sie ihrem Sohn aus der Sucht helfen könnten, antwortete dieser „Sie müssen ihn rauswerfen“, denn sie machten sich Co-abhängig und unterstützen ihren Sohn so sozusagen in seiner Sucht. Dies zu hören war ganz schön hart und unterstrich nochmal, dass Hilfe zwar angeboten werden kann, aber die Veränderung von der Person kommen muss. Der Wille und die Motivation müssen von der betroffenen Person kommen, so schwer dies auch zu akzeptieren ist.

Hilfe zur Selbsthilfe – das Konzept des Park-In

Diesen Ansatz befolgt auch das Park-In, das eben Hilfe zur Selbsthilfe anbietet und beispielsweise die Menschen auf der Straße für eine warme Mahlzeit und eine Duschmöglichkeit ins Park-In fährt, statt ihnen alles direkt an die Platte zu bringen, wodurch sie in den meisten Fällen eben nicht mit ihrer Alkoholsucht oder Ähnlichem konfrontiert werden. Auch die Aussicht darauf am Ende des Monats noch Geld übrig zu haben und sich eben dieses im Park-In wöchentlich auszahlen zu lassen, ist für viele ein Anreiz mit in die Einrichtung zu kommen. In der Einrichtung werden sie dann erstmal mit dem Notwendigen versorgt, dazu gehört auch oft der Besuch bei der Ärztin des Park-Ins und darauffolgend wird den Personen eben auch ein Beratungsangebot präsentiert. Meist suchen sich die Klienten ihren Ansprechpartner selbst aus. Dabei ist es vom Vorteil, dass die Sozialarbeiter ziemlich unterschiedlich sind und die Klienten eben schauen können bei wem sie sich wohl fühlen. Bei dem Straßeneinsatz, zu dem ich mitgehen durfte, habe ich schnell gemerkt, dass die beiden Sozialarbeiter, mit denen ich unterwegs war, die Szene gut kennen und am Hauptbahnhof von einigen Obdachlosen begrüßt wurden. Da ich angekündigt war, kamen auch ein, zwei Personen zu mir und stellten sich mir vor. Der eine Mann war sehr selbstsicher und wirkte wie ein sehr beschäftigter Mann. Auch schien er jeden zu kennen und wurde von den Sozialarbeitern „Bürgermeister“ genannt, was ich als sehr passend empfand.

Die eigenen Grenzen sind entscheidend

Im Gespräch mit den Sozialarbeitern hat mir dabei sehr gefallen, wie sie zu der eigenen Arbeit stehen und auch darauf achten eben ihre eigenen Grenzen zu beachten, aber auch die der anderen. So fühlt sich der eine mit einer Aufgabe wohler als der andere und das so zu akzeptieren und zu respektieren ist enorm wichtig.

Ich selbst muss eben genau dies auch bei meiner Arbeit verstehen. So habe ich gemerkt, dass je mehr Menschen dich kennenlernen, desto mehr wollen deine Zeit, und du kannst nicht allen gerecht werden und musst dich wohl oder übel auch abgrenzen.

Plakatbasteln am Frauentag

Umso schöner fand ich es dann, als ich mal zur Abwechslung am Dienstag beim Frauentag in der Einrichtung war und so mit viel weniger Leuten zu tun hatte. Wir saßen alle zusammen am Tisch und bastelten. Eine Besucherin der Einrichtung hatte das Bastelprojekt ins Leben gerufen und erzählte mir, wie sie anfangs eigentlich immer alleine am Basteltisch saß und es mehrerer Anläufe bedurfte, um wirklich die anderen Frauen dazu zu motivieren. Dadurch, dass ich meine kleine Audiobox dabeihatte, da wir ursprünglich vor hatten zu tanzen, konnte ich während dem Basteln Musik abspielen, was zu einer sehr ausgelassenen und lustigen Stimmung geführt hat. Ich war auch sehr froh, dass ich die Frau, die neben mir saß, motivieren konnte ein Plakat anzufertigen, auf dem für das Tanzen in zwei Wochen geworben wurde. Normalerweise wirkte sie auf mich sehr selbstsicher und doch in dem Zweiergespräch merkte ich wie unsicher sie war und wie wenig sie sich zutraute. Als sie jedoch ihr fertiges Resultat sah, war sie sehr zufrieden, und das machte mich dann wiederum froh. An dem Tag bin ich ziemlich zufrieden nach Hause gegangen und nicht wie so oft mit einem schweren Gefühl im Magen.

Ich fand es sehr entspannt, dass ich etwas Handwerkliches machen konnte, während ich mit den Frauen dasaß und würde meine ehrenamtliche Arbeit auch gerne weiterhin mit einer aktiven Tätigkeit verbinden.

Die Arbeit lässt mich jedes Mal mit vielen Gedanken zurück.

Die Arbeit im Park-In lässt mich jedes Mal mit vielen Gedanken zurück. Eigentlich, von außen betrachtet, sitze ich den Mittwoch an verschiedenen Tischen der Einrichtung und unterhalte mich mit verschiedenen Menschen. Oftmals zweifle ich da auch an meiner Legitimierung und war sehr dankbar, als mir eine der Sozialarbeiterinnen sagte, dass meine Rolle als Zuhörerin gebraucht ist.

In einem Gespräch mit einem der Besucher verstand ich was damit gemeint war: Er erzählte mir, wie er seine Tätigkeit verlor und kurz darauf seine Zwillingsschwester starb und darauf die Einsamkeit folgte, was wiederum den Alkoholkonsum mit sich brachte, der sich jedoch auch bereits vorher angebahnt hatte. Auch in der Einrichtung sitzt er meistens alleine am Tisch und vergräbt sich hinter einer Zeitung. Er war sichtlich betrübt, als wir über seine andere Schwester sprachen, zu der er keinen so engen Kontakt hat und die er nicht so oft sieht, wie er es gerne würde. Allgemein scheint er nicht viele enge soziale Kontakte zu haben, mit denen er beispielsweise im Alltag plaudern könnte oder mit denen er was unternehmen würde.

Ein anderer sagte mir, dass das Problem nach dem Entzug in einer Klinik der zurückkehrende Alltag wäre. So ist man selbst vielleicht trocken, jedoch das Umfeld ist gleichgeblieben. Gleichzeitig erzählte mir der andere Mann jedoch auch, dass es genau der Alkoholkonsum war, der seine damalige Freundin, die er in der Klink kennengelernt hatte, dazu veranlasst hatte sich von ihm zu trennen. Sie wollte trocken bleiben, und er griff wieder zur Flasche. Es findet also durch den Alkoholkonsum eine Isolation statt und ein nicht mehr einschätzen können, was die anderen von einem halten.

Umso schöner war es dann zu sehen, wie bei der Weihnachtsfeier ein schönes Beieinander herrschte. Das Programm bestand aus gemeinsam gesungenen Liedern, Sketches und Geschichten. Einer der Sozialarbeiter hielt auch eine kurze Andacht. Das Highlight war aber, als ein Mann, den alle nur Mütze nennen, zusammen mit dem Sozialarbeiter Robert Weihnachtslieder anstimmte und die Stimmung im ganzen Raum hob. Mützes energiegeladene Performance, mit Luftgitarre und Weihnachtsmannanzug, stahl dem weiteren Programm die Show. Die liebevoll dekorierten Tische und die leuchtenden Kerzen sorgten für eine kuschelige Stimmung. Ein Teil der Sozialarbeiter waren so lieb und posierten für mich vor dem aufgestellten Weihnachtsbaum.

“Die Geschichte des Mannes hätte aus einem Film stammen können…”

Letzte Woche habe ich am Montag bei der Essensvergabe der Alimaus geholfen und am Mittwoch die Einrichtung ‘Park In’ in Billstedt kennengelernt. An beiden Tagen ging die Zeit sehr schnell vorbei. So erinnerte die Arbeit bei der Alimaus sehr an frühere Gastro-Jobs, und im ‘Park In’ hatte ich viel mehr die Möglichkeit mit den Betroffenen zu sprechen.

Zu Anfang haben die Mitarbeiter des ‘Park In’ mir erstmal die Tätigkeiten und die Geschichte der Einrichtung erklärt, was mir sehr geholfen hat, die Atmosphäre und Arbeit der Einrichtung zu verstehen. Mir wurden anschließend alle Räume gezeigt, wie die Kleiderkammer, der Aufenthaltsraum und die einzelnen Büros der Sozialarbeiter. Der Mitarbeiter, der mich rumgeführt hatte, musste dann weg und ich bin zurück in den Aufenthaltsraum. Zuerst war ich ein wenig unschlüssig, was jetzt zu tun war.

Es saßen bereits einige Klienten der Einrichtung an den Tischen und unterhielten sich untereinander. Einige andere ehrenamtliche Mitarbeiter standen hinter der Theke und gaben Tassen mit Kaffee an die Besucher aus. Einer der Besucher, den ich bereits zuvor nach dem Weg gefragt hatte, fing das Gespräch dann mit mir an und so kam ich auch mit anderen ins Gespräch. Bei dem einen Herrn saß ich relativ lang und hörte mir seine Geschichte an, die er mir sehr bereitwillig erzählte. Die Geschichte des Mannes hätte aus einem Film stammen können und seine Selbstreflektion bewunderte ich.

Die Frage, die ich mir dabei stelle, ist, was genau ich nun teilen möchte. Die einzelnen Geschichten der Menschen und wie sie in die Obdachlosigkeit rutschten oder eine Beschreibung der Arbeit mit diesen Menschen? Da bereits viele Geschichten von Menschen beispielsweise in der Hinz und Kunzt zu lesen sind, denke ich, wäre es sinnvoller, die eigene Arbeit mehr zu thematisieren. Ich denke, für die nächsten Wochen wird eine der Herausforderungen für mich sein, zu verstehen, was ich genau als Aufgaben haben werde und wie ich mich am besten in der Einrichtung einbringen kann. Beispielsweise zu verstehen, welche der Besucher gerade Lust auf ein Gespräch haben und welche lieber alleine gelassen werden wollen, aber auch wie ich den anderen Ehrenamtlichen unter die Arme greifen kann etc.

Berührungsängste abbauen, Begegnung schaffen

Von Anfang war mir klar, dass ich mich gerne in meiner Nachbarschaft, Billstedt, sozial engagieren möchte. Nachdem ich erst eine andere soziale Einrichtung anfragte, wurde ich weitergeleitet zum Park-IN. Das Park-IN beschäftigt sich mit alkoholerkrankten Menschen, unter denen sehr viele auch wohnungs- und obdachlos sind.

Neben Essens- und Kleiderausgabe gibt es auch Teams aus der Einrichtung, die aktiv auf die Straße gehen und die Menschen einladen in die Einrichtung zu kommen. An mir selbst konnte ich beobachten, dass mir genau dieser Zugang fehlt, und dass ich in der Vergangenheit vor allem mit nüchternen oder wenig angetrunkenen Obdachlosen Kontakt aufgenommen habe. Diese Hemmung würde ich gerne in der Arbeit im Park-IN ablegen können und den “richtigen” oder einen “besseren” Umgang mit alkohlerkrankten Menschen erlernen.

Mein Ziel ist es dieses Wissen mit anderen Menschen zu teilen, die vielleicht ähnliche Hemmungen oder Ängste haben, aber auch eigentlich helfen wollen. Neben Gesprächen mit Freunden und Familie, möchte ich dies durch das Teilen meiner Blogeinträge über soziale Kanäle erreichen. Auch würde ich meine Schwester fragen, ob ich einen Gastauftritt in ihrem YouTube Kanal bekommen könnte, um noch mehr Leute zu erreichen. Ich erhoffe mir, dass ich im Park-IN die nötigen “Tools” bekomme, in Form eines Coachings oder einfach durch die aktive Mitarbeit mit geschulten Sozialarbeitern, um wirklich Obdachlosen da zu begegnen, wo sie es brauchen.