Category Archives: Mit Kindern über Obdachlosigkeit sprechen

Kita-Projekt: Tag 2 – Einheit 6: Spendenboxen bauen

Einheit 6

Im Atelier versammelt, suchten die Kinder schon nach passenden Materialien für die Spendenbox. Bei 12 Kindern war es nicht so einfach sich auf eine Methode zu einigen, sodass wir 3 Spendenboxen bastelten. Diese Boxen stehen nun im Flur der Kita, mit einer kleinen Ausstellung über das erarbeitete, wo wir hoffentlich fleißig Spenden sammeln können.

 

Kita-Projekt: Tag 2 – Einheit 4 und 5

Einheit 4

Wir saßen in einem Sitzkreis und haben erstmal besprochen, was wir am Tag zuvor gemacht haben. Den Kindern ist besonders in Erinnerung geblieben, dass Obdachlose Menschen in keinem Haus leben, sondern beispielsweise unter einer Brücke oder auf dem Bürgersteig. Ein Kind erzählte noch, dass die Menschen im Winter erfrieren können und dann sterben.

Um den Kindern den Unterschied zwischen Obdachlos und Wohnungslos zu zeigen, habe ich ein Spiel mir ausgedacht. Jedes Kind erhielt ein Seil, womit es sich in der Halle einen Kreis legen sollte. Dieser Kreis sollte das eigene Zuhause darstellen. Ich trommelte auf einer Trommel und währenddessen liefen die Kinder in der Halle herum. Wenn ich aufhörte zu trommeln, liefen alle schnell in ihr Zuhause zurück. Das Kind, welches als letztes ins Zuhause gelange, verlor sein Haus. Es war somit wohnungslos. Das Kind durfte jedoch noch weiterspielen, wenn es jemanden gefunden hat, bei dem es mit ins Haus einziehen durfte. Ein Mädchen war sehr nett und hatte am Ende fünf Mitbewohner. Andere Kinder ließen keinen bei sich einziehen. Als das Haus des Mädchens verlor, waren nun 6 Kinder von 10 wohnungslos. Die Kinder mit Haus wollten jedoch nicht, dass diese 6 Kinder bei sich ins Haus kommen, sodass ich das Spiel an dem Punkt abbrach. Die Kinder setzten sich wieder in den Kreis und eine große Diskussion, wer jetzt gewonnen hat, begann. Ich sagte zu den Kindern, dass das Mädchen, die fünf Kinder bei sich einziehen ließ, die Gewinnerin ist. Dadurch kam es zu großer Aufregung, weil andere Kinder ihr Haus doch noch hatten und diese eher gewonnen hätten. Ich fragte die Kinder „Wie war es, als du dein Haus verloren hast?“ und die betroffenen Kinder sagten, dass es total doof gewesen sei. „Wie war es denn, als du bei jemand anderen einziehen durftest?“ – „Schön.“ Dann wendete ich mich an die Kinder, die noch ihre Häuser hatten. „Warum habt ihr niemanden bei euch einziehen lassen?“ – „Weil ich mein Haus nicht durch jemand anderes verlieren wollte.“ (Die Regel war, dass egal wer und wie viele in einem Haus wohnen, alle das Haus verlieren, wenn einer zuletzt ins Haus läuft.) Daraufhin erklärte ich meine Intention des Spiels und erläuterte den Kindern, dass es Menschen gibt, die gar kein Zuhause haben und Menschen, die bei anderen wohnen oder in unterschiedlichen Institutionen unterkommen können und dann wohnungslos sind.

Einheit 5

In der Halle waren drei Smileys aufgehangen. Ein Smiley mit einem fröhlichen Gesicht, einer mit einem „Geht so“- Gesicht und ein unglücklicher Smiley. Die Kinder hatten die Aufgabe zu dem jeweiligen Smiley zu laufen, dessen Gefühl sie bei gewissen Situationen, die ich vorlas, haben. Folgende Sätze kamen in dem Spiel vor:

Ich wurde gefragt, ob ich mitspielen möchte, als ich gerade niemanden zum Spielen hatte.

Ich gehe morgen zum Zahnarzt.

Meine Mutter hat mit mir geschimpft.

Mir wird eine gute Nacht Geschichte vorgelesen.

Ich durfte Limonade trinken.

Ich habe mich am Knie verletzt.

Ich habe ein neues Spielzeug geschenkt bekommen.

Meine Freundin sagt, ich kann nicht gut malen.

Mein Vater hat mir etwas vom Bäcker mitgebacht.

Ich habe eine Geburtstagseinladung bekommen.

Mein Nachbar hat mich angeschrien, dass ich leise sein soll.

Ich habe meine Mama im Supermarkt aus den Augen verloren und eine fremde Frau hilft mir suchen.

Ich wurde von zwei Kindern ausgelacht.

Mir wurde mein Spielzeug kaputt gemacht.

Mir hat der Postbote „Hallo“ gesagt.

Meine Freunde lassen mich nicht mitspielen.

Danach setzten wir uns zurück in den Kreis. Die Kinder waren sehr begeistert von dem Spiel und hätten am liebsten noch weitergespielt. Fast immer waren sich die Kinder einig, welches Gefühl, welcher Satz auslöst. Ich pickte mir manche Sätze heraus und versuchte die Situation auf das Thema Obdachlosigkeit anzuwenden. Beispiel: „Meine Freunde lassen mich nicht mitspielen“ – „Was glaubt ihr, wie sich ein Mensch fühlt, der am Straßenrand sitzt und alle Menschen gehen an ihm vorbei und beachten ihn nicht?“ oder „Zwei Kinder haben mich ausgelacht“ – „Was glaubt ihr, wie fühlt man sich, wenn man da sitzt und man merkt, dass Menschen einen anstarren oder über einen reden?“ Die Kinder konnten sich somit sehr gut in eine solche Situation hineinversetzten. Danach kam ich zu der Frage, wie wir solchen Menschen helfen könnten. Die Kinder hatten einige Ideen, wie z.B. das wir ihnen Geld geben können, ihnen Essen kaufen könnten, sie bei sich Zuhause einziehen lassen oder Box, wo man Sachen für sie rein tun kann etc.

Ich ging auf den Aspekt der Box ein und fragte die Kinder, was Obdachlose gebrauchen könnten. „Geld, Essen, Trinken, Decke, Klopapier, Kekse, Zahnbürste usw.“, waren einige Ideen dazu. Letztendlich einigten wir uns auf Hygieneartikel.

Kita-Projekt: Tag 1 und Buch: “Ein mittelschönes Leben”

Einheit 3

Nach einer kleinen Snackpause versammelten sich alle vor mir und ich stellte ihnen das Buch „Ein mittelschönes Leben“ vor, wo es sich um einen Mann handelt, der Obdachlos wird. Das beginnt mit dem Satz: „Früher war der Mann auch mal ein Kind, das ist ja logisch. Jeder war ja früher mal ein Kind.“ …Die Kinder lauschten der Geschichte. Als ich fertig war, fragte ich die Kinder: „Warum ist der Mann obdachlos geworden?“ Die Kinder sagten: „, Weil er kein Geld mehr hatte und seine Wohnung nicht mehr bezahlen konnte.“ Ein Kind überlegte sich schon Lösungsvorschläge für den Mann, „Er könnte sich doch ein Zelt kaufen oder in seinem Auto schlafen?“ „Aber er hat doch gar kein Geld, wie soll er sich das kaufen?“ sagte ein anderes Kind. Wir unterhielten uns noch kurz darüber, wie Menschen die Obdachlos sind, Geld bekommen und dank vermehrter Unruhe beendete ich das Thema für diesen Tag.

Fazit des Tages

Die Kinder waren hauptsächlich sehr interessiert und aufmerksam bei der Sache. Die Bilder sich gegenseitig vorzustellen, kam bei fast allen gut an. Dadurch wollte ich den Kindern erstmal einen Begriff vom eigenen Zuhause verschaffen. Was es bedeutet ein Zuhause zu haben, um dann auf das Thema Obdachlosigkeit zu kommen, wo die Kinder sehen können, was vielleicht wirklich wichtig ist, im eigenen Zuhause. Das Thema Obdachlosigkeit ist sehr schwierig für diese Kinder zu greifen. Alkoholismus, Drogen und ähnliches habe ich bewusst in dem Projekt ausgeklammert, da die Kinder davon noch keinen Begriff haben. Die Erkenntnis, dass man für fast alles im Leben Geld benötigt und wenn man kein Geld hat, sich auch nichts kaufen kann, ist leichter zu verstehen für Kinder in dem Alter. Dafür war das Buch „Ein mittelschönes Leben“ sehr passend.

Hier noch ein Link zu dem Buch:

(https://www.einmittelschoenesleben.de/)

Kita-Projekt: Tag 1 – Einheit 1 und 2

Einheit 1

Zum Einstieg in das Projekt saß ich mit den Kindern in einem Stuhlkreis. Die Kinder hatten über das Wochenende die Aufgabe drei Bilder zu malen, die ich mit den Kindern nacheinander besprochen habe.

Mein Zuhause

Jedes Kind hat ein Bild von seinem Zuhause gemalt. Zu Beginn pinnte immer ein Kind sein Bild an eine Magnetwand und stellte das Bild vor. Ich stellte ein paar Fragen, um mehr über das Zuhause zu erfahren. Die Bilder waren alle sehr unterschiedlich. Ein Kind hat versucht jeden Raum zu malen, ein anderes hat nur sein eigenes Zimmer gemalt. Manche Kinder wollten ihre Bilder nicht zeigen, sodass wir deswegen ein Frage-Aufsteh-Spiel spielten, wo ich den Kindern eine Frage stellte über ihr Zuhause und wer diese mit „Ja“ beantworten konnte, stellte sich in die Mitte unseres Kreises. Manche Kinder hatten mehrere Badezimmer, andere nur eins. Bei einigen Kindern gibt es keinen Tisch in der Küche, sondern in einem Esszimmer. Einige Kinder teilen sich ihre Zimmer mit ihren Geschwistern und andere haben ein Zimmer für sich allein. Viele schlafen in einem Hochbett, andere gehen auch gerne mal zu ihren Eltern ins Bett. Die meisten haben keinen Garten, aber dafür einen Balkon. Kein Kind lebt in einem Haus allein mit der eigenen Familie, alle wohnen in einem Mehrfamilienhaus.

Danach gingen wir zum zweiten Bild über.

Was mir besonders wichtig ist

Da waren sich eigentlich alle Kinder einig, dass ihre Spielsachen besonders wichtig sind. Einem Mädchen war ihr Garten sehr wichtig und die Spielgeräte dort drin. Haustiere kamen auch auf die Liste von Wichtigkeit. Im Anschluss daran, wollte ich von den Kindern wissen, auf was sie verzichten könnten in ihrem Zuhause. Ein Mädchen sagte, dass sie ihre Pixi-Bücher nicht unbedingt mehr braucht. Alle anderen hatten keine Antwort darauf und fanden alles wichtig, was sie Zuhause haben.

Danach schauten wir auf das dritte Bild.

Welche Menschen sind mir besonders wichtig?

Dafür war die Aufgabe, für jede Person, die einem wichtig ist, ein Kind in den Kreis zu bitten, damit man am Ende zählen kann, wie viele Menschen einem wichtig sind. Diese Aufgabe war für die Kinder etwas zu abstrakt, da sie sich beispielsweise weigerten die Oma oder den Opa zu repräsentieren, sodass ich mit dieser Methode schnell zu einem Ende kam und das Frage-Aufsteh-Spiel wieder anwendete. Alle Kinder fanden ihre Mutter, ihren Vater und ihre Geschwister am wichtigsten. Omas, Opas, Tanten und Onkel folgten dicht danach. Auch Freunde haben bei einigen eine sehr große Bedeutung.

Einheit 2

Ich legte eine große Pappe in die Mitte des Stuhlkreises. Darauf kamen Decken und Kissen. Ich meinte zu den Kindern: „So könnte das Zuhause von einem obdachlosen Menschen aussehen. Die Kinder schauten darauf. Ich hatte zwei Bilder von Obdachlosen Personen ausgedruckt und reichte sie an die Kinder, sodass sie sich diese anschauen konnten. Zuerst blieb dies meinerseits kommentarlos, da ich schauen wollte, wie die Reaktionen der Kinder sind. Die Kinder waren sehr ruhig und schauten sich sehr aufmerksam die Bilder an. Ein Kind fing an zu fragen: „Wo schläft der Mann?“ Ich antwortete: „Dieser Mensch ist obdachlos und hat kein Zuhause und schläft deswegen auf der Straße.“ Das Kind war sehr erschrocken und sagte: „Auf der Straße? Das ist doch gefährlich, da kann der überfahren werden.“ Ein anderes Kind erklärte: „Die wohnen auf der Straße, heißt, dass sie nicht in einem Haus wohnen. Bei mir in der Nähe wohnen auch obdachlose Menschen, aber die machen da immer ganz schön viel Müll und es stinkt da, weil die da auch hinmachen.“ Ich fragte die Kinder: „Wo glaubt ihr ist denn deren Toilette?“ Ein Kind sagte: „Die haben keine.“ Und ich fragte: „Also, wo sollen die sonst hinmachen, wenn sie keine Toilette haben?“ „Ins Gebüsch,“ war die Antwort darauf. „Aber war bei den Obdachlosen ein Gebüsch in der Nähe?“ fragte ich. „Nein,“ sagte das Kind. „Wo können die Menschen denn duschen gehen, damit sie nicht mehr unangenehm riechen?“ fragte ich. Darauf hatten die Kinder keine Antwort. Die Kinder fingen darüber an zu diskutieren. Haben die Menschen auch eine Mama? Gibt es obdachlose Kinder? Dürfen obdachlose Eltern ihre Kinder besuchen? Waren obdachlose Menschen auch mal Kinder? … Es entstanden ganz schön viele Fragen, die ich versuchte, den Kindern zu erklären. Die Frage, wo die Mama von obdachlosen Menschen sei und ob diese betroffenen Personen auch mal ein Kind waren, schenkte mir eine passende Überleitung zur nächsten Einheit.

Es geht los… die Eltern werden informiert.

Projekt vom 11. – 12.06.2019

Liebe Feuerwachen Eltern,

Im Rahmen eines Uni-Seminares namens „Hamburg für alle – aber wie?“ zum Thema Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit bereite ich ein Projekt für Kinder vor. Mir ist bewusst, dass es sich um ein sehr sensibles und komplexes Thema handelt. Meine Aufgabe ist es, mit den Kindern einen altersgerechten Zugang zu dem Thema zu entwickeln.

Da ich mich im Elementarbereich der Kita Feuerwache nach wie vor sehr „heimisch“ fühle, habe ich mit meiner Dozentin abgesprochen, dieses Uniprojekt hier umzusetzen. Teilnehmen können 12 Kinder.
Neben den Findus Kindern können noch einige Kinder teilnehmen, die mir aus meiner Arbeit als Ele Erzieherin vertraut sind.

Was erwartet euer Kind?

Als Einstieg möchte damit beginnen, mit den Kindern über ihr eigenes Zuhause zu sprechen. Was gehört zu einem Zuhause dazu? Wie sieht es bei euch Zuhause aus? Was ist euch wichtig in eurem Zuhause und welche Personen gehören dazu? Danach kommt die Überleitung auf die betroffenen Menschen, die kein Zuhause haben. Was sind das für Menschen? Warum haben sie kein Zuhause und wie ist es dazu gekommen? Innerhalb des Projektes möchte ich mit euren Kindern erarbeiten, was man tun kann, um diesen Menschen zu helfen und wie man mit diesen Menschen umgeht.

Das Projekt findet im Rahmen der Kita Angebotszeit an den beiden Tagen (11 und 12. Juni) von 9.30 bis 13.00/letzte Essensgruppe statt.

Ich freue mich sehr, wenn euer Kind teilnehmen kann. Bitte schickt eine Rückmeldung an Birgit.

Beste Grüße

Mira Lou