Category Archives: Kleiderkammer St. Georg 2019

Geschichten einer Kleiderkammer

1 | Die Tür geht auf, eine Familie kommt herein.

Ein Kleinkind, ein vielleicht 8-jähriger Junge, Mutter, Vater. Der Junge übersetzt.

Mit Hilfe des Jungen und der beiden Plakate, die mit Bebilderungen auf den Tresen geklebt sind, fangen wir an die Kleidung herauszusuchen.
Wir werden fündig, alle freuen sich.
Sogar für den Jungen lässt sich eine passende Sporthose finden, obwohl es eigentlich nur eine minimale Auswahl an Kinderklamotten im Angebot gibt.
Es ist gut gelaufen. Ausgestattet und gut gelaunt verlässt die Familie den Ausgaberaum.

Der nächste, bitte.
Ein älterer Mann, dem Anschein nach auf der Straße lebend, kommt herein. Continue reading

Kleiderkammer Caritas

Meinem ersten Tag innerhalb meines Ehrenamtes in der Kleiderkammer von Caritas in St. Georg sah ich sehr neugierig entgegen. Von den anderen ehrenamtlich Tätigen hatte ich bereits eine kleine Führung durch die Kleiderkammer bekommen und erfahren, wie die Kleidung sortiert wird und wie die Ausgabe an die Besucher/innen verläuft. Der längliche Raum befindet sich im Keller und ist in mehrere Bereiche aufgeteilt. Hinter dem Tresen sind die Regale und Kleiderstangen in zwei Bereiche unterteilt, einen für Männerkleidung und einen für Frauenkleidung. Im Raum am anderen Ende wird neu angekommene Kleidung gelagert und sortiert. Vor dem Tresen ist ein Bereich, in dem die vorhandenen Schuhe in Regalen aufgestellt sind und sich eine Umkleidekabine befindet. Die einzelnen Besucher/innen kommen hierhin, nachdem sie im Warteraum eine Nummer gezogen haben und der Reihenfolge entsprechend von uns Ehrenamtlichen hineingelassen werden.

Die Besucher/innen, darunter viele Männer, wurden von uns nacheinander in den Raum gelassen, und bekamen von uns Kleidung angeboten, wenn sie bestimmte Kleidungsstücke suchten und danach fragten.
Dass die meisten Besucher/innen Geflüchtete sind bzw. eine andere Muttersprache als Deutsch sprechen, hatte ich in dem Maße zuerst nicht erwartet. Wir Ehrenamtlichen begannen deshalb, unsere Kenntnisse in Englisch, Französisch und Italienisch anzuwenden, so minimal diese auch sein mochten. Gleichzeitig versuchten wir jedoch auch, mit den Besucher/innen Deutsch zu sprechen, wenn uns auffiel, dass sie nicht trauten, Deutsch zu sprechen. Einige der Besucher/innen  stellen sich als sehr wählerisch heraus und nehmen sich viel Zeit, das Passende zu finden, andere nehmen kaum etwas mit, während es wiederum Personen gibt, die fast alles mitnehmen wollen, was sie angeboten bekommen.

Ich denke, dass die Weitergabe von Ressourcen wie Kleidung etwas ist, woran sich unsere Gesellschaft mehr orientieren sollte und sich solche Einrichtungen wie Kleiderkammern sehr lohnen. Bei jungen Menschen meiner Generation ist der Kleiderschrank (und nicht nur der Kleiderschrank) oftmals überfüllt mit Kleidung, die noch dazu keinen funktionalen Zweck hat, sondern angezogen wird, weil sie farblich passt, zum Anlass passt oder gerade im Trend liegt, und wird oftmals als Wegwerfware gehandelt. Im Blick darauf finde ich es schön, wenn es Möglichkeiten gibt, mit diesen Ressourcen Menschen zu unterstützen, die sie wirklich nötig haben.