Category Archives: Herz As 2018/19

Marilena, Paula, Jonas, Diyar

Fußball im Lohsepark – Sein ist Wahrgenommenwerden!

Ich möchte einige meiner Erfahrungen und Eindrücke teilen, die ich während meiner Besuche im herz as gemacht bzw. gesammelt habe. Während meiner Arbeitszeiten habe ich mit den Gästen, die die Angebote vom herz as wahrnehmen bzw. nutzen, Fußball gespielt. Gespielt haben wir auf dem Fußballplatz im Lohsepark. Die Anwesenheit ließ am Anfang stark zu wünschen übrig, was aber verständlich war, weil das Wetter im Monat November tendenziell keine geeignete Grundlage erlaubt, um sich draußen sportlich zu betätigen.

Gäste des herz as und Besucher des Lohseparks spielen zusammen.

Fußball im Lohsepark

Angefangen haben zu dritt, doch mit dem Fortschritt der Zeit wurden es immer mehr. Mal waren es Menschen, die tatsächlich das Fußball-Angebot vom herz as wahrnahmen, manchmal aber auch welche, die unabhängig vom herz as auf dem Fußballplatz spielten, auf dem wir waren. In den meisten Fällen verschmolzen wir dann zu einer gemeinsamen Truppe. Nur einmal wurde das Angebot auf gemeinsames Spielen abgelehnt, weil die Mutter der Kinder dachte, wir würden ihre Söhne vom Platz scheuchen. War natürlich nicht der Fall. Wir haben lieb gefragt, ob sie mitspielen wollten. Dann kam die Mutter und schrie uns an. Passiert.

Was bringt ein Fußball-Projekt für Wohnungs- und Obdachlose?

Immer in Bewegung!

Zunächst einmal sei festgestellt, was eigentlich die Sinnhaftigkeit eines solchen Unternehmens, Fußball mit Menschen in Not zu spielen, ist. Denn das sind die meisten, die die Angebote des herz as in Anspruch nehmen. In Not: Obdachlos. Wohnungslos. Arbeitslos. Verarmt. Einsam. Geflüchtet. Ohne Heimat. Die Liste ist endlos. Immer sind es andere Umstände oder Gründe. Und die Frage, ob Fußball da hilft, ist durchaus einleuchtend. Schließlich beschafft körperliche Aktivität dem Wohnungslosen keine Wohnung. Oder Geld.

Aber sie kommt einer Beschäftigungstherapie sehr nahe. Sie erlaubt den Gästen, dass sie Eigenschaften, deren Erwerb sich als sinnvoll herausgestellt hat – ganz egal, ob in der Arbeitswelt oder im Alltag –, auszubilden bzw. zu erlernen, Sozialkompetenz zum Beispiel. Ich erinnere mich daran, dass einer der jüngeren Gäste gesagt hat, er würde kommen, weil er das Fußballspielen dem Videospielen vorziehe. Das trifft den Nagel auf den Kopf und spiegelt ziemlich genau den Zweck des Projekts wider: Leute aus ihren Zimmern holen, ihnen Möglichkeiten und Angebote bieten, ihnen bei der Resozialisierung helfen.

Das Projekt ist viel mehr als nur Fußball.

Die dubiosen neuen Trikots 😀

Und tatsächlich gibt es Leute, die das Angebot regelmäßig nutzten. Ein Teilnehmer hat sich sogar um die Beschaffung neuer Trikots bemüht (s. Foto). Wo er die her hat, hat er nicht verraten. Spielt ja auch keine Rolle. Sicher bleibt: Die partizipierenden Gäste entwickeln manchmal ein Verantwortungsbewusstsein. Er hat das Herz As sogar bei einem Hallenturnier repräsentiert. Das Projekt ist viel mehr als nur Fußball: Es vernetzt Menschen, vermittelt ein Gemeinschaftsgefühl. Es erlaubt ihnen, sich zu verwirklichen. Und erinnert sie eventuell daran, dass man vielleicht mal mit dem Rauchen aufhören sollte! 😀

Ein Lächeln und ein paar gewechselte Worte sind viel wert.

Eine weitere Erkenntnis, die ich allemal geteilt haben möchte, ist eine, die mein künftiges Verhalten gegenüber Menschen in Not betrifft. Ich weiß nun, dass selbst die Aufnahme von Blickkontakt reicht, um zu helfen. Alles hilft. Materielle Mittel wie Geld, aber auch Wertschätzung. Und auch ein Blick ist Wertschätzung. Gespräche. Worte. Ein Lächeln. Ich werde nie vergessen, wie einer der Gäste in einer der Trinkpausen sein Karaoke-Mikrofon rausholte und zu rappen begann.

Crowdfunding-Kampagne für Hochbeete gestartet!

In der Tagesaufenthaltsstätte herz as wollen wir gemeinsam Hochbeete bauen!

Etwas mit den eigenen Händen erschaffen und sich dabei selbst als positiv und produktiv zu erfahren – für Obdachlose leider eine Seltenheit. Wir möchten diese Möglichkeit eröffnen und mit Spaß die oftmals verschütteten Talente der Menschen ans Tageslicht bringen.

Die Beete sollen im Innenhof des herz as errichtet werden. Anschließend kann die Pflege der Beete durch Besucher/-innen, beispielsweise im Rahmen einer Gartengruppe angegangen werden.

FC St. Pauli vs. Union Berlin

Karten für Fußballspiele sind normalerweise ein teurer Spaß – der Fanladen St. Pauli ist allerdings engagiert, um sozialen Einrichtungen wie dem herz as solche Ausflüge kostenlos zu ermöglichen !

25 Freikarten hätten wir gehabt, die Plätze waren schnell vergeben – wir mussten sogar einige Anfragen von Besuchern ablehnen…

Schade war es dann, dass wir letztendlich nur 18 Personen waren. Allerdings  kann dies durchaus an der Kälte gelegen haben, warm war es an diesem Abend wirklich nicht! Noch dazu haben wir uns um 18.30 Uhr bereits getroffen. Bis 22.30 Uhr steht es sich in schlechten Winterjacken nunmal auch nicht sehr kuschelig warm…

Diejenigen, die dabei waren, hatten jedoch einen riesen Spaß und waren hardcore Fußballfans! Da wir am Ende sogar 3:2 gewonnen haben, hat es sich gleich viel mehr gelohnt, so lange in der Kälte auszuharren 😉

Eisstockschießen im Planten & Blomen

Am Mittwoch ging es mit 17 Gästen und (inklusive mir selbst) drei Betreuern des herz as los zum Eisstockschießen.

Die Woche vorher war ich etwas öfter als sonst im herz as, um mit Silke und Ronja die Gäste auszuwählen und kennenzulernen, die ohne Probleme auf einen Ausflug mitgenommen werden können. Es passierte relativ oft, dass mir die beiden zuflüsterten “Die/Den bitte nicht fragen!” – sei es aufgrund von psychischen und/oder Alkoholproblemen…

Auf jeden Fall haben wir uns für 9:00 Uhr morgens am Herz As zum gemeinesamen Frühstück verabredet. Das Spiel begann erst gegen 11:00-11.30 Uhr, womit wir reichlich Zeit eingeplant hatten. Sooo viel war es im Endeffekt dann aber doch nicht! Um halb 10 haben wir noch einmal die Gästeliste durchtelefoniert, wobei wir einige verschlafenen Beteuerungen erhielten, sie seien “on the way!” Gegen 10:00 Uhr waren dann tatsächlich die meisten da und wir konnten gegen 10.30 Uhr aufbrechen.

Nach einer kleinen Einweisung ging es los. Sehr süß waren die anfänglichen Bewegungen von denjenigen, die noch nie auf dem Eis gestanden hatten !

Probleme traten  keine auf. Eine Teilnehmerin, die ich irgendwie ein bisschen aus Versehen eingeladen habe (Verwechslungsgefahr!), ist aus uns unerklärlichen Gründen mittendrin abgerauscht. Später kam dann raus, dass sie sich wohl relativ häufig selbst in der Opfer-Rolle von Konflikten sieht, die eigentlich gar keine sind.

Wir restlichen hatten auf jeden Fall einen riesen Spaß, nur leider war das Ganze eine relativ nass-kalte Angelgenheit. Aber Dank Marcel haben sich meisten einfach schnell ein weiteres Paar an schicken blauen Socken aus Mülltüten gebastelt. Kalt war es zwar trotzdem, immerhin hatte man aber trockene Füße!

Mein Team, bestehend aus Justice, Mr. Ransford, Leo, José, Nina und mir, hat dann sogar mit 5 Punkten Vorsprung gewonnen!

Am nächsten Tag meinte Silke zu mir, dass der Ausflug noch für eine Weile Gesprächsthema im herz as sein wird… zumindest bis zum 04. Februar, da geht’s dann zu St. Pauli ins Millerntor-Stadion !

Eisstockschießen & Heimspiel St. Pauli

Unsere ersten Ausflüge zusammen mit dem Herz As sind in Aussicht!

Im Januar gehen wir alle zusammen zum Eisstockschießen in die Eisarena im Planten und Blomen. Die Mitarbeiter der Eisarena überlassen uns die Bahnen für ca 2 St und geben uns eine kleine Einführung in das Spiel. Wir haben die Möglichkeit uns aus dem Bistro nebenan zu versorgen oder uns selbst um die Verpflegung zu kümmern. Im Gegenzug möchte die Eisarena nur die Erlaubnis, das Ganze medial aufgreifen zu dürfen und ein kleines Dankschreiben o.ä. Wichtig ist uns hier allerdings, dass niemand auf Fotos der Eisarena zu erkennen ist, der dies nicht ausdrücklich gewünscht hat – um eventuelle Kettenreaktionen danach zu vermeiden.

Des weiteren habe ich Kontakt zum Fanladen St. Pauli aufgenommen und siehe da – wir könnten nach der Winterpause im Februar zu dem ersten Heimspiel des  FC St. Pauli. Für die fixe Bestätigung müssen wir allerdings noch abwarten, ob uns jemand vom Herz As zu dem Termin begleiten kann.

Für weitere Veranstaltungen warte ich noch auf Rückmeldungen vom Kampnagel, wir sind allerdings zuversichtlich, dass wir noch einige interessante Ausflüge starten können!

Für die Bienen und die Blumen: Hochbeete aus Paletten

Eines der Projekte wird der Bau und die Begrünung von Hochbeeten sein, die anschließend den Innenhof des Herz As, genauer gesagt die Dachterasse des Haus Jona schmücken werden.

Dort befindet sich bereits ein Bienenstock, angelegt von Andreas, dem Leiter des Herz As.

Seine Meinung als Hobbyimker wird sicher wichtig sein, schließlich sollen die Hochbeete so begrünt werden, das die Bienen dort Nahrung finden und nicht mehr so weit ausschwärmen müssen um sich zu versorgen.

Sobald Materialien (Erde, Kompost/Pferdemist, Gartenfolie, weitere ..) die nötige Infrastruktur zum Bauen (Werkbank, ausreichend Platz zum Bauen, ein sicherer Platz zum Lagern, Werkzeug..) organisiert wurden, soll es losgehen.

Diese werde ich probieren über kostenlose Kanäle wie das Nettwerk oder betterplace.org sowie über Spendenaufrufe zu beschaffen. Da wird sich noch zeigen, wie das klappt.

Der Fokus liegt auf dem Prozess der Konstruktion als bestärkendes Moment für die Besucher*innen des Herz As. Denn diese Menschen besitzen zweifelsohne handwerkliche Fähigkeiten, die sie in ihrer Lage als Wohnungslose aber kaum einbringen können. Durch ein solches Projekt werden im besten Falle verschüttete Fähigkeiten wieder sichtbar gemacht, die Teilnehmer sind in der Lage sich als produktive und gestaltende Subjekte an einem Projekt zu beteiligen.

Zum Ende des Projektes sollen die Teilnehmer*innen stolz auf das von ihnen Geleistete sein und mit einem guten Gefühl die Einrichtung verlassen.

Materiell soll nach dem Projekt eine Infrastruktur stehen, die es in der Zukunft erlaubt dort Blumen oder Gemüse im Rahmen einer Gärtnergruppe anzupflanzen und somit eine weitergehende Beschäftigung mit der Materie erlaubt.

Es ist fraglich, ob wir in der Lage sein werden, die Hochbeete auch noch zu begrünen; zumindest nicht im Rahmen meines universitären Engagements. Denn der Winter steht vor der Tür, traditionell wird ja im Frühjahr gepflanzt.

Ich freu mich drauf, es wird spannend!

Das Herz As & unsere ersten Ideen !

Wir sind Marilena, Jonas, Diyar und Paula von der Uni Hamburg und engagieren uns in diesem Semester freiwillig im Herz As in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs. Das Herz As ist eine Tagesaufenthaltsstätte für Wohnungs- und Obdachlose, in der sie Aufenthalts- und Ruheräume nutzen können. Des Weiteren bietet das Herz As täglich eine warme Mahlzeit an, die gegen einen kleinen Aufpreis herausgegeben wird. Im Rahmen unseres Seminars haben wir 50 Semesterstunden, in denen wir uns verschiedene Projekte überlegen und anschließend mit den Besuchern des Herz As durchführen können.

Andreas Bischke, der Leiter des Herz As, hat als Imker einige Bienenstöcke bereitgestellt, mit dem Plan, den daraus resultierenden Honig zugunsten des Herz As zu verkaufen. Jonas entschloss sich daher dazu, Hochbeete aus Paletten zu bauen und anschließend zu bepflanzen, damit die Bienen in Zukunft durchgehend versorgt sind.

Das Herz As hat bereits eine kleine anwachsende Fußballmannschaft, der sich Diyar sofort angeschlossen hat. Dabei geht es neben dem wöchentlichen Training auch um die Organisation eventueller Fußballturniere, bei denen „die Herz As- Chaoten“ gegen andere Mannschaften aus Hamburg antreten können.

Wir zwei, Marilena und Paula, wollen lieber mehrere kleinere Projekte durchführen. Dazu gehören zum Beispiel Theaterbesuche mit Themen, für die sich eventuell verschiedenste Gäste des Herz As interessieren könnten. Daher möchten wir versuchen, Freikarten des Kampnagel zu ergattern und auch Karten für den öffentlichen Nahverkehr des HVV zu bekommen.

Auch der Kochkurs, der einmal im Monat stattfindet, hat es uns angetan. Hierzu gehört die Planung, das Einkaufen und das gemeinsame Kochen, Essen und anschließendes Aufräumen im Haus Jona.

Auch ein Nähprojekt steht auf dem Plan: Die Idee ist, praktische und auch einfach zu nähende Taschen oder Beutel zusammen mit den Besuchern des Herz As herzustellen, die diese sowohl für sich selbst nutzen als auch verkaufen könnten. Dafür steht im ersten Schritt natürlich die Organisation von Stoffen und allgemein Materialien an, auch werden mehrere Nähmaschinen benötigt.

Da wir zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Projekte durchführen werden, werden die weiteren Beiträge in Zukunft unabhängig und projektabhängig erscheinen.