Category Archives: Essays und Artikel

Kinder-und Jugendobdachlosigkeit in Hamburg

von Natalia Méndez

Deutschland zählt zu den reichsten Ländern der Welt. Hamburg zu den reichsten Städten Deutschlands. Trotzdem müssen laut des Deutschen Jugendinstituts jedes Jahr 37.000 Jugendliche im Alter von einschließlich 26 Jahren auf Deutschlands Straßen leben. Die Hilfsorganisation Off Road Kids, die sich auf Kinder- und Jugendobdachlosigkeit fokussiert, geht davon aus, dass die Obdachlosigkeit der unter 27-Jährigen in drei Jahren auf über 100.000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland steigen wird. Die Diakonie und Caritas schätzen, dass aktuell ungefähr 2.500 Menschen in Hamburg obdachlos sind. Wie viele davon minderjährig sind oder zu den Jugendobdachlosen gehören, ist jedoch unklar. Erwähnenswert ist zudem, dass die Grauziffer hoch ist. Trotzdem ist eindeutig: Die Obdachlosigkeit war in Hamburg noch nie so hoch wie heutzutage. Continue reading

Wohnungslosigkeit in Zeiten von COVID-19

von Sandra Kupilas

Hamburg im Frühjahr 2020. Ein kurzer Blick in die Straßen genügt, um festzustellen, hier stimmt etwas gewaltig nicht. Die Innenstadt wirkt menschenleer. Vereinzelt erhascht man ein paar vorbeiziehende Personen, die sich wohl auf dem Arbeitsweg befinden oder sich nochmals aus der Quarantäne trauen, um sich rasch mit Lebensmitteln einzudecken. Eine entschleunigte und fast gespenstische Atmosphäre hat sich breitgemacht. Der Alltag der Menschen ist lahmgelegt oder auf ein Minimum an Bewegungsfreiheit beschränkt. Das COVID-19-Virus hat den Weg aus dem fernen China recht schnell nach Europa gefunden. Seine Auswirkungen auf das Gesundheitssystem, die Politik und die Weltwirtschaft hat schnell unvorstellbare Dimensionen angenommen und das alltägliche Leben der Hamburger*innen immens eingeschränkt. Mensch muss sich nun in der vorherrschenden „Corona-Krise“ mit neuen politischen Maßnahmen auseinandersetzen, die gegen die Ausbreitung des Virus beschlossen wurden. Maßnahmen wie Social-Distancing, Selbst-Quarantäne und neue Schutz- und Hygieneregeln. Continue reading

„Typen“ weiblicher Wohnungslosigkeit

Frauen wurden lange Zeit in den Forschungsergebnissen der Wohnungslosenhilfe nicht gesondert betrachtet. Es wurde davon ausgegangen, dass Wohnungslosigkeit eher Männer betrifft als Frauen. In den 1970er Jahren änderte sich die Sichtweise. Frauen wurden ebenfalls in die Forschungen aufgenommen, da diese immer mehr in den bereits bestehenden Angeboten und Anlaufstellen für wohnungslose Menschen beobachtet wurden. Teilweise entstanden Einrichtungen und spezielle Angebote nur für Frauen, wie zum Beispiel Frauenhäuser, Tagesaufenthaltsstätten für Frauen usw. (vgl. Lutz/ Sartorius/ Simon 2017, 167). „Heute ist die besondere Lebenslage von wohnungslosen Frauen unbestritten und die Notwendigkeit eines frauenspezifischen Zugangs wird im Hilfesystem anerkannt.“ (Lutz/ Sartorius/ Simon 2017, 167). Dies ist von besonderer Bedeutung, denn die Zahl der wohnungslosen Frauen steigt. Continue reading

Großunterkünfte für obdachlose Menschen in Zeiten einer Pandemie?

„Corona ist schlimm, fördern und wohnen ist schlimmer“
– Zitat eines Nutzers des WNP Friesenstraße, 30.03.2020 –

“Inwiefern ist eine Großunterkunft für obdachlose Menschen – in Zeiten einer Pandemie – menschenrechtlich vertretbar?” habe ich mich gefragt. Und mich entschlossen, diesem Thema meinen Essay zu widmen. „Corona ist schlimm, fördern und wohnen ist schlimmer.“ Nachdem der Nutzer des Winternotprogramms in der Friesenstraße diese Aussage für sich getroffen hatte, verließ er das Winternotprogramm und entschied sich für die Straße. Dieser Mensch hatte Angst, Angst um die eigene Gesundheit. Eine Angst, die viele Menschen zurzeit hegen. Seit Ende Februar beeinflusst die Ausbreitung des Corona Virus das alltägliche und persönliche Leben der Menschen in Hamburg und überall auf der Welt. Eine Vielzahl von Maßnahmen sind erlassen worden und Unmengen von Empfehlungen werden ausgesprochen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

Doch wie soll ich zuhause bleiben, wenn ich kein Zuhause habe? Continue reading

Das Leben kann sich innerhalb von wenigen Minuten ändern.

Das Leben kann sich innerhalb von wenigen Minuten ändern. Plötzlich hat man gar nichts, all das, was noch selbstverständlich erschien, ist jetzt nicht mehr greifbar. Dann stehst du da mit allem und nichts. Überfordert und ratlos, denn sowas ist dir fremd, sowas hättest du nicht erwartet. Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt in deinem Leben, vielleicht wird es mit der Zeit leichter, vielleicht ist nicht für immer.

Ständig begegnen wir Menschen, denen etwas Ähnliches oder genau das gleiche passiert ist. Wir treffen sie auf dem Weg zur Arbeit, auf dem Weg nach Hause zu unseren Familien oder beim Einkaufen, doch nehmen wir ihre Existenz nicht wahr bzw. nur für diesen einen Moment und vergessen sie spätestens an der nächsten Straßenecke wieder. Doch gerade in den kalten Jahreszeiten sollten wir uns mehr mit ihnen beschäftigen, denn es könnte uns allen passieren. Unsere Hand zu reichen und etwas tun, auch wenn es nur eine Spende ist, oder etwas Warmes kaufen, alles wäre mehr als genug. Wir alle kennen die Vorurteile und die Klischees, die Vorwürfe und die Feindseligkeit, die viele an den Tag legen, trotzdem schauen viele lieber weg oder haben Ausreden, weshalb sie nicht helfen können. Wir alle können uns in gewissen Momenten mit denen identifizieren, die aus ihrer Heimat geflohen sind. Aber das sollte sich im vergangenen Winter ändern, denn ich habe mir zu Aufgabe genommen, dieses Milieu besser kennenzulernen, es anzutasten. Continue reading

Von der stationären Jugendhilfe in die Obdachlosigkeit?

von Larissa Reinke

In Deutschland leben nach einer Studie vom DJI schätzungsweise 37.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis einschließlich 26 Jahre auf der Straße oder haben nur kurzfristige Unterschlupfmöglichkeiten. Das sind 37.000 zu viele. Es gibt schon zahlreiche Handlungsempfehlungen zu dieser Problematik, doch sie scheint sich bislang nicht sonderlich zu verbessern.

Obdachlosigkeit: erhöhte Gefahr für Care-Leaver

Auffällig oft wird bei Ausarbeitungen über Straßenkinder und -jugendliche die erhöhte Gefahr für sogenannte Care Leaver angesprochen. Dieser Begriff bezeichnet Kinder und Jugendliche, die in Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe bis vor Kurzem eingegliedert waren oder diese bald verlassen. Man vermutet, dass die Kinder- und Jugendhilfe den Bedarf der Kinder und Jugendlichen nicht ausreichend abdeckt und es nicht schafft, ihre Schützlinge angemessen auf das selbstständige Leben vorzubereiten. Continue reading

Zugang zu medizinisch-gynäkologischen Untersuchungen

von Daria Bieniek

Ich habe mich mit dem Zugang obdachloser Frauen zu medizinisch-gynäkologischen Untersuchungen in Hamburg befasst. Die Frage nach dem medizinischen Zugang ist von besonderer Bedeutung, da dieser grundlegend für präventive, beratende und selbstbestimmende Abläufe im Leben einer Frau ist. Die präventiven Früherkennungen und Kontrolluntersuchungen, z.B. von Brust- und Gebärmutterhalskrebs, können entscheidend sein, um Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen, gegebenenfalls frühzeitig zu behandeln oder gar zu verhindern. Dennoch erschwert sich dieser besonders für obdach-/wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Frauen auf Grund von rechtlichen, psychischen und infrastrukturellen Aspekten.

Durch den Gemeinsamen Bundesausschuss sind Richtlinien über die Nutzung von medizinisch-gynäkologischen Maßnahmen gesetzlich geregelt und festgehalten. Als Beispiel sind Vorsorge- und Kontrolluntersuchungen, Empfängnisregelungen, Mutter- und Schwangerschaft zu nennen. Auch die beratende Funktion von Frauenärzt*innen und der Zugang zu unabhängigen Informationen bei Themen wie Verhütung, Kinderwunsch, Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbruch sind entscheidend, um eine selbstbestimmende Lebensweise in Gesundheit und Sexualität führen zu können. Continue reading

Kinder- und Jugendobdachlosigkeit in Deutschland

von Rick M.

Worum geht es bei diesem Thema genau?

Wenn man über Kinder- und Jugendobdachlosigkeit in Deutschland spricht, geht es um Kinder, Jugendliche, Heranwachsende und junge Erwachsene, die entweder dauerhaft oder nur temporär auf der Straße leben und somit keinen festen Wohnort haben oder in prekären Wohnverhältnissen untergekommen sind. Prekäre Wohnverhältnissen bedeutet, dass die Betroffenen in Zelten, Abrisshäusern o. ä. untergekommen sind. Die Anzahl der jungen Menschen in Deutschland, die kein festes Zuhause haben lässt sich nur schwer ermitteln. Doch Schätzungen zur Folge sind 37.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter 27 Jahren in Deutschland von Wohnungs- und Obdachlosigkeit betroffen (Beierle / Hoch 2017). Dabei wird davon ausgegangen, dass ca. 1/3 obdachlos und die restlichen 2/3 wohnungslos bzw. in prekären Wohnverhältnissen sind. Es ist allerdings anzumerken, dass ca. 30.500 der geschätzten 37.000 Straßenjugendliche bereits das 18. Lebensjahr beendet und somit die Volljährigkeit erreicht haben (ebd. 11). Die restlichen ca. 6.500 Jugendliche sind unter 18 Jahre. Continue reading

Öffentliche Räume als Voraussetzung für ein urbanes Leben

von Isgard Klein

Seit jeher werden die Zentren der großen Städte, sowie Straßen, Parks und Bahnhöfe von verschiedenen Bevölkerungsgruppen unterschiedlich genutzt. Das soziale Verhalten der Nutzer*innen und die gebaute Umwelt stehen in einer engen Beziehung zueinander und beeinflussen sich dementsprechend gegenseitig. Urbane Räume bieten Individuen einerseits die Möglichkeit anonym in der Masse zu verschwinden, aber auch Gleichgesinnte zu treffen und sich mit ihnen und dem Ort zu identifizieren. Durch die unterschiedlichen Vorstellungen von Aneignungsformen der einzelnen Nutzer*innen kommt es jedoch nicht selten zu Konflikten unter und zwischen ihnen. Der öffentliche Raum ist ein umkämpfter Bereich, der in der Theorie für alle zugänglich ist. In der Praxis ist dies jedoch häufig nicht der Fall, da Restriktionen zu einem Ausschluss einzelner Personengruppen aus dem öffentlichen Raum führen.

Der öffentliche Raum ist ein umkämpfter Bereich.

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Fußballtraining im Zentrum für Wohnungslose in Hamburg

von Max  Adler

Durch das Seminar „Hamburg für alle“ hatte ich während des Sommersemesters 2019 die Möglichkeit, mich im Zentrum für Wohnungslose Hamburg zu engagieren und das wöchentlich stattfindende kostenlose Fußballtraining zu unterstützen. Mit der Kunstrasenanlage des Eimsbütteler Turn Verbands (ETV) ist einer der modernsten Sportplätze Hamburgs direkt hinten am Haus angeschlossen. Und da freitagmittags, wenn das für jedermann frei zugängliche Training stattfindet, weder der ETV sein Training abhält noch Ligaspiele stattfinden, sind die beide großen Fußballfelder bis zum späten Nachmittag meist ungenutzt.

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„Hostile Architecture“ in London und Hamburg

von Lara Islinger

Im Juni 2014 trat ein Foto auf Twitter eine Diskussion über die Verdrängung von obdachlosen Menschen von öffentlichen Orten los. Darauf zu sehen sind Metallspitzen, die auf dem Boden vor einem Apartmentkomplex in London angebracht wurden. Das Foto wurde tausende Male in sozialen Netzwerken geteilt, und weltweit berichteten Medien über die „Anti-Homeless Spikes“. Der öffentliche Druck gegen die Verwaltung des Gebäudes wurde so groß, dass die Metallspitzen eine Woche nach Veröffentlichung des Fotos wieder entfernt wurden, die Kontroverse hallte allerdings nach [1]. Denn dies ist bei Weitem nicht der einzige Fall von sogenannter „Hostile Architecture“, und wenn man einmal darauf achtet, findet man in jeder europäischen Großstadt ähnliche Designs. Continue reading

Sie nannten ihn “Moses Überdosis”

von Johann Bilderberg

Als Student bin ich vor allem daran interessiert, zu lernen. Zunächst unterlag ich dem Eindruck, bei der Arbeit mit Obdachlosen ginge es vornehmlich darum, etwas über diese demographische Gruppe zu lernen. Im Endeffekt lernte ich jedoch viel mehr von den Menschen als über sie. Daher wird der Fokus dieses Textes auf den Lektionen liegen, welche ich für mein Leben gewinnen konnte und die nachhaltigen Einfluss darauf nehmen werden.

Die Lady in Schwarz klemmte ihre Pommes to go unter den Arm. Eilenden Schrittes schleppte sie ihre Koffer über den Bahnsteig, ihr blieben drei Minuten bis zur Abfahrt. Continue reading

Prävention: Die beste Intervention

von Lisa Jo Arp

Im Theorieseminar im Sommersemester 2019 wurden viele Bereiche der Wohnungs- und Obdachlosigkeit (WOL) behandelt. Beginnend mit den Ursachen von Wohnungs- und Obdachlosigkeit, über Wohnen als Menschenrecht und den Zusammenhang von Armut und Gesundheit, zur genaueren Betrachtung bestimmter Personengruppen wie Frauen und junge Erwachsene bis hin zu WOL im internationalen Vergleich. Dabei lag der Schwerpunkt nach meinem Empfinden auf der Problematik, die WOL für Individuen, aber auch im System mit sich bringt. Continue reading

Das “Mietübernahme-statt-Räumung-Konzept” – oder einfach “Stay-Konzept”

von Antonia Brandt

Ich lebe seit knapp einem Vierteljahrhundert in Hamburg. Die ersten 18 Jahre meines Lebens wuchs ich in St. Georg auf, Randgruppen jeglicher Art waren für mich völlig normal, Wohnungs- und Obdachlose sowieso. Als das Seminar „Hamburg für alle – aber wie?“ startete, befasste ich mich natürlich mehr mit dem Thema. In dem folgenden Text möchte ich mich mit einigen Gedanken auseinandersetzen, die mich besonders beschäftigen. Continue reading

Eines Tages im Oktober. Auf der Straße. Sitzend.

von Svenja Krümel

Ich sitze auf der Straße. Gegenüber vom Hamburger Hauptbahnhof, bei der Ampel, die zur Spitaler Straße führt. Da an der Ecke sitze ich, auf dem Boden. Weil es zu dieser Jahreszeit kalt und nass ist, lege ich mir eine Pappe auf den Stein. So zieht die Kälte langsamer in meine Glieder. Ich sitze im Schneidersitz und lehne mich an die glatte, kalte Hauswand. Dann fühle ich mich sicherer.

Ich sehe nichts und höre nichts. Ich fühle.

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Soziale Themen in technischen Studiengängen?

von Shamsia, Betül und Seray

Mathe, Mechanik, Thermodynamik – was sich für viele nach wenig Spaß anhört, ist Alltag zahlreicher Studierender an technischen Universitäten. Aufgaben lösen, Vorlesungen besuchen, an Übungen teilnehmen – da bleibt oft kaum Zeit für Hobbys, geschweige denn für ehrenamtliche Tätigkeiten. Die meisten Studierenden verlieren deshalb in vielen Studiengängen den Anschluss an soziales Engagement. Sei es ehrenamtlich in einer sozialen Einrichtung zu arbeiten oder freiwillig für einen Tag dort auszuhelfen, viele Studierende sind davon gedanklich weit entfernt. Der Grund hierfür liegt nicht zuletzt bei den technischen Universitäten, die sich kaum der Thematik widmen. Das Angebot an Kursen und Projekten im sozialen Bereich ist stark begrenzt oder sogar kaum vorhanden. Continue reading

Geschichten einer Kleiderkammer

1 | Die Tür geht auf, eine Familie kommt herein.

Ein Kleinkind, ein vielleicht 8-jähriger Junge, Mutter, Vater. Der Junge übersetzt.

Mit Hilfe des Jungen und der beiden Plakate, die mit Bebilderungen auf den Tresen geklebt sind, fangen wir an die Kleidung herauszusuchen.
Wir werden fündig, alle freuen sich.
Sogar für den Jungen lässt sich eine passende Sporthose finden, obwohl es eigentlich nur eine minimale Auswahl an Kinderklamotten im Angebot gibt.
Es ist gut gelaufen. Ausgestattet und gut gelaunt verlässt die Familie den Ausgaberaum.

Der nächste, bitte.
Ein älterer Mann, dem Anschein nach auf der Straße lebend, kommt herein. Continue reading

#einfachmachen! – Hanseatic Help e.V.

von R.M.

Hanseatic Help e.V. ist ein 2015 gegründeter gemeinnütziger Verein. Nach der Ankunft einer großen Zahl von Geflüchteten in Hamburg, von denen ein Großteil in den Messehallen untergebracht wurde, zeigten viele Hamburgerinnen und Hamburger große Hilfsbereitschaft. Sie spendeten Kleidung, Hygieneartikel und andere Dinge des täglichen Gebrauchs. Nach kurzer Zeit entwickelte sich eine besondere Infrastruktur der Hilfsbereitschaft und des Engagements. Aus einer zunächst selbstorganisierten Spendenkammer in den Messehallen entwickelte sich so Hanseatic Help e.V.. Continue reading

Offene EU?

von Maria Kopf

Ein fiktives Beispiel im realen Europa der Freizügigkeit

John Doe, EU-Staatsbürger freut sich über die offenen Grenzen der EU und möchte diese nutzen. Er entscheidet sich dazu nach Deutschland zu gehen, um dort sein Glück zu versuchen. Um nach Deutschland einzureisen, benötigt er lediglich einen gültigen Reisepass oder Personalausweis. Dabei kann er sich auf das Freizügigkeitsrecht berufen, das besagt, dass jede*r Unionsbürger*in und seine*ihre Familienangehörigen grundsätzlich das Recht haben, sich in der Europäischen Union frei zu bewegen, in jeden anderen Mitgliedstaat einzureisen und sich dort aufzuhalten. Festgeschrieben ist dieses Recht in Artikel 21 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV). Zusätzlich besagt das Recht auch, dass John Doe sich am wirtschaftlichen Markt sowohl selbstständig, als auch unselbstständig betätigen darf. John kann also nach Deutschland einreisen und dort arbeiten. Continue reading

Obdachlosigkeit in Italien

von Pia

Wie alle europäischen Länder, hat Italien mit einer wachsenden Obdachlosigkeit zu kämpfen. Der folgende Text soll einen kurzen Überblick über die aktuelle Lage und neue Entwicklungen in Italien geben. Dabei wird besonders auf eine nationale Statistik zur Obdachlosigkeit eingegangen, die 2015 veröffentlicht wurde. Der zweite Fokus liegt auf einer Diskussion erfreulicher politischer Entwicklungen auf der einen und deutlichen Rückschritten auf der anderen Seite, besonders im Zusammenhang mit dem Umgangs mit Nicht-EU-BürgerInnen.

Italien ist eines der europäischen Länder, in denen es gesetzliche Bestimmungen für den Umgang mit Obdachlosigkeit gibt. Diese gelten für das gesamte Land (vgl. Deutschland: hier sind primär die Bundesländer dafür verantwortlich) und wurden 2015 festgelegt. Continue reading

Hilfesystem für Themen rund um die psychische Gesundheit

von S.R.

Menschen, die auf der Straße leben, könnten besonders oft unter psychischen Problemen und Erkrankungen leiden. Warum ich das denke und wie psychische Erkrankungen überhaupt entstehen, möchte ich euch im Folgenden erklären.

Es gibt zahlreiche Ursachen, die Auslöser für eine psychische Erkrankung oder generell für psychische Probleme sein können. Neben biologischen kann es auch psychosoziale Ursachen geben. Biologische Ursachen liegen meist auch für Fachfremde auf der Hand: Hormone, Botenstoffe und andere Mechanismen im Körper spielen nicht so zusammen, wie es für ein psychisches Wohlbefinden notwendig wäre. Das kann zum Beispiel bei Menstruierenden vor der Regel oder nach einer Geburt stattfinden oder bei Menschen, die eine Schilddrüsenunterfunktion haben und somit der eigene Hormonhaushalt „durcheinander“ ist. Serotonin oder Dopamin werden vielleicht nicht ausreichendem Maße produziert und sorgen für Reizbarkeit, Hoffnungslosigkeit und gedrückte Stimmung. Oder auch ein Mangel von Östrogenen oder Testosteron können bei jedem Geschlecht Auswirkungen auf das psychische Empfinden haben. Solche Stimmungslagen können sich chronifizieren, Denkmuster verfestigen sich und ernstzunehmende psychische Probleme können entstehen. Continue reading

Mein Weg aus der Abhängigkeit

Nicht selten sind die Themen Obdachlosigkeit und Sucht miteinander verbunden. Obdachlosigkeit kann zu Sucht führen, Sucht kann zu Obdachlosigkeit führen. Neben den Angeboten, die Therapieeinrichtungen für suchtkranke Menschen bieten, gibt es anonyme Selbsthilfegruppen für eben jene. Diese Gruppen können auf freiwilliger Basis besucht werden, ganz ohne Anmeldung. Sie sind kostenlos und basieren auf dem Prinzip der Selbsthilfe – die Mitglieder der Gruppen profitieren vom gegenseitigen Erfahrungsaustausch. Die Gruppen finden ambulant statt, es gibt keine Kliniken. Ob viele obdachlose Menschen die Gruppen in Anspruch nehmen, ist nicht bekannt, da die Gruppen anonym sind und keine Statistik geführt wird. Dennoch bieten sie eine gute Möglichkeit, bei drohender Obdachlosigkeit Hilfe zu erfahren: niedrigschwellig und von Menschen, die selbst betroffen waren. Zwei Teilnehmende des Seminars “Hamburg für alle – aber wie?” besuchen regelmäßig eine Selbsthilfegruppe für suchtkranke Menschen und schildern hier ihre Erfahrungen. Continue reading

Die Problematik der öffentlich-rechtlichen Unterbringung von Geflüchteten in Hamburg

von Kevin Hase

Das Thema der Öffentlich-rechtlichen Unterbringung (ÖrU) ist in Hamburg in den letzten Jahren verstärkt in den öffentlichen und politischen Fokus gerückt. Dies hängt in erster Linie mit der hohen Anzahl an aufgenommenen Geflüchteten zusammen, welche 2015 ihren bisherigen Höhepunkt erreichte und dazu führte, dass zahlreiche neue Wohnunterkünfte bereitgestellt werden mussten. Durch die Auslastung des Wohnungsmarkts der Stadt ist die Verweildauer in der ÖrU meist sehr lang. Die Lebenssituation innerhalb von Wohnunterkünften ist dabei oft angespannt. Bewohner*innen leben oft auf engem Raum zusammen, zudem ist der Anteil an psychisch kranken Menschen in der ÖrU sehr hoch. Im Folgenden soll die öffentlich-rechtliche Unterbringung in Hamburg, mit Fokus auf Geflüchtete und vor allem in Bezug auf Wohnbedingungen und psychische Belastungen für die Bewohner*innen, kritisch betrachtet werden. In diese Betrachtung soll ein alternative Konzept zur ÖrU, housing first, kurz mit eingebunden werden, um die Problematik und zeitgleiche Bedeutung öffentlich-rechtlicher Unterbringung zu verdeutlichen und einen Ausblick auf die zukünftige Form der ÖrU zu geben. Continue reading

Psychologie der (nicht) Helfenden in der Obdachlosenhilfe

von Mary-Lou Ploß

Je nachdem, in welcher Ecke von Hamburg man sich rumtreibt, begegnen einem unterschiedlich viele Obdachlose. Kleine Grüppchen, die zusammensitzen in ihren zusammengebastelten Lagern. Bettler, entweder am Straßenrand sitzend oder in der U-Bahn. Einsame Gestalten, die zusammengerollt in einer Ecke liegen. Menschen, die körperlich heruntergekommen sind, sodass man sie nicht ohne ein großes Gefühl an Unwohlsein anschauen kann. Tagtäglich strömen Hunderte Menschen an diesen Gestalten vorbei, ohne ihnen einen Blick zu widmen oder anderweitig Hilfe zu leisten. Dabei ist die Notsituation mehr als deutlich. Jedoch scheint es keinen zu berühren. Obwohl der Obdachlose direkt zwei Meter von einem entfernt deutlich näher ist, als ein Kriegsopfer in Syrien oder Opfer von Naturkatastrophen in einer anderen Ecke der Welt. Es scheint fast so, als sei der Obdachlose unsichtbar und komplett aus der bewussten Wahrnehmung verdrängt. Eher ein Teil des Stadtbildes als ein tatsächlicher Mensch in einer misslichen Lage. Dabei kann jeder in genau so eine Situation reinrutschen. Eine Verkettung ungünstiger Umstände, einfach Pech, eine falsche Entscheidung – und schon ist es geschehen. Woran liegt es also, dass die meisten nicht bereit sind zu helfen? Und wie kann es sein, dass wohlgemeintes Helfen manchmal schadet? Continue reading

Alltag auf der Straße. Ein Einblick

von Klara Walter

Es ist halb zehn in der Früh. Wir sitzen vor dem Rewe auf dem Boden und warten darauf, dass jemand etwas Geld in den Becher vor uns wirft. Die Menschen laufen an uns vorbei. Sie schauen von oben auf uns herab. Wir schauen von unten zu ihnen hoch. Ein Mann bleibt stehen, schmeißt etwas Kleingeld in unseren Becher, wünscht noch einen schönen Tag und geht weiter.

„Das reicht für zwei Bier“, sagt Hansi und verschwindet im Rewe. Jetzt sitze ich alleine hier.

Ein Mann in einem eleganten Anzug geht, mit hektischen Schritten und Blick auf sein Smartphone gerichtet, so nah an mir vorbei, dass er fast den Becher umtritt. Er bemerkt mich gar nicht. Mein Blick wandert zu der Eisdiele gegenüber. Die Leute sitzen an den Tischen davor, lachen, genießen das schöne Wetter und die gemeinsame Zeit mit ihren Freunden. Continue reading

Eine Geschichte vom (Über)sehen

Jeder kleine Schritt kann ein Schritt in die richtige Richtung sein.

von Annemarie Hartig

Regelmäßig fahre ich mit Bus und Bahn, laufe in der Stadt an den Menschen vorbei. Manchmal sitze ich nur da und beobachte die an mir vorbeilaufenden Menschen und die Umgebung. Wenn ich in einem kleinen Wäldchen sitze, wirkt alles so friedlich. Insbesondere, wenn ich die Knie anwinkle, den Oberkörper nach hinten lehnend auf die Arme stütze und dabei in den Himmel blicke. Dann kann ich frei atmen. Niemand, der mich gerade stört. Ich kann meinen Gedanken freien Lauf lassen. Ein Gedanke schweift zum nächsten über und formt schon den nächsten. An solchen Orten habe ich Ruhe. Aber dann gibt es auch noch ganz andere Orte. Orte wie den Hauptbahnhof.

Am Hauptbahnhof ist immer viel los, Menschen wuseln durcheinander und man verliert oft den Überblick. Es sind einfach zu viele Menschen unterwegs, man kann gar nicht alles um sich herum wahrnehmen. Oft ist man selbst auf der Reise und hat keinen Kopf, um die umgebenden Menschen bewusst wahrzunehmen. Oder man ist gestresst und achtet nicht mehr so viel auf die Menschen um einen herum, sondern nur darauf, dass man die eine ganz bestimmte Bahn bekommt. Continue reading

EIN RECHT AUF WOHNEN FÜR ALLE!

von Isgard Klein

Bei dem Slogan EIN RECHT AUF WOHNEN! stellte ich mir zuallererst – und ich denke, dass geht auch euch Lesern so – den Kampf um eine Wohnung, die eigenen vier Wände in einem Mehrfamilienhaus vor. Gerade in der heutigen Wohnungsdebatte wird es immer schwieriger eine bezahlbare Wohnung in einem schönen Stadtteil zu finden. Lange Schlangen bei Wohnungsbesichtigungen, viele WG-Besuche und Wohnungsabsagen… Nur weil man als Studierende/r ein zu geringes Einkommen hat. Der Kampf gegen die Gentrifizierungprozesse in Städten, steigende Mieten und die Privatisierung.

Dass sich dieser Slogan jedoch auf eine andere Ebene übertragen lässt, ist mir erst durch das Containerprojekt der Diakonie Hamburg wirklich bewusstgeworden. In einer Wohnung zu leben, hat für Obdachlose eine ganz andere Bedeutung und Relevanz.

Eine Wohnung ist so viel mehr als nur ein Ort zum Schlafen. Continue reading

Obdachlosigkeit im Kaiserreich und Nationalsozialismus

von Johanna Harder

Seit es Menschen gibt, die in Gesellschaften zusammenleben, ob nun auf dem Land, in Dörfern oder in Städten, gibt es jene, die es schwieriger haben als die anderen. Jene, die kein Dach über dem Kopf haben und die von der Vergangenheit bis heute viele Namen trugen: Obdachlose, Bettler, Landstreicher, Vagabunden, aber auch Asoziale und Arbeitsscheue. All diese Begriffe sind von einem negativen Beiklang geprägt, der auch dazu geeignet ist, die Einstellung der Bevölkerung zu dieser Gruppierung zu beschreiben. Auch wenn man heutzutage in der offiziellen politischen Debatte im Zusammenhang mit Obdachlosen Begriffe wie Arbeitsscheue oder „minderwertige Kranke“ nicht finden wird (außer vielleicht bei manchen extremeren Gruppierungen), hat wohl jeder schon den Begriff Asozialer in Verbindung mit Obdachlosen gehört.

Doch so wie es schon immer Anfeindungen und eine gewisse Distanz zu Obdachlosen gab, so gab es auch immer jene, die bemüht waren, Armen und Obdachlosen das Leben zu erleichtern. Wie konnte es dennoch zu dem während des Nationalsozialismus herrschenden Massenmord an obdachlosen Menschen kommen? Continue reading

Buch-Rezi: Kein Dach über dem Leben – Biografie eines Obdachlosen

von Fabienne Kollien

In seiner Autobiografie erzählt Richard Brox von seinem Leben als Obdachloser. Dabei gewährt er Einblicke in die Höhen und Tiefen seiner Kindheit und Jugend sowie die Abgründe, die er in den drei Jahrzehnten auf der Straße kennengelernt hat. Durch seine Ratgeber-Website mit Tipps und Bewertungen sozialer Anlaufstellen wurde Brox in Deutschland bekannt.

Das Buch beginnt mit Brox’ Rauswurf aus der Wohnung seiner verstorbenen Eltern, deren Inhalt zugleich gepfändet wird. Zu dem Zeitpunkt ist er einundzwanzig Jahre alt, seiner Drogensucht bereits verfallen und steht zum ersten Mal allein auf der Straße, ohne Hab und Gut, ohne Dach über dem Kopf und ohne Angehörige. Von da an schlägt sich Brox als unabhängiger „Berber“, wie er sich selbst bezeichnet, durchs Leben. Auf diesem Weg trifft er auf Menschen, die ihn nur für kurze Zeit begleiten, ihn jedoch dauerhaft prägen. Nach und nach stellt er sich den Erinnerungen an seine frühe Kindheit. Ab einem Alter von fünf Jahren durchlief er eine „Heimkarriere“ und musste immer wieder vor Ausbeutung und sexuellen Übergriffen flüchten. Dazu kam die Beziehung zu seinen Eltern, die von der Nazi-Zeit schwer traumatisiert waren und Brox nicht die Liebe und Zuwendung bieten konnten, nach der er sich als Kind sehnte. Im Laufe des Buches erfährt man, wie sich Brox mit den Jahren aus der Spirale an Gewalterfahrungen befreit und seine Drogensucht zu bekämpfen versucht. Continue reading

Buch-Rezi: Glück und Leid am Bahnhof Zoo

von Fabienne Kollien

In dem Buch “Glück und Leid am Bahnhof Zoo: Ein Leben für die Bahnhofsmission” erzählt Dieter Puhl, der die Bahnhofsmission am bekannten Bahnhof Zoo in Berlin leitet, von skurrilen Begegnungen mit Obdachlosen, von engagierten Helfer*innen und von seiner Überzeugung, selbst dazu beizutragen, dass im Kleinen etwas verändert werden kann. Mit bunten Fotos und einer FAQ-Liste im Anhang an Dieters Erzählungen ist das Buch ansprechend gestaltet und gewährt einen Einblick in die Soziale Arbeit in der Bahnhofsmission, der neugierig macht.

Über obdachlose Menschen sagt Dieter: “Sie kamen nicht im Raumschiff vom Mars, um unsere Städte zu belagern, so aber werden sie oft behandelt, wie Fremde von einem anderen Planeten. Bei keiner anderen Bevölkerungsgruppe wird so schnell von persönlicher Schuld und Verantwortung gesprochen.” Seinen Angaben nach sind in Berlin schätzungsweise 4.000 bis 6.000 Menschen obdachlos. Die Wohnungsnot in Berlin und die stetig wachsende Zahl osteuropäischer Menschen tragen zu dieser Zahl bei. Continue reading

Prostitution in St. Georg

von Fabienne Kollien

Wie hängen Wohnungs- und Obdachlosigkeit von Frauen in Hamburg mit Prostitution zusammen? Und wie gehen Sozialarbeiter/innen mit Betroffenen um? Um das herauszufinden, habe ich Josie, Sozialarbeiterin in der Beratung und Unterstützung von sich prostituierenden Frauen, in ihrer Einrichtung besucht und zu ihrer Arbeit befragt.

Ich erfahre im Gespräch, dass die Einrichtung sehr niedrigschwellig und das gesamte Beratungsangebot kostenlos ist. Die Klientinnen können ohne Termin zu den Öffnungszeiten vorbeikommen und müssen kein konkretes Beratungsanliegen mitbringen. Sie können sich auch einfach in der Einrichtung aufhalten, das Essenangebot nutzen, duschen, Wäsche waschen und sich ihre eigene Postadresse einrichten. Zudem gibt es Kleider- und Essensspenden von der Tafel. Die einzige Zugangsbedingung ist, dass man weiblich ist oder sich dem weiblichen Geschlecht zuordnet und dass man mit Prostitution zu tun hat bzw. hatte. Die Zuordnung zum weiblichen Geschlecht wird deshalb betont, da auch viele Transfrauen vorbeikommen.

Kein Zutritt für Männer

Männer haben keinen Zugang, da viele der Frauen negative Erfahrungen gemacht haben und die Einrichtung einen Schutzraum darstellt. Dadurch, dass es eine anonyme Beratungsstelle ist, besteht auch keine Zusammenarbeit mit der Polizei. Continue reading

Buchrezi: Abseits

von Fabienne Kollien

Der Bildband “ABSEITS: Vom Leben am Rande der Gesellschaft in Hamburgs Mitte” erzählt die Geschichten von Menschen in Hamburg St. Pauli, die von Armut betroffen sind. Susanne Groth und Markus Connemann haben darin dreißig Interviews mit Porträtfotos zusammengestellt von Menschen, die sie im CaFée mit Herz getroffen haben. Das CaFée mit Herz richtet sich mit seinem Angebot an die armen, arbeits- und obdachlosen Menschen auf St. Pauli und versorgt diese mit warmen Mahlzeiten, Kaffee und Kuchen. Es wird von Ehrenamtlichen unter der Leitung von Margot Glunz betrieben. Darüber hinaus sind dort Duschen, eine Kleiderkammer und sogar ein Raum für ärztliche Behandlung vorhanden.

“Die Zukunft gehört denjenigen, die an das Schöne ihrer Träume glauben.”

Mit diesem Zitat werden die Porträts vielversprechend eingeleitet. In den Texten erzählen die Besucher/innen des CaFée mit Herz nicht nur, welche Lebensgeschichte sich hinter ihnen verbirgt und wie sie in ihre gegenwärtige soziale Notlage geraten sind, sondern auch, welche Träume sie haben. Dabei sind manche Erzählungen schonungslos ehrlich und regen zum Nachdenken an. Continue reading

Gesellschaftliche Partizipation und Mitbestimmung für Obdachlose?

Hamburg ist eine reiche und zugleich eine Stadt mit einer immer steigenden sozialen Ungleichheit. So leben 42.000 Millionäre und etwa 285.000 Menschen, die von Armut betroffen sind, in Hamburg (Bischoff & Möller 2017). Besonders von Armut gefährdet sind Menschen mit Migrationshintergrund, Alleinerziehende, Kinder und Jugendliche (ebd.).

Prekäre Arbeitsverhältnisse und Wohnungsknappheit sind weitere Faktoren, die zu Wohnungs- oder Obdachlosigkeit führen können. So sind, laut der Schätzung der Diakonie und der Zeitung Hinz&Kunzt, etwa 2.000 Hamburger*innen obdachlos (Laufer 2017). Hinzu kommen mehr als 3.100 Menschen, die in Übergangswohneinrichtungen leben und somit nicht als obdach-, jedoch als wohnungslos gelten (Diakonie Hamburg 2015). Continue reading