Author Archives: cspring

„Hostile Architecture“ in London und Hamburg

von Lara Islinger

Im Juni 2014 trat ein Foto auf Twitter eine Diskussion über die Verdrängung von obdachlosen Menschen von öffentlichen Orten los. Darauf zu sehen sind Metallspitzen, die auf dem Boden vor einem Apartmentkomplex in London angebracht wurden. Das Foto wurde tausende Male in sozialen Netzwerken geteilt, und weltweit berichteten Medien über die „Anti-Homeless Spikes“. Der öffentliche Druck gegen die Verwaltung des Gebäudes wurde so groß, dass die Metallspitzen eine Woche nach Veröffentlichung des Fotos wieder entfernt wurden, die Kontroverse hallte allerdings nach [1]. Denn dies ist bei Weitem nicht der einzige Fall von sogenannter „Hostile Architecture“, und wenn man einmal darauf achtet, findet man in jeder europäischen Großstadt ähnliche Designs. Continue reading

Sie nannten ihn “Moses Überdosis”

von Johann Bilderberg

Als Student bin ich vor allem daran interessiert, zu lernen. Zunächst unterlag ich dem Eindruck, bei der Arbeit mit Obdachlosen ginge es vornehmlich darum, etwas über diese demographische Gruppe zu lernen. Im Endeffekt lernte ich jedoch viel mehr von den Menschen als über sie. Daher wird der Fokus dieses Textes auf den Lektionen liegen, welche ich für mein Leben gewinnen konnte und die nachhaltigen Einfluss darauf nehmen werden.

Die Lady in Schwarz klemmte ihre Pommes to go unter den Arm. Eilenden Schrittes schleppte sie ihre Koffer über den Bahnsteig, ihr blieben drei Minuten bis zur Abfahrt. Continue reading

Obdachlosigkeit auf dem Campus

Studierende in Frankfurt am MainObdachlose Erstsemester

(Von Ludger Fittkau)

https://www.deutschlandfunkkultur.de/studierende-in-frankfurt-am-main-obdachlose-erstsemester.1001.de.html?dram:article_id=429777

Fred zeltet illegal auf dem Uni-Campus, als er von der Polizei aufgegriffen wird

Die Begegnung veränderte sein Leben – zum Besseren. (Von Johannes Kuhn)

https://www.jetzt.de/netzteil/illegales-campus-camping-macht-obdachlosen-studenten-reich

Zum Auftakt am 15.10.2019

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer!

Vielen Dank für die gemeinsame Auftakt-Sitzung! Im Folgenden bekommt ihr wie besprochen alle für den Moment wichtigen Informationen gebündelt.

Seminartermine

Das Theorieseminar und das Praxisseminar finden abwechselnd im gleichen Zeitfenster statt, sodass bei Interesse die Teilnahme an beiden Lehrveranstaltungen möglich ist. Die Sitzungen liegen jeweils am Dienstag, 14:30-17:30 Uhr.

Im Projektseminar besteht grundsätzlich Anwesenheitspflicht, weil die Sitzungen interaktiv gestaltet sind und der Austausch mit den Kommiliton*innen eine wesentliche Rolle im Gesamtprozess spielt. In begründeten Fällen ist ein Fehlen ausnahmsweise möglich. Bitte gebt der Seminarleitung bei Absenz per Email Bescheid: cornelia.springer@uni-hamburg.de bzw. grasshoff@diakonie-hamburg.de.

Bitte notiert euch die Termine im Wintersemester 2019/20: Continue reading

Auftaktveranstaltung am 15.10.2019

Am Dienstag, 15. Oktober 2019, starten wir ins Wintersemester 2019/20!

Wir freuen uns auf die gemeinsame Auftaktveranstaltung der Teilnehmenden am Theorieseminar (LV-Nr. 50-002) und der Teilnehmenden am Projektseminar (LV-Nr. 50-003).

Wichtig: Es hat eine Raumänderung gegeben. Bitte finden Sie sich bis 14:15 Uhr im Gorch-Fock-Wall 7, Raum C2081 ein.

Bei Fragen melden Sie sich gerne per Email: cornelia.springer@uni-hamburg.de

Herzliche Grüße

Cornelia Springer & Johan Graßhoff

Prävention: Die beste Intervention

von Lisa Jo Arp

Im Theorieseminar im Sommersemester 2019 wurden viele Bereiche der Wohnungs- und Obdachlosigkeit (WOL) behandelt. Beginnend mit den Ursachen von Wohnungs- und Obdachlosigkeit, über Wohnen als Menschenrecht und den Zusammenhang von Armut und Gesundheit, zur genaueren Betrachtung bestimmter Personengruppen wie Frauen und junge Erwachsene bis hin zu WOL im internationalen Vergleich. Dabei lag der Schwerpunkt nach meinem Empfinden auf der Problematik, die WOL für Individuen, aber auch im System mit sich bringt. Continue reading

Das “Mietübernahme-statt-Räumung-Konzept” – oder einfach “Stay-Konzept”

von Antonia Brandt

Ich lebe seit knapp einem Vierteljahrhundert in Hamburg. Die ersten 18 Jahre meines Lebens wuchs ich in St. Georg auf, Randgruppen jeglicher Art waren für mich völlig normal, Wohnungs- und Obdachlose sowieso. Als das Seminar „Hamburg für alle – aber wie?“ startete, befasste ich mich natürlich mehr mit dem Thema. In dem folgenden Text möchte ich mich mit einigen Gedanken auseinandersetzen, die mich besonders beschäftigen. Continue reading

Eines Tages im Oktober. Auf der Straße. Sitzend.

von Svenja Krümel

Ich sitze auf der Straße. Gegenüber vom Hamburger Hauptbahnhof, bei der Ampel, die zur Spitaler Straße führt. Da an der Ecke sitze ich, auf dem Boden. Weil es zu dieser Jahreszeit kalt und nass ist, lege ich mir eine Pappe auf den Stein. So zieht die Kälte langsamer in meine Glieder. Ich sitze im Schneidersitz und lehne mich an die glatte, kalte Hauswand. Dann fühle ich mich sicherer.

Ich sehe nichts und höre nichts. Ich fühle.

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Abschluss Praxis-Seminar 50-002 im Sommersemester

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Praxis-Seminars!

Hoffentlich hattet ihr eine angenehme vorlesungsfreie Zeit. Das Sommersemester ist nun fast vorbei, daher möchte ich noch einmal an den Abschluss des Seminars erinnern. Von den meisten liegen bereits alle Teilleistungen vor:

1) Nachweis über das praktische Engagement in einer Einrichtung
2) Essay oder Bericht zur Veröffentlichung auf dem Blog bzw. Podcast-Episode
2) Abschluss-Fragebogen

Von einigen fehlt derzeit noch etwas. Bitte denkt dran, mir die ausstehenden Teilleistungen noch nachzureichen, damit ich die Credits freigeben kann.

Solltet ihr Unterstützungsbedarf haben, meldet euch gerne jederzeit. Einen beschwingten Sonntag noch und einen guten Start ins neue Semester!

Herzlichen Gruß

Cornelia

Abschluss Theorie-Seminar 08-02.006 im Sommersemester

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Theorie-Seminars!

Hoffentlich hattet ihr eine angenehme vorlesungsfreie Zeit. Das Sommersemester ist nun fast vorbei, daher wollten wir noch einmal an den Abschluss des Seminars erinnern. Von den meisten liegen bereits alle Teilleistungen vor:

1) Referat
2) Essay bzw. Podcast-Episode
2) Abschluss-Fragebogen

Von einigen fehlt aber noch etwas. Bitte denkt dran, uns die ausstehenden Teilleistungen noch nachzureichen, damit wir die Credits freigeben können.

Solltet ihr Unterstützungsbedarf haben, meldet euch gerne jederzeit. Einen beschwingten Sonntag noch und einen guten Start ins neue Semester!

Herzlichen Gruß

Johan & Cornelia

Geschichten einer Kleiderkammer

1 | Die Tür geht auf, eine Familie kommt herein.

Ein Kleinkind, ein vielleicht 8-jähriger Junge, Mutter, Vater. Der Junge übersetzt.

Mit Hilfe des Jungen und der beiden Plakate, die mit Bebilderungen auf den Tresen geklebt sind, fangen wir an die Kleidung herauszusuchen.
Wir werden fündig, alle freuen sich.
Sogar für den Jungen lässt sich eine passende Sporthose finden, obwohl es eigentlich nur eine minimale Auswahl an Kinderklamotten im Angebot gibt.
Es ist gut gelaufen. Ausgestattet und gut gelaunt verlässt die Familie den Ausgaberaum.

Der nächste, bitte.
Ein älterer Mann, dem Anschein nach auf der Straße lebend, kommt herein. Continue reading

#einfachmachen! – Hanseatic Help e.V.

von R.M.

Hanseatic Help e.V. ist ein 2015 gegründeter gemeinnütziger Verein. Nach der Ankunft einer großen Zahl von Geflüchteten in Hamburg, von denen ein Großteil in den Messehallen untergebracht wurde, zeigten viele Hamburgerinnen und Hamburger große Hilfsbereitschaft. Sie spendeten Kleidung, Hygieneartikel und andere Dinge des täglichen Gebrauchs. Nach kurzer Zeit entwickelte sich eine besondere Infrastruktur der Hilfsbereitschaft und des Engagements. Aus einer zunächst selbstorganisierten Spendenkammer in den Messehallen entwickelte sich so Hanseatic Help e.V.. Continue reading

Offene EU?

von Maria Kopf

Ein fiktives Beispiel im realen Europa der Freizügigkeit

John Doe, EU-Staatsbürger freut sich über die offenen Grenzen der EU und möchte diese nutzen. Er entscheidet sich dazu nach Deutschland zu gehen, um dort sein Glück zu versuchen. Um nach Deutschland einzureisen, benötigt er lediglich einen gültigen Reisepass oder Personalausweis. Dabei kann er sich auf das Freizügigkeitsrecht berufen, das besagt, dass jede*r Unionsbürger*in und seine*ihre Familienangehörigen grundsätzlich das Recht haben, sich in der Europäischen Union frei zu bewegen, in jeden anderen Mitgliedstaat einzureisen und sich dort aufzuhalten. Festgeschrieben ist dieses Recht in Artikel 21 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV). Zusätzlich besagt das Recht auch, dass John Doe sich am wirtschaftlichen Markt sowohl selbstständig, als auch unselbstständig betätigen darf. John kann also nach Deutschland einreisen und dort arbeiten. Continue reading

Obdachlosigkeit in Italien

von Pia

Wie alle europäischen Länder, hat Italien mit einer wachsenden Obdachlosigkeit zu kämpfen. Der folgende Text soll einen kurzen Überblick über die aktuelle Lage und neue Entwicklungen in Italien geben. Dabei wird besonders auf eine nationale Statistik zur Obdachlosigkeit eingegangen, die 2015 veröffentlicht wurde. Der zweite Fokus liegt auf einer Diskussion erfreulicher politischer Entwicklungen auf der einen und deutlichen Rückschritten auf der anderen Seite, besonders im Zusammenhang mit dem Umgangs mit Nicht-EU-BürgerInnen.

Italien ist eines der europäischen Länder, in denen es gesetzliche Bestimmungen für den Umgang mit Obdachlosigkeit gibt. Diese gelten für das gesamte Land (vgl. Deutschland: hier sind primär die Bundesländer dafür verantwortlich) und wurden 2015 festgelegt. Continue reading

50-003 Projektseminar für Engagierte in der Arbeit mit Wohnungs- und Obdachlosen

Kommentare/ Inhalte:

Die Bekämpfung von sozialer Ungleichheit, Wohnungs- und Obdachlosigkeit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Freiwillig Engagierte können dazu einen Beitrag leisten und Betroffene unterstützen, z.B. durch Verweisberatung, Begleitung zu Behörden und Ämtern oder Unterstützung bei der Wohnungs- oder Jobsuche.

In der Arbeit mit Menschen, die von Armut und/oder Wohnungs-/Obdachlosigkeit betroffen oder bedroht sind, treten vielfältige Fragen und Unsicherheiten auf. Um kompetent und souverän unterstützen zu können, benötigen Engagierte sowohl Fach- und Grundlagenwissen als auch vielfältige nichtfachliche Kompetenzen.

Vorgehen:

Das Seminar sensibilisiert die Teilnehmenden für die Relevanz und Komplexität des Themenfelds, bereitet sie auf entsprechende Tätigkeiten vor und reflektiert die soziale Verantwortung jeder/jedes Einzelnen. Mit ausgewählten Themenschwerpunkten befassen sie sich im Semesterverlauf ausführlicher.

Parallel werden sie selbst aktiv und engagieren sich in einer Einrichtung, Initiative oder einem Projekt ihrer Wahl für Menschen, die von Armut und/oder Wohnungs-/Obdachlosigkeit betroffen oder bedroht sind. Es bestehen Kooperationen mit diversen Einrichtungen, die UnterstützerInnen für den Zeitraum eines Semesters aufzunehmen bereit sind. Alternativ können die TeilnehmerInnen aber auch eigene Kontakte und Netzwerke nutzen.

Dabei wenden sie ihr Wissen und ihre Kompetenzen praktisch an, erhalten wertvolle Einblicke in die Lebenssituation, Bedürfnislagen und täglichen Herausforderungen von Betroffenen sowie in Organisations- und Verwaltungsstrukturen des Hamburger Hilfesystems. Sie können alleine oder in Teams arbeiten. Es ist wünschenswert, dass die TeilnehmerInnen die Verbindung zu ihrem Fachstudium herstellen und ihre wissenschaftliche Expertise sowie ggf. Erfahrung aus ihrem Freiwilligenengagement einbringen.

Ihre Beobachtungen und Erfahrungen in der Praxis dokumentieren und reflektieren sie kontinuierlich in einem E-Portfolio, das auf dem Blog (https://hamburg-fuer-alle.blogs.uni-hamburg.de/) veröffentlicht wird – oder erstellen einen Podcast zum Themenfeld „Wohnungs- und Obdachlosigkeit in Hamburg“. (Alternativ zu dieser praktischen Arbeit können sie ein eigenes Forschungsthema erarbeiten und im Semester verfolgen. Die begleitende schriftliche Dokumentation und Veröffentlichung erfolgen ebenfalls auf dem Blog.)

Ein weiterer Bestandteil des Programms sind Exkursionen in Hamburger Behörden sowie nichtstaatliche Einrichtungen und Initiativen. Die Teilnehmenden treffen Menschen aus verschiedenen Kontexten der professionellen und ehrenamtlichen Hilfesystems und gewinnen einen wertvollen Einblick in das lokale Netzwerk.

Hinweis:

Der Fokus in dieser Veranstaltung liegt auf dem praktischen Engagement. Um einen tieferen Einblick in das Themenfeld „Wohnungs-/Obdachlosigkeit und Armut“ zu gewinnen, wird die Teilnahme an der Ringvorlesung „Hamburg für alle – aber wie?“ (LV-Nr. 50-001) und dem “Theorie-Seminar über Wohnungs- und Obdachlosigkeit als gesamtgesellschaftliche Herausforderung” (LV-Nr. 50-002) empfohlen. Für die Teilnahme an der Ringvorlesung  können zusätzlich 2,0 Credits, für die Teilnahme am Theorieseminar zusätzlich 3,0 Credits erworben werden.

Zusätzliche Hinweise zu Prüfungen:

Voraussetzung für den Erwerb von 5 LP:

  • kontinuierliche Teilnahme am Seminar und aktive Beteiligung an den Diskussionen
  • eigenständige Arbeit an Projekten bzw. Forschungsthemen
  • Dokumentation der Projekte bzw. Forschungsthemen auf dem Blog
  • alternativ: Erstellung einer Podcast-Episode zum Themenfeld „Wohnungs- und Obdachlosigkeit in Hamburg“
  • aktive Teilnahme am Exkursionsprogramm und Dokumentation auf dem Blog

Termine Projektseminar, jeweils von 14:15 bis 17:45 Uhr (Gorch-Fock-Wall 7, Raum C2801)

Termin Raum
1 Di, 15. Okt. 2019 GFW 7, Raum C2081
2 Di, 22. Okt. 2019 GFW 7, Raum C2081
3 Di, 05. Nov. 2019 Exkursion
4 Di, 12. Nov. 2019 GFW 7, Raum C2081
5 Di, 03. Dez. 2019 GFW 7, Raum C2081
6 Di, 14. Jan. 2020 GFW 7, Raum C2081
7 Di, 28. Jan. 2020 GFW 7, Raum C2081

50-002 Theorieseminar für Engagierte in der Arbeit mit Wohnungs- und Obdachlosen

Die Bekämpfung von sozialer Ungleichheit, Wohnungs- und Obdachlosigkeit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und fordert Disziplinen übergreifende Zusammenarbeit.

Vorgehen:

Das Seminar sensibilisiert die Teilnehmenden für die Relevanz und Komplexität von Wohnungs- und Obdachlosigkeit, reflektiert die Verantwortung und Rolle von Politik und Verwaltung, aber auch die individuelle Verantwortung und Handlungsmöglichkeiten von Bürgerinnen und Bürgern.

Inhaltliche Schwerpunkte:

  • Ursachen von Wohnungs- und Obdachlosigkeit
  • Professionelle Unterstützungsstrukturen für Wohnungs- und Obdachlose in Hamburg
  • Wohnen als Menschenrecht
  • Armut und Gesundheit: Medizinische Hilfe für Obdachlose in Hamburg
  • Housing First – das Ende der Obdachlosigkeit?
  • Lebenslagen von Straßenkindern und jungen Obdachlosen
  • Lebenslagen obdachloser Frauen
  • Wohnungs- und Obdachlosigkeit im internationalen Vergleich

Die Teilnehmenden befassen sich im Semester individuell, in Tandems oder Teams intensiv mit einem ausgewählten Themenschwerpunkt, entwickeln eine eigene Fragestellung, verfassen einen Essay oder erstellen eine Podcast-Episode, der/die anschließend auf dem Blog zum Studienprogramm „Hamburg für alle – aber wie?“ (https://hamburg-fuer-alle.blogs.uni-hamburg.de/) veröffentlicht wird.

Ergänzend zur theoretischen Arbeit nehmen die Studierenden an einer Exkursion in eine Hamburger Behörde oder nichtstaatliche Einrichtung teil. So gewinnen sie einen zusätzlichen wertvollen Einblick in das lokale Hilfe- und Unterstützungssystem.

Hinweis:

Der Fokus dieser Veranstaltung liegt auf der Vermittlung theoretischen Hintergrundwissens zum Themenfeld „Wohnungs-/Obdachlosigkeit und Armut“. Um einen praktischen Einblick zu gewinnen, wird die Teilnahme an dem Projektseminar “Hamburg für alle – aber wie?” (LV-Nr. 50-003) empfohlen. In diesem werden die Teilnehmenden selbst aktiv und engagieren sich in einer Einrichtung, Initiative oder einem Projekt ihrer Wahl für Menschen, die von Armut und/oder Wohnungs-/ Obdachlosigkeit betroffen oder bedroht sind. Dabei wenden sie ihr Wissen und ihre Kompetenzen praktisch an, erhalten wertvolle Einblicke in die Lebenssituation, Bedürfnislagen und täglichen Herausforderungen von Betroffenen sowie in Organisations- und Verwaltungsstrukturen des Hamburger Hilfesystems. Ihre Beobachtungen und Erfahrungen dokumentieren und reflektieren sie kontinuierlich in einem E-Portfolio, das auf dem Blog („Hamburg für alle – aber wie?“: https://hamburg-fuer-alle.blogs.uni-hamburg.de/) veröffentlicht wird. Durch die Teilnahme am Projektseminar können sie zusätzlich 5 Leistungspunkte erwerben.

Darüber hinaus wird im Wintersemester 2019/20 eine Ringvorlesung „Hamburg für alle – aber wie? ringvorlesung über Wohnungs- und Obdachlosigkeit als gesamtgesellschaftliche Herausforderung“ (LV-Nr. 50-001) angeboten. Für die Teilnahme können Studierende zusätzlich 2,0 Credits erwerben.

Zusätzliche Hinweise zu Prüfungen:

Voraussetzung für den Erwerb von 3 LP:

  • kontinuierliche Teilnahme am Seminar und aktive Beteiligung an den Diskussionen
  • eigenständige Arbeit zu einem Schwerpunktthema
  • Verfassen eines wissenschaftlichen Essays und Veröffentlichung auf dem Blog (https://hamburg-fuer-alle.blogs.uni-hamburg.de/)
  • alternativ: Erstellung einer Podcast-Episode zu einem Schwerpunktthema aus dem Seminar
  • aktive Teilnahme an einer Exkursion, inkl. Vorbereitung

Termine Theorieseminar, jeweils von 14:15 bis 17:45 Uhr (Gorch-Fock-Wall 7, Raum C2801)

1 Di., 15.Okt. 2019 GFW 7, Raum C2081
2 Di, 29. Okt. 2019 GFW 7, Raum C2081
3 Di, 19. Nov. 2019 GFW 7, Raum C2081
4 Di, 26. Nov. 2019 GFW 7, Raum C2081
5 Di, 10. Dez. 2019 GFW 7, Raum C2081
6 Di, 17. Dez. 2019 GFW 7, Raum C2081
7 Di, 21. Jan. 2020 GFW 7, Raum C2081

Hilfesystem für Themen rund um die psychische Gesundheit

von S.R.

Menschen, die auf der Straße leben, könnten besonders oft unter psychischen Problemen und Erkrankungen leiden. Warum ich das denke und wie psychische Erkrankungen überhaupt entstehen, möchte ich euch im Folgenden erklären.

Es gibt zahlreiche Ursachen, die Auslöser für eine psychische Erkrankung oder generell für psychische Probleme sein können. Neben biologischen kann es auch psychosoziale Ursachen geben. Biologische Ursachen liegen meist auch für Fachfremde auf der Hand: Hormone, Botenstoffe und andere Mechanismen im Körper spielen nicht so zusammen, wie es für ein psychisches Wohlbefinden notwendig wäre. Das kann zum Beispiel bei Menstruierenden vor der Regel oder nach einer Geburt stattfinden oder bei Menschen, die eine Schilddrüsenunterfunktion haben und somit der eigene Hormonhaushalt „durcheinander“ ist. Serotonin oder Dopamin werden vielleicht nicht ausreichendem Maße produziert und sorgen für Reizbarkeit, Hoffnungslosigkeit und gedrückte Stimmung. Oder auch ein Mangel von Östrogenen oder Testosteron können bei jedem Geschlecht Auswirkungen auf das psychische Empfinden haben. Solche Stimmungslagen können sich chronifizieren, Denkmuster verfestigen sich und ernstzunehmende psychische Probleme können entstehen. Continue reading

Mein Weg aus der Abhängigkeit

Nicht selten sind die Themen Obdachlosigkeit und Sucht miteinander verbunden. Obdachlosigkeit kann zu Sucht führen, Sucht kann zu Obdachlosigkeit führen. Neben den Angeboten, die Therapieeinrichtungen für suchtkranke Menschen bieten, gibt es anonyme Selbsthilfegruppen für eben jene. Diese Gruppen können auf freiwilliger Basis besucht werden, ganz ohne Anmeldung. Sie sind kostenlos und basieren auf dem Prinzip der Selbsthilfe – die Mitglieder der Gruppen profitieren vom gegenseitigen Erfahrungsaustausch. Die Gruppen finden ambulant statt, es gibt keine Kliniken. Ob viele obdachlose Menschen die Gruppen in Anspruch nehmen, ist nicht bekannt, da die Gruppen anonym sind und keine Statistik geführt wird. Dennoch bieten sie eine gute Möglichkeit, bei drohender Obdachlosigkeit Hilfe zu erfahren: niedrigschwellig und von Menschen, die selbst betroffen waren. Zwei Teilnehmende des Seminars “Hamburg für alle – aber wie?” besuchen regelmäßig eine Selbsthilfegruppe für suchtkranke Menschen und schildern hier ihre Erfahrungen. Continue reading

Die Problematik der öffentlich-rechtlichen Unterbringung von Geflüchteten in Hamburg

von Kevin Hase

Das Thema der Öffentlich-rechtlichen Unterbringung (ÖrU) ist in Hamburg in den letzten Jahren verstärkt in den öffentlichen und politischen Fokus gerückt. Dies hängt in erster Linie mit der hohen Anzahl an aufgenommenen Geflüchteten zusammen, welche 2015 ihren bisherigen Höhepunkt erreichte und dazu führte, dass zahlreiche neue Wohnunterkünfte bereitgestellt werden mussten. Durch die Auslastung des Wohnungsmarkts der Stadt ist die Verweildauer in der ÖrU meist sehr lang. Die Lebenssituation innerhalb von Wohnunterkünften ist dabei oft angespannt. Bewohner*innen leben oft auf engem Raum zusammen, zudem ist der Anteil an psychisch kranken Menschen in der ÖrU sehr hoch. Im Folgenden soll die öffentlich-rechtliche Unterbringung in Hamburg, mit Fokus auf Geflüchtete und vor allem in Bezug auf Wohnbedingungen und psychische Belastungen für die Bewohner*innen, kritisch betrachtet werden. In diese Betrachtung soll ein alternative Konzept zur ÖrU, housing first, kurz mit eingebunden werden, um die Problematik und zeitgleiche Bedeutung öffentlich-rechtlicher Unterbringung zu verdeutlichen und einen Ausblick auf die zukünftige Form der ÖrU zu geben. Continue reading

Millerntor-Stadion

Am vergangenen Montag waren wir mit dem herz as (24 Personen) im Millerntor-Stadion und haben uns das Derby St. Pauli gegen Holstein Kiel angeschaut. Mit fast 30.000 Menschen war das Spiel ausverkauft, und nicht zuletzt hat der wunderschöne Sonnenuntergang zur gigantischen Stimmung im Stadion beigetragen. Der 2:1-Sieg für St. Pauli war dann natürlich der krönende Abschluss des Abends.
Vielen Dank nochmal an den FC St. Pauli, der uns das schöne Erlebnis ermöglicht hat!

 

Psychologie der (nicht) Helfenden in der Obdachlosenhilfe

von Mary-Lou Ploß

Je nachdem, in welcher Ecke von Hamburg man sich rumtreibt, begegnen einem unterschiedlich viele Obdachlose. Kleine Grüppchen, die zusammensitzen in ihren zusammengebastelten Lagern. Bettler, entweder am Straßenrand sitzend oder in der U-Bahn. Einsame Gestalten, die zusammengerollt in einer Ecke liegen. Menschen, die körperlich heruntergekommen sind, sodass man sie nicht ohne ein großes Gefühl an Unwohlsein anschauen kann. Tagtäglich strömen Hunderte Menschen an diesen Gestalten vorbei, ohne ihnen einen Blick zu widmen oder anderweitig Hilfe zu leisten. Dabei ist die Notsituation mehr als deutlich. Jedoch scheint es keinen zu berühren. Obwohl der Obdachlose direkt zwei Meter von einem entfernt deutlich näher ist, als ein Kriegsopfer in Syrien oder Opfer von Naturkatastrophen in einer anderen Ecke der Welt. Es scheint fast so, als sei der Obdachlose unsichtbar und komplett aus der bewussten Wahrnehmung verdrängt. Eher ein Teil des Stadtbildes als ein tatsächlicher Mensch in einer misslichen Lage. Dabei kann jeder in genau so eine Situation reinrutschen. Eine Verkettung ungünstiger Umstände, einfach Pech, eine falsche Entscheidung – und schon ist es geschehen. Woran liegt es also, dass die meisten nicht bereit sind zu helfen? Und wie kann es sein, dass wohlgemeintes Helfen manchmal schadet? Continue reading

Minigolfen im Planen un Blomen

Bei allerbestem Wetter waren wir zusammen mit einigen Besucher*innen und ehrenamtlichen Helfer*innen des herz as beim Minigolf im Park ‘Planten un Blomen’. Der Bahnrekord wurde zwar nicht gebrochen, großen Spaß hatten wir natürlich trotzdem.

… schreibt Stephan

Alltag auf der Straße. Ein Einblick

von Klara Walter

Es ist halb zehn in der Früh. Wir sitzen vor dem Rewe auf dem Boden und warten darauf, dass jemand etwas Geld in den Becher vor uns wirft. Die Menschen laufen an uns vorbei. Sie schauen von oben auf uns herab. Wir schauen von unten zu ihnen hoch. Ein Mann bleibt stehen, schmeißt etwas Kleingeld in unseren Becher, wünscht noch einen schönen Tag und geht weiter.

„Das reicht für zwei Bier“, sagt Hansi und verschwindet im Rewe. Jetzt sitze ich alleine hier.

Ein Mann in einem eleganten Anzug geht, mit hektischen Schritten und Blick auf sein Smartphone gerichtet, so nah an mir vorbei, dass er fast den Becher umtritt. Er bemerkt mich gar nicht. Mein Blick wandert zu der Eisdiele gegenüber. Die Leute sitzen an den Tischen davor, lachen, genießen das schöne Wetter und die gemeinsame Zeit mit ihren Freunden. Continue reading

Sommerfest 2019

Das Sommerfest des herz as und der Gemeinde St. Michaelis am Samstag, 20. Juli 2019 auf dem Kirchplatz und im Gemeindehaus beim Hamburger Michel war gut besucht. Bis zum späten Nachmittag hatten wir sogar super Wetter. Ehrenamtliche haben die Gäste mit Speisen und Getränken versorgt, für Kinder und Erwachsene wurden Spiele angeboten und zur Unter­haltung gab es musikalische Darbietungen. Hat Spaß gemacht!

Eine Geschichte vom (Über)sehen

Jeder kleine Schritt kann ein Schritt in die richtige Richtung sein.

von Annemarie Hartig

Regelmäßig fahre ich mit Bus und Bahn, laufe in der Stadt an den Menschen vorbei. Manchmal sitze ich nur da und beobachte die an mir vorbeilaufenden Menschen und die Umgebung. Wenn ich in einem kleinen Wäldchen sitze, wirkt alles so friedlich. Insbesondere, wenn ich die Knie anwinkle, den Oberkörper nach hinten lehnend auf die Arme stütze und dabei in den Himmel blicke. Dann kann ich frei atmen. Niemand, der mich gerade stört. Ich kann meinen Gedanken freien Lauf lassen. Ein Gedanke schweift zum nächsten über und formt schon den nächsten. An solchen Orten habe ich Ruhe. Aber dann gibt es auch noch ganz andere Orte. Orte wie den Hauptbahnhof.

Am Hauptbahnhof ist immer viel los, Menschen wuseln durcheinander und man verliert oft den Überblick. Es sind einfach zu viele Menschen unterwegs, man kann gar nicht alles um sich herum wahrnehmen. Oft ist man selbst auf der Reise und hat keinen Kopf, um die umgebenden Menschen bewusst wahrzunehmen. Oder man ist gestresst und achtet nicht mehr so viel auf die Menschen um einen herum, sondern nur darauf, dass man die eine ganz bestimmte Bahn bekommt. Continue reading

EIN RECHT AUF WOHNEN FÜR ALLE!

von Isgard Klein

Bei dem Slogan EIN RECHT AUF WOHNEN! stellte ich mir zuallererst – und ich denke, dass geht auch euch Lesern so – den Kampf um eine Wohnung, die eigenen vier Wände in einem Mehrfamilienhaus vor. Gerade in der heutigen Wohnungsdebatte wird es immer schwieriger eine bezahlbare Wohnung in einem schönen Stadtteil zu finden. Lange Schlangen bei Wohnungsbesichtigungen, viele WG-Besuche und Wohnungsabsagen… Nur weil man als Studierende/r ein zu geringes Einkommen hat. Der Kampf gegen die Gentrifizierungprozesse in Städten, steigende Mieten und die Privatisierung.

Dass sich dieser Slogan jedoch auf eine andere Ebene übertragen lässt, ist mir erst durch das Containerprojekt der Diakonie Hamburg wirklich bewusstgeworden. In einer Wohnung zu leben, hat für Obdachlose eine ganz andere Bedeutung und Relevanz.

Eine Wohnung ist so viel mehr als nur ein Ort zum Schlafen. Continue reading

Obdachlosigkeit im Kaiserreich und Nationalsozialismus

von Johanna Harder

Seit es Menschen gibt, die in Gesellschaften zusammenleben, ob nun auf dem Land, in Dörfern oder in Städten, gibt es jene, die es schwieriger haben als die anderen. Jene, die kein Dach über dem Kopf haben und die von der Vergangenheit bis heute viele Namen trugen: Obdachlose, Bettler, Landstreicher, Vagabunden, aber auch Asoziale und Arbeitsscheue. All diese Begriffe sind von einem negativen Beiklang geprägt, der auch dazu geeignet ist, die Einstellung der Bevölkerung zu dieser Gruppierung zu beschreiben. Auch wenn man heutzutage in der offiziellen politischen Debatte im Zusammenhang mit Obdachlosen Begriffe wie Arbeitsscheue oder „minderwertige Kranke“ nicht finden wird (außer vielleicht bei manchen extremeren Gruppierungen), hat wohl jeder schon den Begriff Asozialer in Verbindung mit Obdachlosen gehört.

Doch so wie es schon immer Anfeindungen und eine gewisse Distanz zu Obdachlosen gab, so gab es auch immer jene, die bemüht waren, Armen und Obdachlosen das Leben zu erleichtern. Wie konnte es dennoch zu dem während des Nationalsozialismus herrschenden Massenmord an obdachlosen Menschen kommen? Continue reading