Engagiert in der Kleiderkammer der Alimaus

Wir, Marie und Jen, haben uns in den vergangenen Monaten in der Kleiderkammer der Alimaus auf St. Pauli engagiert. Die Alimaus ist eine Tagesstätte für obdachlose und bedürftige Menschen, die im Jahr 1992 unter Gabriele Scheel und Pastor Alfons gegründet wurde. Das rote Blockhaus am Nobistor 42 bietet bis zu dreimal täglich für 60 Personen warme Mahlzeiten an. Durch den Einsatz von mehr als 200 freiwillig Engagierten kann dieses Angebot erst gewährleistet und somit dazu beigetragen werden, dass zumindest einigen Menschen der Zugang zu Nahrung und einer Grundversorgung geschaffen werden kann.

Neben der beschriebenen Essensausgabe befindet sich wenige Häuser weiter, am Nobistor 34, Don Alfonsos Kleiderkammer, die ebenso Bestandteil der Alimaus ist. Bedürftige können sich Dienstag von 11-13 Uhr und Samstag von 13-15 Uhr mit Kleidungsstücken jeglicher Art, Hygieneartikeln und „Outdoor-Artikeln“ ausstatten. Dadurch, dass die Kleiderkammer ein niedrigschwelliges Angebot ist, setzen sich die Spenden ausschließlich aus privaten Gaben zusammen.

Spendenannehmen und -sortieren

An einigen Tagen treffen sich Mitarbeiter*innen, um die erhaltenen Spenden nach Brauchbarkeit sowie Größen etc. zu sortieren. Was nicht in der Kleiderkammer verwendet werden kann, wird an andere Ausgabestellen weitergeleitet oder entsorgt. Somit kann gewährleistet werden, dass die Kleiderkammer stets mit neuen Dingen ausgestattet ist, welche dann, je nach Jahreszeit, in die Ausgabe gegeben werden können. Bereits bei der Sichtung der Spenden hatten wir gemischte Gefühle. So gab es großartige und qualitativ hochwertige Spenden, aber auch Säcke, in denen nasse, dreckige oder durchlöcherte Wäsche lag, die man so nicht ausgeben konnte.

Insgesamt besteht das Team aus etwa 35 freiwilligen Mitarbeiter*innen und einem selbst ernannten Koordinator, die aus komplett unterschiedlichen Lebenswelten und Altersstufen kommen. Jede*r Freiwillige kann selbstständig entscheiden, an welchen Tagen er/sie zur Ausgabe kommen möchte, wodurch sich das Team stets in neuen Konstellationen zusammengesetzt hat. Hierfür wird in einer WhatsApp-Gruppe kommuniziert.

Die Schichten in der Kleiderkammer

Schon beim Eintreten in die Kleiderkammer wird einem aufgrund der Vielzahl der Spenden deutlich, wie viele Menschen dieses Hilfsangebot in Anspruch nehmen müssen. Die Kleidungsstücke sind nach Funktion, Geschlecht und Größen sortiert, was die Ausgabe deutlich erleichtert. Pro Schicht sind es meistens vier Engagierte, die sich im Vorfeld kurz absprechen, ob sie in die Frauen- oder Männerabteilung gehen wollen. Sobald die Kleiderkammer öffnet, widmet sich jede*er Mitarbeiter*in einem*r Besucher*in und versucht ihn*sie bestmöglich mit Kleidung etc. auszustatten.

In der Kleiderkammer dürfen sich maximal drei Personen männlichen Geschlechts aufhalten, um so einen Schutz der Mitarbeiter*innen gewährleisten zu können. Aus unserer persönlichen Erfahrung heraus waren es deutlich mehr männliche Besucher als weibliche, die das Angebot der Alimaus in Anspruch genommen haben. Durchschnittlich waren es 20-40 Personen, die an Samstagen das Angebot nutzten. Menschen kommen mit vollkommen unterschiedlichen Belangen zu uns, manche lassen sich schnell ausstatten, bei anderen wiederum bedarf es mehr Zeit und vor allem aber viel Geduld! Die Reaktionen der Betroffenen reichten von Dankbarkeit bis über in Trunkenheit ausgesprochene Beleidigungen, mit welchen man anfänglich erst zurecht kommen musste, um sich nicht persönlich angegriffen zu fühlen, sondern nur helfen zu wollen und das Richtige zu tun. Dies ist wohl etwas, dass man in nahezu allen freiwilligen Engagements lernen muss. Wir konnten auch sehen, dass einige der Helfenden mehr Sensibilität im Umgang mit Hilfsbedürftigen zeigen konnten als andere.

Unsere persönlichen Eindrücke…

sind sehr vielfältig und reichen von Verwunderung über die bestehenden Strukturen bis hin zu Überforderungsmomenten mit Betroffenen. Bis vor einigen Wochen durften Nutzer*innen nur dann das Angebot in Anspruch nehmen, wenn sie einen Zettel, welcher mit einem Nutzungsdatum versehen war, mitgebracht haben. Nach der Ausgabe bekamen diese dann einen neuen Zettel für den nächsten Besuch. Im Durchschnitt wurden aber maximal drei Zettel in der Ausgabe wieder mitgebracht, einige Besucher*innen hatten nicht einmal verstanden, wozu dieser Zettel dienen soll. In unseren Augen wurde durch die Zettel nur eine künstliche Hürde geschaffen, welche von vielen Nutzer*innen der Kleiderkammer nicht genommen werden konnte. Wir konnten nicht verstehen, welche Sinnhaftigkeit diese Vorgabe hatte und setzten uns dafür ein, dass diese, aus unserer Perspektive, Unsinnigkeit abgeschafft wird, was letztlich auch geschehen ist.

In Gesprächen mit dem Koordinator, der selbst seit vielen Jahren ein freiwilliger Helfer ist, wurde uns bewusst, dass es an professionellen Fachkräften mangelt, welche sicherlich einen anderen Blickwinkel auf strukturelle Vorgaben hätten und für die Kleiderkammer von Vorteil wären. Wenngleich dieser Zustand, aufgrund von mangelnden Geldern nicht erreicht werden kann, sollten wir dennoch weiterhin versuchen, das Angebot der Alimaus zu verbessern, indem wir dazu beitragen, uns motiviert und engagiert für wohnungs- und obdachlose Menschen einzusetzen und ihnen dabei helfen, ihre Situation wenigstens ein Stück weit mehr zu erleichtern. Uns ist aufgefallen, dass die angestellte Fachkraft wenig Kontakt zur Kleiderkammer hatte und dadurch nicht sehen konnte, welche strukturellen Vorgaben sinnvoll sind und welche in der alltäglichen Arbeit keinen Gewinn bringen. Es wurde somit leider auch von institutioneller Seite nicht immer Dankbarkeit und Verständnis entgegengebracht.

Unser Fazit: Verständnis und Empathie sind wichtig

Auch wenn wir zugeben müssen, dass die Arbeit nicht gerade anspruchsvoll gewesen ist, hat es uns doch ein Stück Freude bereitet, anderen Menschen helfen zu können. Vor allem der respektvolle Umgang mit den Hilfsbedürftigen kann, neben der Ausgabe an Kleidung und anderen Artikeln, einen Beitrag dazu leisten, dass sich Menschen wahrgenommen fühlen. Wenngleich wir stets hinterfragten, ob diese Form des Angebots wirklich als Hilfeangebot verstanden werden und moralisch überhaupt als vertretbar empfunden werden kann. Wir persönlich denken, dass es viel Verständnis, Empathie und das Bedürfnis helfen zu wollen bedarf, um sich in einem Projekt wie der Kleiderkammer beteiligen zu wollen. Wir wünschen uns für die Zukunft, dass es weiterhin helfende Hände geben wird, die sich mit Herz für wohnungs- und obdachlose Menschen einsetzen – zu denen wir sicherlich für längere Zeit gehören werden. Wir haben jedenfalls vor, uns weiterhin in der Kleiderkammer zu engagieren, aber daneben auch eine andere Form der freiwilligen Tätigkeit für uns zu finden, bei der wir einen größeren „Mehrwert“ sehen.

Bericht von Jen und Marie

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