Projektseminar 22. Oktober 2019

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer!

Falls noch nicht geschehen, denkt bitte daran, den Fragebogen noch auszufüllen und einzureichen: cornelia.springer@uni-hamburg.de.

Fragebogen zum Projektseminar als Word-Datei
Fragebogen zum Projektseminar als PDF

Wegen der “Matchings” mit euren Praxispartnern bleiben wir wie besprochen im Austausch, sodass ihr zeitnah ins Engagement starten könnt.

Bitte zögert nicht, anzurufen (040/428384046) oder eine Mail zu schicken, wenn noch Fragen offen sind.

Die Informationen zur Sitzung vom 22.10.2019 findet ihr im Folgenden.

Herzlichen Gruß

Cornelia

I. Vorurteile und Klischees über obdachlose Menschen

Was sind gängige Vorstellungen/Klischees über obdachlose Menschen? Was können wir diesen entgegensetzen?

Obdachlose Menschen sind verwahrlost, psychisch krank, an ihrer Situation selbst schuld. Solche pauschalen Urteile ignorieren die vielen strukturellen Faktoren, die zur Wohnungslosigkeit geführt haben. Wohnungs- bzw. obdachlose Menschen sind niemals auf ihre Wohnungs-/ Obdachlosigkeit zu reduzieren! Obdachlose sind zu faul zum Arbeiten! Es gibt durchaus obdachlose Menschen, die arbeiten. Ohne eigene Wohnung, ohne Privatsphäre und Ruhe, ohne eigene Dusche… ist es aber gar nicht so einfach, einem Job nachzugehen – um nur einen winzigen Ausschnitt der Herausforderungen zu benennen. Mit Faulheit hat das jedenfalls nichts zu tun.

Jede*r Obdachlose könnte auch eine Wohnung bekommen! Nur wo es freie Wohnungen gibt, kann auch jemand einziehen. Im Wettbewerb mit anderen Interessent*innen haben Obdachlose auf dem “regulären” Wohnungsmarkt i.d.R. sehr schlechte Karten.

Arbeitslose haben das Recht auf Hartz 4, auch Obdachlose. Warum sollte ich dann Geld geben? Es gibt auch Obdachlose, die bewusst ohne Sozialleistungen leben, weil sie Behörden meiden wollen. Wer keine Leistungen bezieht, ist in der Regel nicht krankenversichert. ….. Obdachlose kaufen von ihrem Geld nur Alkohol und Zigaretten! …..

….. Die meisten Obdachlosen sind aggressiv oder geistig verwirrt! ….. Bettelbanden ….. Kriminalität ….. Alkoholkonsum, Drogen ….. Obdachlose riechen, weil ihnen Körperpflege egal ist! ….. Die können nichts dafür, dass sie auf der Straße gelandet sind! Familienangelegenheiten, finanzielle Probleme, Erkrankungen oder eine Mischung aus all diesen sind klassische Gründe für Obdachlosigkeit. (vgl. EKHN; Lahusen)

Obdachlose sollten aus den Innenstädten entfernt werden, damit man sie nicht sehen muss. Feindschaft gegen Obdachlose ist eine Ausprägung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Im Nationalsozialismus führt diese dazu, dass “10.000 Obdach- und Wohnungslose im Namen der ‘Rassenhygiene’ als sogenannte ‘Arbeitsscheue’ und ‘Asoziale’ zwangssterilisiert, in Konzentrationslager eingewiesen und ermordet wurden.” (vgl. Fachstelle Gender, GMF und Rechtsextremismus 2019)

“Mit der Wahrnehmung des politischen Mandats Sozialer Arbeit und einem Zusammenschluss von der Zielgruppe gegenüber aufgeschlossenen Politiker_innen, Medienvertreter_innen, zivilgesellschaftlich engagierten Bürger_innen und den Betroffenen selbst könnte es gelingen, neue und individuelle Bilder wohnungsloser Menschen zu erzeugen – mit all ihren Problemlagen, aber auch vorhandenen Fähigkeitenund Ressourcen.” (Gerull 2018)

Quellen:
  • Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) (2019): Vorurteile gegenüber Obdachlosen (Link)
  • Fachstelle Gender, GMF und Rechtsextremismus (2019): Feindschaft gegen Obdachlose. (Link)
  • Gerull, Susanne (2018): “Unangenehm”, “arbeitsscheu”, “asozial”. Zur Ausgrenzung von wohnungslosen Menschen. In: APuZ 25-26/2018. S. 30-36 (Link)
  • Gineiger, Ulrich (2007): Obdachlosenabwertung – Unerwartete Gruppen auf der Straße. Dr. Obdachlos. In: Heitmeyer, Wilhelm (Hrsg.): Deutsche Zustände, Folge 5, Frankfurt/M.
  • Heitmeyer, Wilhelm (2008): Die Ideologie der Ungleichwertigkeit. Der Kern der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, in: Ders. (Hrsg.), Deutsche Zustände, Folge 6, Frankfurt/M.
  • Lahusen, Hannah (2013): Stigmatisierung Wohnungsloser – Konsequenzen für die Bewältigungsstrategien. Bachelorarbeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. (Link)

II. Freiwilliges Engagement

1. “Der Deutsche Freiwilligensurvey (FWS)

ist eine repräsentative Befragung zum freiwilligen Engagement in Deutschland, die sich an Personen ab 14 Jahren richtet. Freiwillige Tätigkeiten und die Bereitschaft zum Engagement werden in telefonischen Interviews erhoben und können nach Bevölkerungsgruppen und Landesteilen dargestellt werden. Außerdem können die Engagierten und Personen, die sich nicht bzw. nicht mehr engagieren, beschrieben werden. Der Freiwilligensurvey ist damit die wesentliche Grundlage der Sozialberichterstattung zum freiwilligen Engagement und wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.”

Erhebungswellen: 1999, 2004 und 2009, 2011, 2014, 2019
wissenschaftliche Leitung seit 2011: Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA)

Simonson, Julia; Claudia Vogel; Clemens Tesch-Römer (2017): Freiwilliges Engagement in Deutschland. Der Deutsche Freiwilligensurvey 2014. (Open Access Publikation: Link)

Wer kann es sich in Deutschland überhaupt “leisten”, sich freiwillig zu engagieren? Ein “hoher sozioökonomischer Status [ist] in der Regel förderlich für die Ausübung einer freiwilligen Tätigkeit”. Mehr dazu: Simonson, Julia; Nicole Hameister (2017): Sozioökonomischer Status und freiwilliges Engagement. In: Der Deutsche Freiwilligensurvey 2014, S. 439-464

2. Der ZiviZ-Survey

“ist die einzige repräsentative Befragung zivilgesellschaftlicher Organisationen in Deutschland. Unter ‘organisierter Zivilgesellschaft’ werden (…) gemeinnützige Organisationen verstanden. Gemeint sind Vereine und Stiftungen, Genossenschaften und Kapitalgesellschaften, in denen sich der größte Teil bürgerschaftlichen Engagements organisiert. An dem im Juni 2017 veröffentlichten ZiviZ-Survey beteiligten sich mehr als 6.300 gemeinnützige Organisationen. Erstmals wurden in die Befragung auch inhaltliche Schwerpunkte aufgenommen. Es gab gesonderte Fragen zum Engagement im Bildungskontext, zu Fö rdervereinen sowie zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und von Flüchtlingen.”

Priemer, Jana; Holger Krimmer, Anaël Labigne (2017): Vielfalt verstehen. Zusammenhalt stärken. Edition Stifterverband: Essen 2017ZIVIZ-Survey 2017 (Link)

 

3. Freiwilliges Engagement in Hamburg

BroschüreEngagementstrategie 2020: Die Hamburger Strategie für freiwilliges Engagement 2020 (Engagementstrategie 2020) bildet erstmals die bestehenden Ansätze der Freiwilligenarbeit ab und gibt Impulse für eine Weiterentwicklung des freiwilligen Engagements in Hamburg. Das Konzept wurde am 15. Juli 2014 vom Hamburger Senat beschlossen. (Link)

Kausmann, Corinna, Julia Simonson, Jochen P. Ziegelmann, Claudia Vogel & Clemens Tesch-Römer (2017): Länderbericht zum Deutschen Freiwilligensurvey 2014. Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA) (Link)

Das Aktivoli Landesnetzwerk bündelt Informationen rund um freiwilliges Engagement in Hamburg, fördert Vernetzung und Austausch und organisiert jährlich die AKTIVOLI-FreiwilligenBörse. Im Kursportal der AKTIVOLI-FreiwilligenAkademie findet ihr einen Überblick über vielfältige Fortbildungsangebote für freiwillig Engagierte.

Die Hamburger Freiwilligenagenturen unterstützen Interssierte dabei, das für sie richtige Engagement zu finden. Sie informieren und beraten kostenlos. Eine Freiwilligenagentur in eurer Nähe findet ihr auf der Website der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen Hamburg.

 

III. Hilfesystem in Hamburg

Broschüre “Das soziale Hilfesystem für wohnungslose Menschen” – Übersicht der Hilfen für obdachlose Menschen in Hamburg.

“Hamburg verfügt über ein umfangreiches und differenziertes Hilfesystem für wohnungslose Menschen. Diese Broschüre umfasst alle Hilfs- und Unterstützungsangebote für Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht oder betroffen sind. Sie ist ein Informations- und Orientierungsmittel sowie ein Arbeitsinstrument sowohl für die (haupt- und ehrenamtlich tätigen) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Wohnungshilfe, für Interessierte als auch für die Betroffenen selbst.”

strassenhilfe-hamburg

Die Seite https://www.strassenhilfe-hamburg.de/ soll “neutral alle Helfenden und Bedürftigen informieren, welche Hilfsangebote vorhanden sind. Hierzu gehören mobile & stationäre Angebote wie ärztliche Versorgungen, Kleiderausgaben, Verpflegungsstellen, Übernachtungs- & Aufenthaltsmöglichkeiten.”

Studie: Obdach- und wohnungslose Menschen in Hamburg 2018

Die Untersuchung ist die bisher größte Befragung dieser Art, die in einer Großstadt in Deutschland durchgeführt wurde. Sie hatte das Ziel, Einschätzungen zur Zahl der Obdachlosen in Hamburg zu ermöglichen und Aussagen zur Lebenslage der obdachlosen Menschen zu erfassen. (Link)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.